Jahresabschlussfeier des Bunten Kreises Nordoberpfalz
"Wir leben immer noch"

Sie hatten alle keinen leichten Start ins Leben, die weitere Entwicklung verläuft recht unterschiedlich: (von links) Patrizia Sparrer mit Yanick, Verena Blaß mit Isabella - ganz in Rosa - und deren "toller, großer Schwester Sarah", sowie Tanja Götz mit ihrem Manuel. Bild: Huber

"Wir sind schwerstbehindert. Aber wir leben immer noch, auch wenn die Diagnose der Ärzte lautete, dass wir sterben werden." Wenn Tanja Götz (33) von ihrem Manuel spricht, geht das unter die Haut. Weil die Mutter sich so mit dem Sohn identifiziert, dass es nur ein Wir gibt. Manuel ist eines der Frühchen, dem der Bunte Kreis Hilfe bietet.

Zwei Jahre liegt die Diagnose jetzt zurück. Ausgesprochen haben sie Ärzte einer Regensburger Klinik. Denn nachdem Manuel in der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen war, wurde er erst fünf Monate im Klinikum Weiden und dann nochmal zwei Monate in der Regensburger Klinik St. Hedwig behandelt. "Acht Operationen hat er hinter sich", erzählt die Mutter. "Sieben am Kopf und eine am Bauch." Die am Bauch beziehungsweise am Darm erfolgte gleich einen Tag nach der Geburt. "Dafür ist nachts um Vier extra ein Arzt aus Regensburg gekommen und hat die OP im Inkubator durchgeführt."

Hilfe durch Bunten Kreis

Dass ihr Sohn als Frühchen nicht ganz gesund sein würde, war Tanja Götz klar, erzählt sie im Gespräch mit unserer Redaktion bei der Jahresabschlussfeier des Bunten Kreises Nordoberpfalz. Dass Manuel schwerstbehindert sein würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Doch die junge Frau aus Mantel hat das ganz gut weggesteckt, "bis auf die Diagnose, dass er sterben wird", erinnert sie sich. In ihrem Mann Oliver hat sie eine feste Stütze.

In der ersten Zeit nach dem Krankenhaus leistete der Bunte Kreis der Familie wertvolle Hilfestellung. "Er hat es unter anderem ermöglicht, dass wir Sauerstoffversorgung nach Hause bekommen haben und einen Monitor." Denn Manuel benötigte Unterstützung beim Atmen. Einmal die Woche hat Marina Frister vom Bunten Kreis die Familie besucht, die Entwicklung des Kindes kontrolliert und die Mutter in der speziellen Pflege des kranken Kindes geschult. "Wenn es ihm schlecht ging, konnten wir sie zu jeder Tageszeit anrufen." Und - was für Tanja Götz besonders wichtig ist: "Mein Kleiner liebt das Wasser. Dank Bunter Kreis bekam er fast ein Jahr Einzelstunden im Babyschwimmen."

Die kleine Isabella - ganz in Rosa - feierte am 12. Dezember ihren ersten Geburtstag. Neugierig grapscht sie nach Schnuller und Stift, packt fest zu. Kaum zu glauben, dass auch das Leben dieses Babys am seidenen Faden hing. "In der 20. Woche platzte die Fruchtblase", erzählt Mama Verena Blaß. Dank der Ärzte in der Weidener Frauenklinik habe sie noch bis zur 28. Schwangerschaftswoche durchgehalten. Dann ging nichts mehr. Isabella drängte mit Macht auf die Welt.

"Die erste Lebenswoche war nicht so toll." Eine ziemliche Untertreibung, wenn man die weitere Schilderung hört: Isabellas Lunge ist kollabiert, das Mädchen musste wiederbelebt werden und es erlitt eine starke Hirnblutung mit einem Hydrocephalus. "Aber das hat sie alles gut weggesteckt", erklärt die 34-Jährige stolz. "Und sie gibt sich jede Mühe, das alles wieder aufzuholen." Dabei hilft ihr auch die sechsjährige Sarah. Verena Blaß: "Sarah ist eine ganz tolle, große Schwester. Sie hat natürlich auch viel mitmachen müssen. Ich war ja anfangs nur im Krankenhaus."

Auch Verena Blaß kann auf die Unterstützung ihres Mannes Thomas bauen. Der wiederum hat einen verständnisvollen Arbeitgeber, erinnert sich Verena Blaß dankbar an das Entgegenkommen des Ziegelwerks Hart (Waldsassen) in dieser schwierigen Zeit. Und natürlich an die Hilfe durch den Bunten Kreis Nordoberpfalz. "Sie haben sich schon vor der Entlassung gemeldet, um zu helfen und man kann auch nachts oder am Wochenende anrufen, wenn man Hilfe braucht." Ganz toll findet die 34-Jährige aus Waldsassen auch die wöchentlichen Treffen der Pekip-Gruppe, in denen die Kinder gefördert werden. "Dabei kann man sich außerdem schön mit anderen Mamis austauschen."

Tragisch klingt auch die Geschichte des kleinen Yanick (17 Monate). Mama Patrizia Sparrer (21) aus Neustadt erkrankte während der Schwangerschaft an Ringelröteln, die sich auf den Embryo übertrugen. Die Ärzte wollten sogar eine Totgeburt nicht ausschließen, erzählt die Mama. Trotz weiterer Komplikationen konnte die Schwangerschaft noch bis zur 26. Woche hinausgezögert werden. "Yanick kam gleich auf die Intensivstation, musste intubiert werden", erinnert sich Oma Susanne Haulena. Letztlich hat Yanick es geschafft. "Jetzt haben wir ein kerngesundes Kind", strahlt Patrizia Sparrer.

"Toll, dass es so etwas gibt"

Ein Glück, das nicht alle Familien haben, bei denen der Bunte Kreis die Nachsorge übernimmt. Die Einrichtung selbst ist allerdings ein Riesenglück für die betroffenen Eltern und deren Kinder, sind sich die Mütter einig. Verena Blaß: "Es ist toll, dass es so etwas gibt."
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