"Jazz ist eine förderwürdige Sache"

Er gehört mit zum Urgestein der regionalen Jazz-Szene: Alfred Hertrich. Der Gitarrist eröffnet mit seinem Trio das Jubiläumsjahr des Jazz-Zirkel Weiden. Seine Mitstreiter sind Wilfried Lichtenberg (Kontrabass) und Josef Vejvoda (Schlagzeug). Bild: Reitz

Alfred Hertrich gilt als "Vater" des Jazz-Zirkel Weiden. Er genießt aber auch als Gitarrist überregional einen guten Ruf. Grund genug, dass er mit seinem Trio das Jubiläumsjahr im "Bistrot Paris" eröffnet.

In diesem Jahr feiert der Weidener Jazz-Zirkel sein 40-jähriges Bestehen. Seit 1998 ist Alfred Hertrich Ehrenvorsitzender des Jazz-Zirkel. Am Freitag, 6. Februar (20 Uhr) eröffnet er die Jubiläums-Saison. Den zweiten Teil des Abends bestreitet Juri Smirnov mit seinem aktuellen Quartett "Vibop". Im Gespräch mit der Kulturredaktion erzählt Hertrich aus seiner Biografie.

Wie sind Sie du zur Gitarre gekommen?

Alfred Hertrich: Mein Vater spielte Flöte und Gitarre, und ich hatte von Kindheit an eine intensive Beziehung zur Musik. Mein erster Lehrer hatte während der Kriegsgefangenschaft in Amerika Gitarre erlernt und brachte mir die Grundlagen bei. Als Jugendlicher spielte ich gehobene Tanz- und Unterhaltungsmusik mit Jazzanklängen. Bald hatten wir eine Combo, mit der wir 1965 beim Nachwuchsfestival in Düsseldorf einige Preise einheimsen konnten. Wir waren vor allem in der nordbayerischen Szene aktiv. Damals gab es dort weit mehr Auftrittsmöglichkeiten als heute.

Können Sie sich noch an Ihre erste Jazz-Platte erinnern?

Hertrich: In Hof gastierte für zwei Monate der Geiger Helmut Weglinski. Von ihm bekam ich die erste Platte. Leider habe ich sie nicht mehr, da sie einmal zerbrochen ist. Meine ersten Schallplatten waren von meinem großen Idol Gerry Mulligan, den ich auch zum ersten Mal live in Nürnberg erleben durfte.

Welche Platte würden Sie auf die berühmte einsame Insel mitnehmen?

Hertrich: Das kann ich nicht sagen. Es gibt so viele herausragende Musiker, und jeder ist auf seine Weise so großartig und einmalig, dass ich keinen missen möchte.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Josef Vejvoda?

Hertrich: Beim zweiten Jazz-Ost-West Festival 1968 in Nürnberg hatten wir mit "Werner Weinelts New Jazz Quartet" einen Auftritt, aber unser Schlagzeuger war erkrankt. Josef spielte damals in Karel Velbnys "S-H- Quintet" . Er half aus, und seitdem haben wir immer wieder zusammen gespielt.

Was brachte Sie auf die Idee, den Jazz-Zirkel zu gründen?

Hertrich: Als ich nach Weiden kam, gab es hier keine Jazz-Szene. Ich machte mich auf die Suche nach einem Bassisten und traf auf Frank Hartmann. Am Rosenmontag 1975 saßen wir zusammen und beschlossen, einen Jazzclub zu gründen. Zuerst war das nur eine Interessengemeinschaft, die offizielle Vereinsgründung war erst zwei Jahre später.

Welches Konzert ist Ihnen nach all den Jahren in besonderer Erinnerung?

Hertrich: Das Konzert mit Bennie Wallace, Eddie Gomez und Billy Hart würde ich gerne noch einmal hören. Auch den Auftritt mit Attila Zoller und Frank Luther fand ich herausragend.

Wie schätzen Sie die aktuelle Szene ein?

Hertrich: Was der Jazz-Zirkel in Weiden bietet ist meines Erachtens sehr wertvoll. Es macht mich glücklich und zufrieden, dass meine Nachfolger so engagiert bei der Sache sind. Viele wichtige Personen haben in Weiden erkannt, dass der Jazz eine lobenswerte und förderwürdige Sache ist. Mich stört aber, dass auf Festivals und in den Medien vieles als Jazz angeboten wird, was mit dieser Musik eigentlich nichts mehr zu tun hat. Enttäuscht bin ich auch, dass die meisten Jugendlichen keine Beziehung zum Jazz haben. Sie zahlen für Rockkonzerte 100 Euro Eintritt und lassen sich vor der Musik erschlagen.

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Karten für das Konzert am 6. Januar (20 Uhr) im Bistrot Paris gibt es an der Abendkasse.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.jazz-zirkel-weiden.de
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