Interview mit dem Sänger von Boss Hoss, Alec Völkel
Bloß nicht wie Gunther Gabriel

Kultur
Weiden in der Oberpfalz
01.03.2016
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Sie sind einer von Deutschlands coolsten Live-Acts: Am 31. März rocken The Boss Hoss die Nürnberger Arena. Dos Bros Vamonos! Sänger Alec Völkel verrät, warum große Hallen genauso cool sind wie kleine Clubs.

Von Frank Werner

Weiden/Nürnberg. Seit zehn Jahren gibt es The Boss Hoss. Die Crossover-Formation füllt die großen Hallen in Deutschland. Zur Zeit dreht die Berliner Band aber in Südafrika die dritte Staffel von "Sing meinen Song. Das Tauschkonzert." Eine echte Herausforderung, wie Sänger "Boss Burns" Alec Völkel (44) im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt.

Ihr spielt am 31. März in der Nürnberger Arena. Nicht euer erster Auftritt in Franken.

Alec Völkel: Ja, als wir angefangen haben, spielten wir im Nürnberger Hirsch. Später dann im Löwensaal. In der Arena sind wir zum ersten Mal.

Ihr spielt jetzt die größten Hallen. Ist eine Club-Atmosphäre live nicht viel schöner?

Völkel: Schwer zu sagen. Grundsätzlich sind natürlich coole Clubs geil. In großen Hallen ist es immer ein bisschen anonymer und schwieriger. Auf der anderen Seite kannst du so viele Leute auf einen Schlag erreichen, was auch wieder geil ist. Wenn man in eine Stadt kommt und ein paar tausend Leute wollen dich sehen, ist das auch ein erhebendes und beeindruckendes Gefühl. Das würde ich auch nicht gegen einen kleinen Club tauschen.

Sieht man dann auch noch einzelne Gesichter oder blickt man nur in eine Masse?

Völkel: Da hast du recht, man sieht in der ersten oder zweiten Reihe noch ein paar Gesichter. Manchmal ist das für einen auch einfacher. Wenn einer im Club direkt vor dir steht, ist man manchmal aufgeregter. Aber wenn du in einer großen Halle siehst, wie die Leute abgehen, das ist schon auch cool.

The Boss Hoss gibt es seit zehn Jahren. Zu Beginn war es ja nicht abzusehen, dass ihr die größten Hallen füllt. Das muss euch doch manchmal selber verrückt vorkommen.

Völkel: Ja, da muss man sich schon manchmal kneifen, wo man da gelandet ist. Das hatte doch kein Mensch gedacht, dass wir je überhaupt 'ne Platte rausbringen. Aber das ist schon super, dass es so gekommen ist, wie es heute ist. Wir hatten schließlich relativ spät Erfolg, wir waren schon Anfang 30 und hatten vorher einigermaßen erfolglos versucht, Musik zu machen. So können wir das alles mehr wertschätzen.

Die Fanta Vier gibt es seit 25 Jahren, BAP schon 40. Ist das für euch auch denkbar?

Völkel: Klar, wenn man mal zehn Jahre gemacht hat, will man auch mehr. Ist doch super, wenn man ein oder zwei Generationen an Fans überspringen kann. Und wenn die Jungen dann nicht denken: Was machen denn die alten Männer auf der Bühne, machen die einen auf Cowboy?

Als Jurymitglieder in "The Voice of Germany" wurdet ihr noch populärer. Du hast mal gesagt, das hätte eure Fan-Base verdreifacht.

Völkel: Das ist so. Wir haben am Anfang mit uns gehadert, ob wir das machen sollen, ist ja schließlich Mainstream-TV pur. Aber das hat schon ordentlich geschoben. Auf einmal haben sich viel mehr Leute mit unserer Musik beschäftigt. Das war schon ein großes Sprungbrett.

Jetzt werdet ihr bei "Sing meinen Song. Das Tauschkonzert" mitmachen. Hattet ihr da auch Zweifel am Format?

Völkel: Nein, das war nicht so wie bei "The Voice". Denn die Sendung ist geil. Wir hätten schon bei der zweiten Staffel mitmachen sollen, aber da waren wir noch zu beschäftigt mit unserem neuen Album. Ich finde das Format absolut spannend, weil es rein um Musik geht. Es ist eine Herausforderung, wenn die Kollegen vor dir sitzen und sagen: Lass mal krachen, zeig was du kannst.

Zumal Country und Rockabilly beim Tauschkonzert noch nicht zu hören war. Es wird sicher spannend, was Nena oder Wolfgang Niedecken aus euren Songs machen.

Völkel: Absolut. Für uns wird es auch schwierig, wir müssen ja deutsche Songs singen. Das haben wir noch nie gemacht, da arbeiten wir uns von Woche zu Woche ran.

Gibt es überhaupt die Idee, ein Album von The Boss Hoss auf Deutsch zu produzieren?

Völkel: Ne, bisher nicht. Das war bisher für uns ein Tabuthema, weil wir englisch geprägt sind. Und es kommt die Sorge dazu, dass du schnell wie Gunther Gabriel oder Truckstop klingst. Und das ist ja nicht unbedingt das, was wir machen wollen. Aber mit den Proben für das Tauschkonzert werden wir aber so langsam warm mit der Idee, dass das funktioniert.

Um Tauschkonzert-Moderator Xavier Naidoo gab es vor dem Eurovision-Contest ja jede Menge Wirbel. Erst wurde er hochgelobt, dann rausgeworfen. Wie steht ihr dazu?

Völkel: Es war in jedem Fall unglücklich organisiert. Wenn man so was ankündigt, sollte man sich sicher sein, ob man das will. Und dann sollte man das auch durchziehen. Es wird dem Xavier sehr viel Unrecht getan. Er mag polarisierende Ansichten haben, ist aber sicher nicht in der rechten Ecke anzusiedeln. Aber da wird man in Deutschland ja gerne schnell hin geprügelt, weil das anscheinend gut ankommt. Das kann ich null bestätigen, dafür kenne ich ihn zu lange. Der NDR hat hier überhaupt keine Courage gezeigt.

Seid ihr jemals gefragt worden, beim Eurovision Contest mitzumachen?

Völkel: Nö, das wäre nichts für uns. Ich finde, das ist ein völlig überholtes Format. Das braucht kein Mensch.

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Für das Konzert am 31. März in Nürnberg gibt es Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290.

"Sing meinen Song"Die recht populär gewordene Musikreihe "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" geht in die dritte Staffel. Als Starttermin ist der 12. April (20.15 Uhr) vorgesehen, teilte der Kölner Privatsender Vox mit.

Gastgeber ist wie schon bei den ersten beiden Durchgängen der Soulsänger Xavier Naidoo (44), der mehrere Interpreten einlädt, die abwechselnd die Hits der anderen singen sollen. Zu den Teilnehmern gehören dieses Mal Nena, Alec Völkel, Sascha Vollmer von The BossHoss, Wolfgang Niedecken, Annett Louisan, Samy Deluxe und der Schweizer Musiker Seven.

"Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" hat sich aus Vox-Sicht bewährt - gut zwei Millionen Zuschauer waren in der zweiten Staffel pro Folge dabei. (we)
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