"Jugentreff und Schülercafé ""Scout"" soll schließen"
"Noch ist es nicht zu spät"

Für das Schülercafé "Scout" wollen Jenny Forster (links) und Daniela Raither kämpfen. Ein Brief an die Stadträte ist verfasst, eine Online-Petition in Planung. Bilder: Otto (2)

Mittagszeit im Schülercafé "Scout". Ein paar Mädchen sitzen um einen Tisch und essen gemeinsam. Schnitzel mit Pommes steht auf der Tageskarte - für schülerfreundliche 3,50 Euro. Damit könnte im August Schluss sein, wenn der Jugendtreff schließen sollte.

Im Gespräch mit den Schülerinnen wird schnell klar: Das Schülercafé ist für sie mehr als eine günstige Mensa. Und: Einfach hinnehmen werden sie die Entscheidung nicht. "Noch ist es nicht zu spät. Wir tun was", sagt Daniela Raither, 19, entschlossen. Unterschriftenlisten werden ausgedruckt. "In erster Linie wollen wir damit an die Schulen gehen, aber auch an die breite Öffentlichkeit. Wir müssen halt noch checken, wie das rechtlich ist."

Daniela ist so gut wie jeden Tag im Scout - und das schon seit vier Jahren. Genauso wie die 18-jährige Jenny Forster. "Eigentlich haben wir unsere ganze schulfreie Zeit hier verbracht. Wir haben riesigen Spaß. Aber wir haben auch unsere Probleme geteilt." Eine Welt ohne "Scout" können sich beide nur schwer vorstellen.

Einziger Anlaufpunkt

Für viele sind die Leute im Jugendtreff so etwas wie eine Zweitfamilie. Auch für Daniela, die gerade ihr Fachabi macht. "Wenn ich nach der Schule nach Hause fahren würde, wäre ich in 80 Prozent der Fälle allein." Andere Schüler wohnen weiter weg, für die sei das "Scout" sowieso der einzige Anlaufpunkt.

Schlechte Noten, ungerechte Lehrer, aber auch privater Kummer - hier bequatschen die Jugendlichen alles Mögliche. Und sie haben Ansprechpartner wie Tanja Koller und Corinna Troidl, ausgebildet, um mit Jugendlichen zu arbeiten und sie auch durch Tiefs zu begleiten. "Die beiden sind für uns Freundinnen, Respektspersonen und oft auch Seelsorger", sagt Jenny. Bei den beiden Pädagoginnen gibt es guten Rat, Trost, aber auch einfach mal eine Umarmung. Deswegen sei es auch keine Lösung für sie, wenn das "Scout" unter anderer Regie weitergeführt werde. "Ohne Tanja und Corinna ist es nicht dasselbe."

Für den Erhalt ihres "Scout" stellen die Schülerinnen einiges auf die Beine, wollen auf sich aufmerksam machen - in der Zeitung zu Wort kommen, sich bei Ramasuri Gehör verschaffen. Eine Online-Petition ist auch in Planung. Man wolle den Politikern verdeutlichen, dass sie hier über die Köpfe ihrer zukünftigen Wähler hinweg bestimmen, sagt Jenny.

Brief an die Stadträte

An die Stadträte wendet man sich ganz direkt: In einem Brief stellen Jenny, Daniela und ihre Freundinnen vor allem eine Frage: "Wo sollen wir denn hin? Wir wollen nicht am ZOB oder im Park rumhängen und damit nur die Vorurteile der Erwachsenen bestätigen." Im "Scout" seien Drogen, Alkohol und Gewalt ein "No-Go". Aber es geht ihnen auch nicht nur um einen Ort, an dem sie sein können. "Wir waren zusammen im Theater, im Hochseilgarten, in den Körperwelten. Einen Poetry Slam haben wir auf die Beine gestellt, es gibt eine Laufgruppe und, und, und." Viele hätten das ohne den Jugendtreff nicht gemacht.

Klima der Offenheit

Das Besondere am "Scout" ist für die meisten Schülerinnen und Schüler das Klima der Offenheit. "Jeder ist willkommen. Egal wie alt, welche Hautfarbe oder welcher Nationalität. Die Gäste sind total unterschiedlich. Trotzdem hat es noch nie wirklich Stress gegeben", sagt Daniela. Chefin Tanja Koller hat sich während des Gesprächs mit Daniela, Jenny und den anderen zurückgehalten. Sie betont: Aktionen wie die Unterschriftenlisten oder der Brief sind zu 100 Prozent Initiativen der Jugendlichen sind. Und die werden wollen weiterkämpfen. Für das "Scout", so wie sie es kennen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.