Ist das Ende der Provinz erst der Anfang?

Die Künstlerinnen Katja Fischer (Dritte von links) und Jennifer Danler (Zweite von rechts) und Autor Wolfgang Brauneis (rechts) stellten sich im Kunstverein zum Gespräch. Bild: Jörg Otto

Fehlende Inspiration, mangelndes Interesse, kaum Identifikation - die Provinz war nicht immer gut zu ihren Künstlern. Das hat sich ein wenig gewandelt. Zeitgenössische Werke von Relevanz gedeihen heute auch fernab der Metropolen.

Die Ausstellung "Position 1" im Kunstverein Weiden zeigt das am Beispiel der zeitgenössischen Künstler Jennifer Danler, Katja Fischer und Hans Laskes.

Was ist Provinz? Was ist Metropole? Und wann ist sie es? Gilt Provinz + Provinz + Provinz = Metropolregion? Hängt die Einordnung nicht vielleicht davon ab, welche Perspektive man einnimmt? Ist sie vielleicht sogar die Rettung eines am Boden liegenden zeitgenössischen Kunstbetriebes? Bedeutet das am Ende "das Ende der Provinz", wie ein etwas kulturpessimistisches "Kunstgespräch" im Kunstverein am Freitag zur Diskussion stellte? Fragen, die nicht abschließend geklärt werden konnten.

Dass aber in der Provinz relevante Kunst entsteht, dafür hängen derzeit etliche Belege an den Wänden des Kunstvereins. Gediehen in Mitterteich, Regensburg und der Metropolregion Nürnberg, wo Katja Fischer (Jahrgang 1970) ihr Atelier hat. Sie versteht sich in erster Linie als Malerin, auch wenn sie in Weiden zwei Holzplastiken zeigt. Ihre Bilder sind gegenständlich, aber modern. Im Kunstverein präsentiert die Orchestermusikerin Bilder aus ihrem persönlichen Lebensbereich: Studien von Musikern. Auch in vielen kleinen Formaten, die durch die Anordnung der Gemälde an der Wand eine kraftvolle, fast plastische Wirkung entfalten.

Subtiler Humor

Der zweite Künstler, Hans Lankes (Jahrgang 1961), hat Regensburg als den Mittelpunkt seines Schaffens gewählt. Mit einem Hintergrund als Bildhauer und Kunstgießer hat er nach neunjähriger Schaffenspause Cutter und Skalpell für sich entdeckt. Seine Bildideen setzt er mit filigransten Schnitten um. Dabei entstehen überdimensionale Porträts, aber auch groteske Szenen von Menschen und Tieren, die auf einen subtilen Humor schließen lassen.

Jennifer Danler aus Mitterteich (Jahrgang 1988) hat Kunsterziehung an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studiert. Heute lebt und arbeitet sie in Mitterteich unter anderem an Performance Art und Videoinstallationen. Ausdrucksformen, die subtiler wirken und sich nicht so leicht erschließen wie beispielsweise klassische Malerei. Trotzdem hat sie der Metropole Nürnberg den Rücken zugedreht. "Für meine Generation ist Heimat ein Sehnsuchtsort. Wir haben ein Bedürfnis nach Identität", sagt sie.

Dass sie auch abseits des großen Kunstbetriebs wahrgenommen werde, sei vor allem der medialen Entwicklung geschuldet: "Ich bin ein Kind der Digitalisierung und Globalisierung." Dies war der Einstieg in ein an die Vernissage angeschlossenes Podiumsgespräch über das "Ende der Provinz" in der Kunst, das Jennifer Danler gemeinsam mit dem Kunsthistoriker und Publizisten Wolfgang Brauneis gestaltete.

Der gebürtige Oberpfälzer (Jahrgang 1971) schreibt unter anderem für den eher subkulturellen "Ventil-Verlag" und das legendäre Popkulturmagazin "Spex". Er zeichnet ein dunkles Bild von der Zukunft der Kunst und vor allem der Beschäftigung damit. Museen hätten keine Etats mehr zum Neueinkauf, die Akquise von Drittmitteln opfere die Unabhängigkeit de Kunstbetriebes.

"Kunst wird allein auf ihren Preis reduziert und zum Spekulationsobjekt für Superreiche", findet Brauneis. Gerade in der Malerei sei das zu beobachten. Künstler um die 30 könnten heute zu Millionären werden. "In irgendwelchen Containerhäfen stehen ganze Ausstellungen mit zeitgenössischen Arbeiten herum. Kunst hängt nicht mehr in Museen, sondern sie wird für Normalmenschen unsichtbar."

Jennifer Danler teilt diesen Pessimismus, produziert aber trotzdem für die Kunst und nicht für die Märkte. Sie stellt ihre Arbeiten unter anderem in Tirschenreuth aus und setzt auf die Möglichkeit, Distanzen durch das Internet zu überwinden. So sieht sie trotz der Krise eine Chance für die Provinz. "Aber auch eine Verpflichtung. Keiner kann sich mehr auf seinem Provinzstatus ausruhen." Ein Ende, das vielleicht erst ein Anfang ist?

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Juni im Kunstverein zu besichtigen.
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