Julian Maier-Hauff mit "Sünde"-Auftritt
Wie Flimmern auf Asphalt

Elektronisch erwärmte der Freiburger Julian Maier-Hauff sein "Sünde"-Publikum. Bild: Otto
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
15.12.2015
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Klischee, Klischee: Elektronische Musik ist unterkühlt, technisch, ein Android. Könnte man denken. Aber nur, bis man auf Julian Maier-Hauff stößt.

Der Musiker erzeugt mit seinem Live-Set einen Sog, dem sich selbst große Elektro-Skeptiker nur schwer entziehen können - so ist das auch bei seinem Gig in der "Sünde" am Samstagabend.

Es ist, als hätte jemand einen orangefarbenen Fotofilter über die Sounds gelegt. Alles klingt ein paar Grad wärmer. Die live eingespielten Loops wabern mal durch den Raum, wie dieses Flimmern, das sich an einem Sommertag über dem Asphalt bildet. Dann treiben sie den Sound-Teppich wieder mit viel Druck vor sich her - unterstützt von den Beats, die Maier-Hauff wie aus einer Gießkanne über seinem Publikum leert. Wohltemperiert, satt und entspannt - genauestens dosiert, direkt ins Ohr.

Apropos, auch das Auge freut sich mit über die minimalistische Ästhetik von Maier-Hauffs Performance. Es ist eine Wonne, dem Freiburger Musiker dabei zuzusehen, wie er mit gefühlten sechs Händen zwischen Keyboards, Drum-Machine, Loop-Station, Trompete, Posaune und Saxofon wechselt - so lässig, so präzise, so spielfreudig. Schön zu sehen auch: Wenn Julian Maier-Hauff beim Drehen an den Reglern sich inwendig schmunzelnd auf die nächsten Takte freut - in der hundertprozentigen Sicherheit, mit dem nächsten Klangkonstrukt wieder einen Coup auf dem Tanzboden zu landen.

Das Besondere an Maier-Hauffs Kunst ist die Synthese analoger und digitaler Tonelemente. Er ist nicht der trompetende DJ, auch nicht der Elektrofrickler, der die Posaune als originellen Kontrapunkt setzt. Alles ist eins, alles ist der Loop und der Beat. Alles ist immer wieder anders. Das könnte daher rühren, dass der Künstler aus dem Jazz kommt. Ein Genre, in dem Improvisation immanent ist. Diese Kultur des freien Spiels trifft auf eine exakt strukturierte Welt, die auf Beats per Minute aufgebaut ist. Großartig. Das ist nichts für Androiden. Mensch, Maier-Hauff.
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