Interview mit Bernd Glemser zum Klavierkonzert in der Max-Reger-Halle am 11. März
Für mich steht die Musik im Vordergrund

Bernd Glemser, "der deutsche Klaviermagier seiner Generation" (Badische Zeitung), zählt seit Jahren zur Riege international renommierter Pianisten. Bei seinem Auftritt bei den Weidener Meisterkonzerten stehen romantische Werke auf dem Programm. Bild: Werner Kmetitsch

Eine seiner ersten Schallplatten war eine Aufnahme von Max Regers Klavierkonzert. Die verstaubte nicht im Regal, sondern Bernd Glemser hat sich dieses sperrige Werk angehört. Das sagt einiges aus über einen Pianisten, der weder "Medienstar" noch "Glamourpianist" werden wollte.

Von Andrea Prölß

Seine Karriere scheint vorprogrammiert, als Glemser in jungen Jahren einen Wettbewerb nach dem anderen gewinnt. Doch das mediale "Drumherum" hat ihn nie wirklich interessiert. So kommt mit Bernd Glemser am Freitag, 11. März (20 Uhr) ein Künstler in die Weidener Max-Reger-Halle, der immer noch als "Geheimtipp" gilt, von Kennern gerühmt wegen seiner Virtuosität und seinen tiefgründigen Interpretationen. Die Kulturredaktion sprach mit ihm über das Programm.

Herr Glemser, trotz fulminanten Karrierestarts sind Sie weder "Medienstar" noch "Glamourpianist" geworden. Was sprach denn gegen eine solche Karriere?

Bernd Glemser: Für mich steht immer die Musik im Vordergrund, das Drumherum hat mich nie so sehr interessiert.

Für Ihre künstlerische Integrität spricht auch, dass Sie demnächst Regers "unglamouröses" und weitgehend unbekanntes Klavierkonzert spielen werden. Was hat Sie dazu bewogen?

Glemser: Eine meiner ersten Schallplatten war eine Aufnahme des Klavierkonzertes von Max Reger, das ich häufig angehört habe. Natürlich wollte ich es dann auch spielen, Noten hatte ich mir besorgt. Es hat aber bis 2016, bis ins 100. Todesjahr von Reger gedauert, bis der vor 40 Jahren entstandene Plan realisiert wird.

In Weiden werden wir Sie mit Chopins Klaviersonate h-Moll hören. Was erwartet das Publikum bei diesem 30-minütigem Werk?

Glemser: Die h-moll-Sonate ist eines der größten Werke Chopins, sowohl von der Dauer als auch von ihrer Bedeutung. Sie besteht aus vier sehr gegensätzlichen Sätzen, die gleichzeitig eine wunderbare große Einheit ergeben. Die Sätze sind zwar formal sehr klassisch aufgebaut, inhaltlich lebt das Werk aber von den romantischen Empfindungen.

Welche Empfindungen sind das?

Glemser: Wehmut, Sehnsucht, Liebe, Zärtlichkeit, Gesanglichkeit. Natürlich gibt es auch sehr brillante und leidenschaftlich-stürmische Abschnitte, die letzten Endes aber doch zu einem positiven und jubelnden Schluss führen, also ganz anders als bei der berühmteren zweiten Sonate mit dem Trauermarsch, die bekanntlich in einer tödlichen Leere endet.

Welches spieltechnische Rüstzeug muss der Pianist mitbringen? Man denke nur an das flirrende molto vivace im Scherzo-Satz.

Glemser: Die Beherrschung des Instrumentes mit allen Facetten: rasende Läufe, große Akkorde, polyphone Klang-Schichtung, Leggiero-Spiel, "Singen" am Klavier, rhythmische und artikulatorische Klarheit, klangliche Schönheit und Farbenreichtum.

Und was sind die interpretatorischen Herausforderungen?

Glemser: Interpretation heißt ja, dass man eine Vorstellung des Werkes hat, die bei romantischer Musik immer poetisch sein muss. Virtuosität kann nur die Bereitstellung der pianistischen Mittel sein, um diese Vorstellung hörbar werden zu lassen. Hinzu kommt, dass der Pianist jederzeit charaktervoll gestalten sollte und die formale Geschlossenheit nicht aus den Augen verlieren darf.

Neben Schuberts bekannter "Wanderer Fantasie" C-Dur stehen auch die sechs Klavierstücke op.118 von Brahms auf dem Programm. Welche Stimmungsbilder tun sich in diesem Spätwerk auf?

Glemser: Die Charaktere sind natürlich sehr unterschiedlich, man spürt aber in allen sechs Stücken die große Erfahrung und den Stil des alten Brahms, der ja nicht so glücklich geworden ist, wie er es sich wohl gewünscht hat.

Können Sie die Stücke kurz beschreiben?

Glemser: Das erste Stück hat etwas Aufbegehrendes, das zweite ist ein von Liebe erfülltes Wiegenlied, das dritte lebt vom Gegensatz zwischen Kampf und Entrückung, es folgen ein von innerer Unruhe gekennzeichnetes Intermezzo und eine zwischen Seligkeit und Wärme changierende Romanze. Am Schluss steht ein fast todessehnsüchtiges tieftrauriges es-Moll-Stück, das zum Schmerzlichsten gehört, was es für Klavier gibt.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und www.nt-ticket.de sowie an der Abendkasse.
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