Intime Bekenntnisse von Smetana und Janácek bei den Max-Reger-Tagen
Leben und Streben in Musik

Quartett-Kunst vom Allerfeinsten boten die "Zemlinsky"-Herren aus Prag bei den Weidener Max-Reger-Tagen. Bild: Donhauser
Geborene Musiker, geborene Musikanten: Der Talentbeweis des 16-jährigen Reger, das leidenschaftliche Bekenntnis des 74-jährigen Leos Janácek und die tönende Biografie des 50-jährigen Bedrich Smetana formen den hinreißenden Abend. In den Räumen der Sparkasse Oberpfalz Nord musiziert das 1994 gegründete Zemlinsky-Quartett.

Zwei Zugaben

Bleiben wir bei den vier Herren aus Prag: Was sie an Quartett-Kunst vom Allerfeinsten aus dem Hut zaubern, verdient nichts als Bewunderung, die dann auch zu zwei Zugaben führt: Das Finale aus dem "Amerikanischen Quartett" op. 96 von Dvorák und die Barcarole von Josef Suk. Man möchte sie am liebsten als "siamesische Vierlinge" titulieren: In 21 gemeinsamen Jahren haben sie gelernt, wie eine Person zu denken, zu empfinden, zu atmen, zu spielen.

Frantisek Soucek führt suggestiv als souveräner Primarius. Petr Strížek spielt eine hellwache, gleichwertig inspirierende 2. Violine. Petr Holman liefert eine selten präsente Bratsche, Vladimír Fortin ein fundierendes, glanzvoll schimmerndes, edles Cello. Das füllige, weiche Timbre des Quartetts ist außergewöhnlich feinsinnig und homogen abgeschmeckt. Die geschmeidig-cremige Artikulation ist offensichtlich inspiriert durch die Muttersprache Tschechisch der vier grandiosen Musiker.

Dies korrespondiert hervorragend mit der Musik Janácek. Dieser hat die Sprachmelodien und -rhythmen tschechischer Wörter und Sätze genauestens studiert und sich davon zu musikalischen Motiven anregen lassen - ein einzigartiger kompositorischer Ansatz! Die Zemlinskys sind ideale Erzähler seiner Motive, seiner Themen, seiner Musik! Unter ihren Händen wird das 2. Quartett von 1928, betitelt "Intime Briefe" (an seine außereheliche Beziehung Kamilla Stösslova), zu einem Psychogramm dieser Verbindung. Die emotionale Wetterlage wechselt die Extreme oft im Sekundentakt. Janáceks geliebten, tief grummelnden bis hoch oben flirrenden rasenden Ostinato-Figuren ersetzen geradezu einen Blutdruckmesser, die Gefühle glimmen, brennen, lodern nur so.

Feuerwerk an Klangfarben

Smetanas 1. Quartett e-Moll umfasst Erlebnisse seines fast gesamten Lebens und endet mit dem tragischen Tinnitus auf e4, dem Vorboten seiner Ertaubung. Rhythmisch sehr klar und markiert hören wir das Anfangsthema in der Bratsche, dann ein Feuerwerk an Klangfarben, an Schwellern und Tempomodifikationen in der Mikro- und Makroschicht der Musik, sie tragen weißglühende Emotion. Und immer grüßt die wunderbar abgestimmte Balance von musikantischem Zugriff und spielerischer Präzision.

Auch bei Regers fulminantem Jugendwerk hören wir jeden Ton bis ins Feinsinnigste ausgezirkelt, dennoch ist die Ausstrahlung der Musik mutig, keck, zeigt große Geste und dramatischen Ausdruck. Er kannte schon mit 16 seinen Beethoven und Schubert! Der Damm zu den Fluten der Chromatik ist noch nicht gebrochen, das Portal zu seiner Karriere aber nun geöffnet.
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