Johannes Nies begeistert am Flügel mit Virtuosität und einem außergewöhnlichen Programm
Kurzer Flirt, starke Fuge und ganz großes Kino

Johannes Nies
Reger, Rachmaninow und Erik Satie. Zwei Schwergewichte der spätromantischen Tradition und ein frecher Franzose, der sich auf das pianistische Wettrüsten gar nicht erst einließ, sondern mit Witz und Ironie im Kleinformat kontert. Ein außergewöhnliches Programm erwartete die Besucher der Klaviermatinee im Alten Rathaus, zu dem die Max-Reger-Tage am Freitagvormittag luden.

Tonmalerische Miniaturen

Bezug nehmend auf das diesjährige Motto wählte Pianist Johannes Nies drei Werke aus der Zeit um 1914: Regers Telemann-Variationen, die Klaviersonate Nr. 2 (1. Fassung) von Sergej Rachmaninow und - sozusagen als Puffer zwischen diesen beiden "Riesen" - Auszüge aus "Sports et Divertissements" von Erik Satie. Eine Sammlung tonmalerischer Miniaturen, mit denen Satie Szenen aus Sport und bürgerlicher Gesellschaft karikiert.

Einige davon in Klingelton-Länge, wie beispielsweise "Der Flirt". Ein monotones Geplänkel, das nach knapp 30 Sekunden auch schon wieder beendet ist. Musikalischer Dadaismus aus dem Jahr 1914, von Nies salopp und mit dem nötigen Augenzwinkern serviert.

Zeitgleich entstanden und doch im großen Kontrast dazu die Werke der beiden "Riesen". Reger, der sich mit seinen Telemann-Variationen selbstbewusst in der Nachfolge von Bach, Beethoven und Brahms sah. Rachmaninow, der die Klaviersonate noch einmal an klangliche und spieltechnische Grenzen führte. Beiden gemein ist der Hang zum Monumentalen und zu irrwitzigen Schwierigkeiten, die Johannes Nies mit beeindruckender Souveränität meisterte.

In zarter Schlichtheit

Grandios, wie er Regers Schlussfuge zum pompösen Finale steigert, ohne dabei die Strukturen zu verdecken. Aber auch in vorangegangenen 23 Variationen erwies er sich als gewissenhafter Interpret, der nicht auf virtuose Wirkung abzielt. Huschendes Laufwerk könnte man sich noch klangfeiner vorstellen, schön die zarte Schlichtheit, mit der er die langsamen Sätze gestaltete.

Endgültig in seinem Element zeigte sich Nies bei Rachmaninows zweiter Klaviersonate b-moll. Ein Werk voll maßloser Dramatik und emotionalen Tiefen, das Nies überschwänglich virtuos und ausdrucksstark in Szene setzte. Ganz großes Kino, das seine Wirkung nicht verfehlte. Begeisterter Applaus!
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