Journalist Peter Kupfer aus San Francisco besucht Weidener Verwandtschaft
Der Enkel hat vergeben

Zum vierten Mal besuchte Peter Kupfer vor kurzem die Stadt seiner jüdischen Vorfahren, deren Wurzeln er schon seit 1979 sucht. Der 63-Jährige Journalist arbeitet an einem Buch über seine Familie. Ihr Andenken will er auch in Weiden erhalten. In der Bahnhofstraße stand einst das Haus der Kupfers. Den Eltern von Peter Kupfer gelang 1937 die Emigration, die Großeltern wurden im KZ Theresienstadt ermordet. Bild: Wirtz-Roegner
 
Die Ölgemälde von Firmengründer Eduard Kupfer und seiner Frau Fanni, die Urgroßeltern von Peter Kupfer, sind durch eine glückliche Fügung seit 2007 wieder im Besitz der Familie. (Bilder: Wirtz-Roegner)

Wenn Peter Kupfer in San Francisco den Koffer packt, um Verwandte in Europa zu besuchen, dann zieht es ihn immer wieder auch nach Weiden. "Die Stadt meiner Vorfahren ist mir fast zur zweiten Heimat geworden", sagt der freiberufliche Journalist aus Amerika, der jetzt zum vierten Mal nach Weiden kam.

Weiden. Der 63-Jährige schreibt schon seit einiger Zeit an einem Buch über seine jüdische Familie, deren Wurzeln einst in der Stadt fest verankert waren. Sie zu suchen, das hatte sich Peter Kupfer erstmals vor 35 Jahren zum Ziel gesetzt. Bei der Suche ist er auch immer wieder fündig geworden. Inzwischen ist es ihm aber ein großes Anliegen, dass die Erinnerungen an die "Kupfer-Familie" nicht verblassen.

Vater nannte sich Cooper

Großvater Otto Kupfer zählte in den 30er Jahren zu den Industriellen der Stadt. Er war Inhaber der florierenden Glasfabrik Kupfer, die vom Urgroßvater Eduard Kupfer gegründet worden war und die als Vorläufer der Deutschen Tafelglas AG gilt. Er war ein angesehener Mann, "ein honoriger Bürger der Stadt", wie sich Zeitzeugen 1979 beim ersten Besuch von Peter Kupfer noch erinnern konnten. Die Kupfer-Villa in der Bahnhofstraße, wo später bis kurz vor dem Kriegsende das Haus der NSDAP-Kreisleitung stand, war ein architektonisches Kleinod und ihre Bewohner genossen großes Ansehen.

"Bis die Nazis kamen...", so der Enkel, dessen Vater Robert 1937 gerade noch die Emigration nach Amerika gelang. In New York fasste er schließlich wieder Fuß. Mit der Vergangenheit hatte der Vater jedoch abgeschlossen. Er änderte sogar den Namen. Der US-Bürger nannte sich nun Cooper. Als 40-Jähriger entschloss sich der Sohn, 1992 zum Namen der Vorfahren zurückzukehren. Auf die Frage, ob das als Zeichen der Versöhnung zu werten sei, antwortete Peter Kupfer damals schon mit einem klaren: "Ja, auf alle Fälle."

Und das, obwohl Großvater Otto Kupfer und seine Frau im Konzentrationslager Theresienstadt ein schreckliches Ende fanden, ebenso wie weitere Verwandte der Kupfers. Trotzdem versicherte Peter Kupfer jetzt erneut: "Ich liebe die Stadt und habe gute deutsche Freunde gefunden, hier und auch in den Staaten."

Stoplersteine wären schön

Eine Gedenktafel am Haus in der Bahnhofstraße, dort, wo einst die Kupfer-Villa stand, wäre der Wunsch von Peter Kupfer "aus Respekt vor der Familie". Er könnte sich auch sogenannte Stolpersteine vorstellen. "Im Boden eingelassen und mit Namen versehen, ähnlich wie es in vielen anderen Städten bereits umgesetzt wurde."

Zur Verwirklichung dieser Idee hat er verschiedene Gespräche geführt. Beispielsweise mit Marina Jourovetskaia, zuständig bei der Jüdischen Gemeinde Weiden für Sozialarbeit. Aber auch mit Dr. Sebastian Schott vom Stadtarchiv besprach er sein Anliegen. Aus dem Fundus des Stadtarchivs erhielt er außerdem wichtige Antworten bei der Recherche für sein künftiges Buch. Den Besuch des jüdischen Friedhofs am Kälberweg, wo sich eine Grabstätte der Familie Kupfer befindet, ermöglichte Werner Friedmann. "Beim ersten Weiden-Besuch war es der Vater, nun der Sohn", lautete der Dank an den Begleiter.

Das Fazit des Besuches in Weiden, der zugunsten der Vettern in Paris und England stark verkürzt war, lautete schließlich: "Ich komme bestimmt wieder. Vielleicht kann dann die Erinnerung an die Familie schon verwirklicht werden." Beim vorletzten Besuch in Weiden hatte Peter Kupfer übrigens auch Grund zur Freude. Zwei Ölgemälde seiner Urgroßeltern, die von der ehemaligen Haushaltshilfe Emma Fischer über Jahrzehnte hinweg aufbewahrt worden waren, kamen nach deren Tod und vielen Umwegen wieder in den Besitz der Kupfers. Die beiden Bilder von Eduard und Fanni Kupfer - einzige Überbleibsel aus der Villa in Weiden - lösten damals 2007 bei der Übergabe viele Emotionen und große Dankbarkeit aus.
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