Jürgen Huber liest im Keramikmuseum aus seinem ersten Roman "Hiobertus"
Ein Buch wie ein abstraktes Bild

Jürgen Huber ist bildender Künstler und Autor - der Mann mit Mehrfachbegabung las am Freitag aus seinem "Hiobertus". Bild: Otto
In einer Zeit, in der gefühlte 90 Prozent aller Bücher massentauglich produzierte Krimis sind, könnte man befürchten, dass Jürgen Hubers "Hiobertus - Ein Roman. Zum Meer." nicht das Zeug zu Everybody's Darling hat. Und tatsächlich: Die großen Verlage winken ab. Kein Problem für Jürgen Huber. Mit anderen gründet er kurzer Hand den Giselaverlag und verlegt seinen Erstlingsroman selbst. Am Freitag stellte der bildende Künstler und Bürgermeister der Stadt Regensburg im Keramikmuseum sein Debüt bei einer Lesung vor - moderiert von Stefan Voit.

Jürgen Huber spielt offensichtlich nicht auf Sicherheit, hat die Dinge gerne in der Hand und geht hindurch, wenn sich neue Türen öffnen. Zumindest lässt seine Biografie das vermuten. Nach der Ausbildung gründet der gebürtige Altenstädter als junger Buchdrucker das Kartenhaus Kollektiv, eine alternative Druckerei. Nach einiger Zeit wendet er sich wieder Neuem zu und wird bildender Künstler. Er lebt mal hier, mal dort - London, Mailand, Laibach. Dazu kommen Studienaufenthalte in USA, Äthiopien, Italien, Slowenien, Polen sowie Finnland. In Regensburg wird er Bürgermeister. In Berlin schreibt er sein Romandebüt "Hiobertus".

Namen und Bedeutung

Die Handlung ist schnell erzählt, viel verraten ist damit ohnehin nicht: Ein Journalist um die 40, der, so Huber wörtlich: "gerne radikal wäre". Davon getrieben fährt er nach Berlin, um die Tochter einer RAF-Terroristin zu interviewen. Von dieser Exkursion in die deutsch-deutsche Vergangenheit zurückkehrt, ist er verlassen - von seiner Frau und damit vom Halt im Leben. Wie im Schock reist Hiobertus weiter nach Kroatien, ans Meer und steigt dort in einem Hotel mit dem Namen Nova Perspektiva (!) ab. Dort lernt er den russischen Dichter Maxim und einen Mann namens Anzeiger kennen. Gemeint sind nach Hubers eigener Aussage die Literaten Nabokov und D'Annunzio. Namenlos bleibt eine rätselhafte Frau, die Hiobertus fasziniert und die ihn bald in seinen Träumen aufsucht.

Schnell wird deutlich: Der Künstler pflegt das Spiel mit Namen und Bedeutung, Personen und Archetypen. Wie er sagt, bereitet es ihm diebische Freude, den Kreator zu spielen, "bekannte Figuren zu verformen, als wären sie aus Ton". Überhaupt: Die Rahmenhandlung, wenn man sie so nennen mag ist gespickt mit Chiffren und Verweisen auf Politik und Kultur, mit Schilderungen aus der Oberpfälzer Kindheitswelt und Exkursen in die ganz große Weltgeschichte. Und auch wenn der Roman nicht biographisch angelegt ist, steckt wohl viel von Hubers politischer Erfahrung und Prägung darin.

Politische Sicht der Dinge

Huber nähert sich dem weißen Blatt Papier, wie er sich als bildender Künstler einer Leinwand nähert. Auch wenn es scheinbar eine chronologisch verlaufende Handlung gibt - die Gespräche und vor allem die Traumsequenzen pfeifen auf Eindeutigkeit und Struktur - ein Buch wie ein abstraktes Bild. Dem Autor geht es nicht vordergründig um die Geschichte. Sie ist der Rohbau, den der Romancier mit seinen "Bausteinen" auskleidet, um die eigene politische und kulturelle Sicht auf die Dinge zu formulieren.

Die Sprache des Hiobertus ist Kunstsprache, farbig und ausufernd, fast wie Malerei. Immer wieder wird der Leser Zeuge innerer Monologe, freier Assoziationen, komplexer Denk-Artikulation und phantastischer Traumgebilde. Nein, "Hiobertus" ist keine leichte Kost und garantiert keine Lektüre für nebenbei. Die erste Rezension bei Amazon bringt es auf den Punkt. "Wer sich auf eine neue Art des Schreibens und Erzählens einlassen möchte, sollte dieses Buch lesen." Also: nur Mut.
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