Interview mit Punkrocker Patrick Sasse ("Speichelbroiss")
In Ruhe dicke Fische angeln

Der Fang sei nicht das Wichtigste am Angeln, meint Patrick Sasse. Dennoch zog er schon einige dicke Fische an Land. Zum Beispiel einen Wels. Bilder: hfz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
14.01.2016
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Patrick Sasse mit einem Hecht.

Ein Punkrocker liebt die Stille. Manchmal jedenfalls. Patrick Sasse, Sänger und Chef der "Speichelbroiss", ist leidenschaftlicher Angler. Ein Hobby, für das er auch zum Vereinsmeier wird.

Vergangene Woche wählten die Mitglieder des Fischereivereins den 42-Jährigen zum zweiten Vorsitzenden. Am Samstag, 16. Januar, steht wieder eine ganz andere "Versammlung" auf dem Programm - eine etwas lautere: Zum 21. Geburtstag rockt Sasse mit den "Speichelbroiss" und befreundeten Bands ab 21 Uhr das Weidener Jugendzentrum (bereits um 19.30 Uhr beginnt die Tour-Doku "Chao Leh").

Glückwunsch zur Wahl!

Sasse: Danke.

Kam's überraschend?

Sasse: Nein, ich habe mich natürlich für das Amt aufstellen lassen. Überraschend war, dass das so klar durchging. Aber es war keine Schnapsidee von mir. Dass ein Generationswechsel kommen musste, war klar: Mehrere Vorstandsmitglieder hatten ihren Rückzug angekündigt. Wir, eine Reihe jüngerer Leute, haben dann überlegt: Wer macht was? Wir wollen einfach, dass es im Verein gut weiterläuft.

Wie lange gehören Sie dem Fischereiverein an?

Sasse: Sieben oder acht Jahre. So lange habe ich auch meinen Angelschein.

Wie haben Sie das Angeln für sich entdeckt?

Sasse: Ich stamme eigentlich aus Erlangen. Meine Mutter war berufstätig, mein Vater schon Lehrer in Weiden - die ersten Jahre bin ich bei meiner Oma aufgewachsen. Ein weitläufiger Verwandter war Vorsitzender des dortigen Fischereivereins. Er nahm mich als Kind immer mit zum Angeln. Das hat mir schon immer gefallen.

Was fasziniert Sie an dem Hobby?

Sasse: (überlegt lange)

Der Fang? Oder ist der Weg das Ziel?

Sasse: Der Fang ist nur die Krönung. Ich bin auch so gerne draußen in der Natur. Auch wenn ich mal nichts fange, kann ich am Ende sagen: Es war ein wunderschöner Tag. Wir haben so schöne Gewässer. Den Manteler Weiher. Die Waldnaab. Man muss auch nicht auf dem Stuhl rumsitzen und die Angel reinhalten. Manchmal gehe ich die Schweinenaab hoch, Richtung Parkstein, das ist dann auch körperlich-sportlich fordernd.

Aber es braucht schon Ruhe zum Angeln. Das Gegenteil von Punk.

Sasse: Ja, und damit ist das ein Top-Ausgleich zu meinem Musiker-Dasein einerseits und zu meinem Beruf andererseits. Seit 18 Jahren arbeite ich ja bei Dr. Loew mit psychisch Kranken.

Die Lust auf Action, die Sehnsucht nach Ruhe: Da schlagen also zwei Seelen in Ihrer Brust?

Sasse: Das ist doch bei jedem Menschen so. Bei mir nur extremer.

Ein anderer Gegensatz: Punk steht für Anarchie, ein Verein für eine geregelte Gemeinschaft.

Sasse: Naja. Eine Band ist ja auch eine Gemeinschaft. Und da bin ich auch sowas wie der Vorstand, der alles managt. Da wie dort geht es darum, nicht nur zuzuschauen, sondern etwas zu bewegen.

Sind Sie im Verein akzeptiert?

Sasse: Sowieso. Sonst wäre ich nicht so gewählt worden.

Kommen zum Konzert am Samstag dann auch Vereinskameraden?

Sasse: Na klar. Der Fischereiverein ist ja ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Da sind alle vertreten, vom Schüler bis zum Doktor.

Die "Speichelbroiss" scheinen auch sonst gutbürgerlich zu werden: Ihr künftiger Schlagzeuger ist der Dirigent der Pirker Blasmusik.

Sasse: Vor allem ist er ein richtiger Musiker, der halt vieles spielen kann. Wahrscheinlich der erste in unserer Band-Geschichte. So langsam werden wir attraktiv für Musiker!
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