Kabarettist Han's Klaffl in der Max-Reger-Halle
Genial in die Demenz

Kultur
Weiden in der Oberpfalz
12.12.2015
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Erst hochbegabt. Dann sexlüstern. Und am Ende verblödet. Laufen Schülerkarrieren heute so? Ja, zumindest im Programm des Kabarettisten und früheren Lehrers Han's Klaffl. Proteste von Eltern oder Schülern im Publikum der Reger-Halle erntet er damit nicht. Sondern Jubel.

Wie war das doch gleich? Das Kind ist hochbegabt! "Diese enorme Zunahme von Hochbegabten hat zwei Gründe." Der eine sei Vererbung. "Ja, wenn die Eltern hochbegabt sind oder zumindest waren bis zur Zeugung des Kindes, muss das Kind natürlich auch hochbegabt sein. Vor allem dann, wenn die Eltern an die Vererbungslehre glauben." Der andere Grund: Wenn das Kind nicht ständig individuell gefördert wird - und ein Lehrer muss sich halt um seine anderen Schüler auch kümmern - wird ein hochbegabtes sehr schnell zu einem hochgelangweilten Kind. Kurzum: "Es stört den Unterricht." Oder wie es Pädagogen ausdrücken: "Es wird zur Pflegestufe III."

Ich nerve, also denk' ich


Eltern mit Erziehungsdefiziten wissen es: Schlechtes Benehmen sei nichts anderes, als der logische Hinweis auf die Hochbegabung ihrer Kinder. Das Dumme nur: Viele dieser Kinder spürten ihre Hochbegabung tief in sich drinnen nicht wirklich. Zu diesem Ergebnis kommt der pensionierte Gymnasiallehrer Han's Klaffl am Donnerstagabend in der voll besetzten Max-Reger-Halle.

Hochbegabung sei übrigens nur ein Phänomen der Unterstufe. In der Oberstufe habe sich das Problem längst erledigt. Da wurde vorher ausgesiebt, frei nach Motto: Abi oder Obi. "Bei manchen Schülern geht Hochbegabung nahtlos über in Demenz." Das Publikum jubelt.

Wer meint, bei Klaffl gibt es keine Poesie, wer meint, er sei ein pädagogischer Rambo, der irrt. Als pensionierter Musiklehrer verzaubert er seine Zuhörer, wie einst seine Schüler, auch am Klavier und am Kontrabass, an dem er "Puff, the Magic Dragon" zupft. "Puff" wie "Paff" ausgesprochen. Sonst wär der "Peter, Paul & Mary"-Klassiker ein No-Go in der Mittelstufe, wo "Jugend forscht" ausschließlich auf sexuellem Gebiet betrieben wird und das pubertierende Hirn weit unter die Gürtellinie rutscht.

Fort beim Sport


Mit feinen Wortgespinsten hangelt sich der Alt-Pädagoge durch den Schulalltag. Er plaudert übers Sportfest mit seiner regelmäßigen Ausfallrate von 80 Prozent. Fest integriert in seinem Satzbaukasten sind Unterstufen-Schüler Jannik und dessen Vater Hans Fischer, der gerne mal mit dem Anwalt droht und selber früher schultechnisch eine Flasche war.

Warum drücken Mütter beim Elternsprechtag meist auf die Tränendrüse, um Schadensbegrenzung zu betreiben? Warum verlangen Großväter, ruhig einmal "den Franziskus" anzuwenden, "weil's noch nie geschadet hat"? Klaffl kennt die Antwort, hält sich aber doch ans Grundgesetz.

Im zweiten Teil gibt er den Ruheständler, der beim pensionierten Lehrer ganz besonders stark ausgeprägt ist. Als Fachberater im Baumarkt, als Korrekturleser im Supermarkt. Als Turbogärtner an Nachbars Gartengrenze. Oder als diagnosestellender Patient im Wartezimmer seines Lieblingsarztes. Es hagelt Hausverbote. Das sind eben die Ur-Instinkte des Mannes. "Oder haben Sie schon mal eine Frau gesehen, die an der Tankstelle den Schlauch ausschüttelt."

Kürzer gedacht


Natürlich macht solch ein Maß an sozialer Anklage und Besserwisserei einsam. Zuletzt geißelt der Ex-Pauker das G8. "Wenn etwas schlecht ist, neun Jahre dauert, und man kann's nicht besser machen, was kann man da machen?" Genau: Man kürzt es auf acht Jahre, denn: "Acht Jahre schlechtes Gymnasium sind besser als neun Jahre schlechtes Gymnasium." Nicht ohne Hintergedanken hat Klaffl seine aktuelle Tour "Schul-Aufgabe" getauft. Alles genau durchdacht: Lehrplan entrümpelt, mehr Nachmittagsunterricht, weniger zwischenmenschliche Kontakte außerschulischer Art, weniger Vereinssport, weniger privater Musik- und Ballettunterricht. Für Klaffl ein Riesenblödsinn. "Das merkt man aber erst später. Wenn's dann so weit ist, dann sind diejenigen, die es merken sollten, bereits so weit verblödet, dass sie's nicht mehr merken."
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