Interview mit Pianistin Sa Chen: internationale Karriere
Immer mit dem Herzen dabei

Bei ihren Auftritten ist die chinesische Pianistin Sa Chen (meist) die Ruhe in Person. Dabei spielten sich die Stücke oft wie von selbst. Kämen ihr gar vor "wie aus einer anderen Welt". Dahinter steckt jahrelange Übung. Diese Gabe will sie nun an Klavier-Schüler weitergeben. Bild: Chen Si

Den Grundstein für ihre Karriere legte sie mit 16 Jahren. Im Finale des renommierten Klavier-Wettbewerbs in Leeds, wo sie 1996 als jüngste Teilnehmerin Jury und Publikum begeisterte. Es folgten viel beachtete Preise bei internationalen Wettbewerben, doch 2005, nach dem Van-Cliburn-Wettbewerb, war Schluss.

Heute konzentriert sich die chinesische Pianistin Sa Chen auf ihre internationale Karriere, arbeitet gerne mit dem Nachwuchs und besinnt sich auf ihre kulturellen Wurzeln. Am Freitag, 27. Februar, ist Sa Chen bei den "Weidener Meisterkonzerten" zu Gast. Die Kultur-Redaktion führte mit ihr ein Gespräch

Frau Sa Chen, als Sie gefragt wurden, in Weiden einen Workshop zu machen, haben Sie ohne Zögern zugesagt. Was reizt Sie an der Arbeit mit jungen Klavierschülern?

Sa Chen: Solche Workshops sind für mich eine wunderbare Gelegenheit, um mit jungen Pianisten in Kontakt zu kommen. Es freut mich einfach, wenn ich sie mit meinen Ratschlägen unterstützen und fördern kann. Eine solche Zusammenarbeit bringt den Schülern oft viel mehr, als wenn sie nur im Konzert sitzen und zuhören.

Mit welchen Eindrücken blicken Sie auf Ihre Schülerzeit in China zurück? Was haben Ihnen Ihre Lehrer mit auf den Weg gegeben?

Sa Chen: Als Neunjährige hatte ich das große Glück, dass ich zu einem wunderbaren Lehrer kam, zu Professor Dan Zhaoyi. Er erkannte mein Talent und brachte mir bei, immer im Einklang mit dem Instrument zu sein, sowohl was Technik als auch musikalische Gestaltung anbelangt. Außerdem lehrte er mich, beim Spielen stets mit dem Herzen dabei zu sein, auf meine innere Stimme zu hören. Von diesen Ratschlägen profitiere ich bis heute.

Ihren ersten großen Wettbewerbserfolg hatten Sie in Leeds, da waren Sie gerade einmal 16 Jahre alt. Welchen Moment haben Sie besonders in Erinnerung?

Sa Chen: Ich weiß noch gut, wie es war, bevor ich auf die Bühne ging und ich nicht wusste, was mich da draußen erwarten würde. Ich musste allein in einer völlig überheizten Garderobe warten, wo ich einen Brief von Professor Dan fand. Um mich zu unterstützen, erinnerte er mich daran, was wir alles gemeinsam erarbeitet hatten. Ich war zu Tränen gerührt. Vielleicht war es diese hoch emotionale Situation, die mir dann auf der Bühne die nötige Ruhe gab. Ich erinnere mich, dass ich Beethoven spielte, die Sonate op.110. Ich fing an und es lief wie von selbst, als käme die Musik aus einer anderen Welt. Ein magischer Moment. . .

Nach ihrem letzten Erfolg beim Van-Cliburn-Wettbewerb 2005 haben Sie beschlossen, keine Wettbewerbe mehr zu spielen. Warum?

Sa Chen: Zum einen brachte mir dieser letzte Wettbewerb viele Engagements ein, so dass ich sehr beschäftigt war. Zum anderen entwickelt man mit der Zeit auch seinen eigenen Stil, macht seine eigenen Programme. Die Wettbewerbsbühne ist dafür nicht der passende Ort.

Zu Ihren Programmen gehören in jüngster Zeit auch Werke von chinesischen Komponisten.

Sa Chen: Ich betrachte es einfach als meine Verantwortung, chinesische Komponisten zu fördern und deren Werke aufzuführen. Deshalb stelle ich auch auf meiner neuen CD ("Memories lost", erschienen bei BIS Records, Anm. d. Red.) fast nur chinesische Komponisten vor. Wunderbare, zeitgenössische Werke, die ich zusammen mit dem Taipei Chinese Orchestra eingespielt habe.

In Weiden werden wir ein Werk von Xiaohan Wang hören.

Sa Chen: Das ist ein ehemaliger Schulkamerad von mir, der übrigens auch ein guter Pianist ist. Seine Komposition "Inspiration by Chinese Painting" trägt impressionistische, mitunter improvisatorische Züge und ist reich an Farben und Naturklängen.

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Sa Chen ist am 27. Februar (20 Uhr) bei den "Weidener Meisterkonzerten" in der Max-Reger-Halle zu Gast. Auf dem Programm stehen Werke von Chopin, César Franck, Debussy, Rachmaninow und Xiaohan Wang. Karten an der Abendkasse.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.konzerte-weiden.de
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