Juvenes Translatores
Elly-Heuss-Gymnasiastin holt Übersetzerpreis der EU-Kommission

Schön, wenn man eine der besten Nachwuchsübersetzerinnen aller europäischen Schulen unterrichten darf. Elly-Rektor Reinhard Hauer und Französisch-Lehrerin Doris Christl freuen sich über einen renommierten Preis für Paula Hermann. Bild: hfz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
06.04.2016
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Paula Hermann hat seit kurzem zwei neue Kumpels: Bibi und Ibou, zwei Senegalesen, die ihr Glück in Belgien gesucht haben. Kennengelernt hat Paula die beiden Afrikaner bei einem Wettstreit, bei dem sie ganz vorn landete. Die Elly-Heuss-Gymnasiastin hat beim Schüler-Übersetzungswettbewerb "Juvenes Translatores" der EU-Kommission groß abgeräumt.

Sie hat einen unbekannten Text aus dem Französischen so gut ins Deutsche übertragen, dass die Brüsseler hin und weg waren. "Liest sich wie ein Original, ausgezeichnete Verwendung der Zielsprache", heißt es in der Auszeichnung für die Oberlinderin.

Womit Ibou und Bibi ins Spiel kommen. Die beiden Migranten unterhalten sich eine DIN-A-4-Seite lang darüber, dass das Leben bisweilen ungemütlich ist, sie viel Geld in die Heimat geschickt haben, und es im Senegal langsam doch aufwärts geht. Den speziellen Sound dieser Konversation hat Paula im Deutschen zum Klingen gebracht. Nicht indem sie an der lexikalischen Bedeutung bestimmter Wörter klebte, sondern Gespür für umgangssprachliche Redewendungen zu Papier brachte.

Weit über 1000 Schüler aus allen 28 EU-Mitgliedsstaaten übersetzen bei "Juvenes Translatores" jedes Jahr um die Wette. Die 18-Jährige aus dem "Elly" gehört nun zu den besten 20 Deutschen. "Ich hätte nie damit gerechnet", sagt die angehende Abiturientin bescheiden und schickt gleich einen Gruß an Französischlehrerin Doris Christl hinterher. Die lege im Unterricht Wert auf zeitgemäßen Sprachgebrauch.

Damit allein schleift sich noch kein preisverdächtiges Französisch ein. Hilfreich sind auch jede Menge E-Mails mit der einstigen Austauschpartnerin in Issy-les-Moulineaux und die eine oder andere Kurzgeschichte der Bestsellerautorin Anna Gavalda .

Die EU will mit dem Wettbewerb Jugendliche animieren, Übersetzer als Beruf zu wählen. Die Brüsseler haben schließlich selber Bedarf. Für Paula ist das nur die zweite Option. Die erste wäre ein Medizinstudium in Regensburg. Wenn es damit nicht klappt, könnte es aber doch in die sprachliche Richtung gehen. Eine Zukunft in Europa: Diese Chance haben schon Bibi und Ibou genutzt.
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