Igor Levit und Markus Becker beim Förderkreis
176 Tasten tönen für Reger

Markus Becker hat das gesamte Klavierwerk Regers auf CD eingespielt. Bild: Irène Zandel

Von Peter K. Donhauser

Weiden. Der Förderkreis für Kammermusik huldigt in seiner Reihe "Meisterkonzerte" am Freitag, 11. November (20 Uhr), in der Max-Reger-Halle den Sohn der Stadt mit einem Duoabend der hochrenommierten Pianisten Igor Levit und Markus Becker. Die Kulturredaktion führte mit Becker im Vorfeld des Konzert dieses Interview.

Herr Becker, Sie, wie Ihr Kollege, sind uns in Weiden mit Solo-Klaviermusik in bester Erinnerung. Nun kommen Sie gleich im Doppelpack, mit zwei Klavieren und exklusiv mit Musik des Genius Loci Max Reger im Gepäck. Wie haben Sie Drei zu diesem bemerkenswerten Projekt zusammen gefunden?

Markus Becker: Igor und ich kennen uns seit Jahren, wir teilen die Liebe zu komplexer, vielleicht rätselhafter Klaviermusik. Da liegt Max Reger ja auf der Hand. Vielleicht ist auch die Ausbildung bei Karl-Heinz Kämmerling, die wir beide genossen haben, ein Faktor: Regers Musik bildet vieles ab, was wir künstlerisch von Kämmerling mit auf den Weg bekommen haben: eine orchestrale Idee von Klavierklang, eine gewisse "Widerständigkeit" durch den oft undurchdringlichen Notentext in Verbindung mit einer sprunghaften Dynamik. Aber: Ganz ehrlich, es ist auch ein Riesenspaß für uns beide, diese großartigen Stücke quasi als Triathlon an einem Abend zu geben.

20 Finger - 176 Tasten! Was entwickelt Reger in den drei Werken, die Sie spielen aus diesem gestalterischen Luxus-Potenzial?

Wie oft bei Reger haben alle 20 Finger und die vier Ohren permanent zu tun. Eine echte Herausforderung: Immer wieder den Klang zu strukturieren - wie im Orchester einzelne Instrumentengruppen nach vorn zu holen, quasi wie auf der Orgel zu registrieren. Am größten ist für mich das Erlebnis, wenn die Musik in die zartesten Farben getaucht ist: Man glaubt nicht, wie leise zwei Konzertflügel klingen können. Den regertypischen Gegensatz bilden die drei spektakulären Schlussfugen mit ihrem "Fortissississississimo" in der Zielgeraden. Aber: Nie ist Reger oberflächlich, nur-virtuos. Immer ist seine Musik von großem Ernst.

Bei Opus 96 würde man vom Titel her eine Orgelkomposition wittern. Beziehungen zwischen Orgelklang und Klaviermusik sind bei Reger doch nahe liegend?

Absolut, hier empfindet Reger eine Orgel an zwei Klavieren nach. Sein Klaviersatz ist überhaupt eher vollgriffig als filigran-virtuos. Es gibt selten Passagen wie in Chopin-Werken, wo die rechte Hand minutenlang schnelle Läufe produziert. Alle vier Hände sind über die gesamte Klaviatur gleichberechtigt am Klang beteiligt. Im Fall der Passacaglia haben wir auch noch einen barocken Archetyp: Streng schreitet der Bass den Lebenskreis ab, darüber entwickeln sich musikalische Landschaften.

"Verachtet mir die Meister nicht!" Was erschließt sich uns bei den beiden großen Variationswerken op. 86 und op. 132a über Beethoven, über Mozart, über Reger selbst?

"Being Max Reger": So etwa sieht es in Regers Kopf aus, wenn er an Mozart und Beethoven denkt: liebevoll, ehrfurchtsvoll, phantasievoll. Ich meine, die Variationenform liegt ihm besonders, weil er dort einen klar definierten Rahmen respektieren muss - den des Themas. Dadurch ist er zu mehr Disziplin gezwungen als etwa in einer Fantasie. Angesichts seiner "angeborenen" Sprunghaftigkeit, Launigkeit, der künstlerischen Ungeduld, dem Hang zum Übermaß hat Reger damit die Form gewählt, mit der er sich im Zaum halten kann. Über Beethoven und Mozart erfahren wir, wie universell und überzeitlich sie komponiert haben. Beide Themen sind von berührender Einfachheit. Beethoven hat um sie gerungen, Mozart fiel sie zu.

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