Hype ist unberechtigt
"Mein Kampf" mit Kommentar: Buchhändler wundern sich über große Nachfrage

Kultur
Weiden in der Oberpfalz
15.01.2016
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Vor gut einer Woche ist die historisch-kritische Edition von Hitlers "Mein Kampf" erschienen. Startauflage: 4000 Exemplare. Viel zu wenig, wie sich herausstellt. Allein in den Buchhandlungen "Stangl & Taubald" sowie "Rupprecht" gibt es gut 80 Vormerkungen für das 2000-Seiten-Werk (Preis: 59 Euro). "Dieser Hype hat mich überrascht und ärgert mich. Denn er ist unberechtigt", sagt Buchhändler Martin Stangl.

Er verweist auf längst erschienene kommentierte Ausgaben. So gebe es das Werk von Werner Maser aus dem Jahr 1966. Oder das Buch von Christian Zentner von 1974: "Es kommentiert die wichtigsten Passagen auf 256 Seiten. Das halte ich für lesbar. Das aktuelle 2000-Seiten-Werk mit 3000 Anmerkungen ist eher für ambitionierte Hobby-Historiker und Wissenschaftler interessant." Warum aber verlangen so viele Kunden trotzdem danach? "Oft fragen Unaufgeklärte, die denken, das Buch sei nun erstmals frei verfügbar." Aktuell verzeichnet Stangl 50 Vormerkungen.

Auf über 30 kommt Maria Rupprecht in ihrer Filiale. "Täglich fragen mehrere nach." In erster Linie seien das historisch Interessierte, die eine vollständige Ausgabe möchten. Mit dem Verkauf hat die Buchhändlerin kein Problem: "Ich vertraue dem Herausgeber, dem Institut für Zeitgeschichte." So sieht das Stangl auch: "Damit mache ich mich nicht zum Handlanger dieses unsäglichen Werkes, sondern zum Aufklärer."
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