Interview mit Regisseur Till Rickelt (LTO)
Nicht immer ein Rosengarten

Alleine mit sich - in ihrer Garderobe nach den Auftritten oder vor der Schreibmaschine - ficht "die Knef" ihre inneren Kämpfe aus.
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
14.10.2016
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Mit ihren Gedichten, Erinnerungsbüchern und Chansons ergründet das Landestheater Oberpfalz (LTO) ab Donnerstag, 20. Oktober, in der Weidener Regionalbibliothek das Phänomen Hildegard Knef. Bilder: LTO

Ein aufregendes Leben. Eines mit großen Erfolgen, aber auch herben Rückschlägen. Hildegard Knef hat so viel erlebt, dass es für mehrere Leben reicht. Eigentlich zu viel, um es in einen Theaterabend zu packen. Das Landestheater Oberpfalz (LTO) wagt es mit "Für mich solls rote Rosen regnen" dennoch. Regisseur Till Rickelt erläutert die bis heute ungebrochene Faszination "der Knef".

Warum nimmt das LTO einen Hildegard-Knef-Abend ins Programm? Was fesselt an dieser Frau?

Till Rickelt: Weil sie einfach eine unheimlich facettenreiche Persönlichkeit ist. Ein extrem widersprüchlicher Mensch - unglaublich stark und kämpferisch, zugleich aber auch extrem dünnhäutig und verletzlich, das Glück suchend und ihm zugleich misstrauend. Ihre Lebensgeschichte ist so abenteuerlich - würde ein Schriftsteller so etwas als Roman schreiben, man würde es als übertrieben und unglaubwürdig verreißen. Und ihre Texte faszinieren durch ihre Scharfsinnigkeit und ihren grimmigen Humor. Wenn man heute etwas mit Hildegard Knef verbindet, dann den Skandal um "Die Sünderin" oder das Bild einer exzentrischen Diva - wir möchten zeigen, dass diese Frau viel mehr war als das.

Was ist der Kern der Konzeption von James Edward Lyons?

Das Stück erzählt die Lebensgeschichte in Form eines inneren Dialogs zwischen der fünfzigjährigen Knef, die gerade ihre Autobiografie schreibt, und ihrem jüngeren Ich, der jungen Hilde. Neben der Biografie steht - auch durch die Aufspaltung in zwei Figuren - vor allem die innerlich zerrissene Persönlichkeit Knefs im Mittelpunkt, ihre Rebellion gegen Anpassung und Konformität einerseits und ihre ungeheure, nie erfüllbare Sehnsucht nach Glück und Harmonie andererseits.

Hilde gegen Knef, Doris Hofmann gegen Claudia Lohmann - Wie schnell fanden die beiden Darstellerinnen in ihre Charaktere hinein?

Da das Stück aus einer dramaturgisch unglaublich gut konstruierten Montage von Liedern und Originalzitaten besteht, und diese atmosphärisch sehr dicht und anschaulich sind, haben beide in den Proben sehr schnell einen emotionalen Zugang zu ihren Figuren gefunden. Es gibt auch einige Passagen, die von Anfang an sehr heftige Gefühle beim Spielen ausgelöst haben, ohne dass wir es bewusst darauf angelegt hätten. Gleichzeitig liegt darin auch die größte Herausforderung - die Schauspielerinnen haben hier keine äußere, reale Form, an der sie sich festhalten können.

Erwartet das Publikum ein Liederabend mit rezitierten Texten oder ein Kammerspiel aufgelockert durch Chansons?

Weder noch, obwohl 22 live gesungene Lieder im Stück vorkommen und die Musik natürlich eine zentrale Stellung hat. Dadurch, dass Hildegard Knef in ihre Lieder immer viel von sich selbst hat einfließen lassen, ist es möglich, ihr Leben tatsächlich durch ihre Lieder zu erzählen, verbunden durch kurze Textpassagen und Dialoge aus ihrer Autobiografie. Es ist eine sehr assoziative und emotionale Annäherung, die sich zwar an den wesentlichen Stationen ihres Lebens orientiert, aber zugleich versucht, einen Zugang zum inneren Empfinden dieser Frau zu finden.

Es gibt immer wieder Passagen im Stück, vor allem die ruhigen, stillen, bei denen ich immer noch Gänsehaut bekomme.Regisseur Till Rickelt


Was war der Knackpunkt, das schwierigste "Problem", dass es bei der Inszenierung zu lösen gab?

Das besondere Problem bei so einem Stoff ist natürlich, eine real existierende, sehr markante Person darzustellen, ohne in die Falle einer angestrengten, rein äußerlichen Imitation zu tappen. Wir haben versucht, uns über ausgesuchte charakteristische Eigenheiten auch dem Innenleben Hildegard Knefs anzunähern. Was wir nicht versucht haben, ist eine möglichst genaue Kopie ...

... die extrem schwierig wäre ...

Genau. Außerdem ging es uns nicht darum, möglichst vollständig ihre Geschichte nachzuerzählen, sondern durch diese universale Lebensfragen zu behandeln. Konflikte, die - in unterschiedlicher Ausprägung - jeder von uns aus dem eigenen Leben kennt.

Was ist Ihr Lieblingslied oder Ihre Lieblingsszene im Stück?

Ich tue mich schwer, einen einzelnen Moment rauszugreifen, es gibt immer wieder Passagen im Stück, vor allem die ruhigen, stillen, bei denen ich immer noch Gänsehaut bekomme - auch beim Übergang in die Musik, der an einigen Stellen etwas Magisches hat. Den sarkastischen Humor bei "Von nun an ging's bergab" und "Siebzehn Millimeter" finde ich großartig, am tiefsten berührt mich aber die leise Melancholie von "Das Glück kennt nur Minuten" oder "Hör nicht auf mich".

Worauf können sich die Zuschauer in der Regionalbibliothek freuen?

Auf einen intensiven Theaterabend mit zwei großartigen Schauspielerinnen und einem ebenso großartigen Pianisten. Thomas Basy am Klavier und Sandro Augustin, der die musikalische Einstudierung übernommen hat, waren für die Inszenierung von entscheidender Bedeutung. Ich bin sehr froh, sie dabeizuhaben und sehr stolz auf unsere Arbeit. Ich hoffe, dass es uns gelingt, sowohl Knef-Fans wie auch Menschen, die sie und ihre Lieder nicht mehr kennen, mit unserer Aufführung zu verzaubern.

TerminePremiere feiert das Stück "Für mich soll's rote Rosen regnen" unter der Regie von Till Rickelt am Donnerstag, 20. Oktober, in der Regionalbibliothek Weiden (Scheibenstraße 7). Weitere Termine: Sonntag, 23. Oktober, Freitag, 28. Oktober, Samstag, 29. Oktober, Freitag, 11. November und Samstag, 12. November. Beginn ist immer um 20 Uhr.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und www.nt-ticket.de


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