Kann die Integration von Migranten gelingen? Barbara Warning hat Antworten gesucht
„Das wird unser Leben bestimmen"

Die Hamburger Autorin Barbara Warning lässt in ihrem neuen Buch ganz unterschiedliche Zuwanderer zu Wort kommen. Ein paar davon stellt sie bei ihrer Lesung am Donnerstag näher vor. Bild: hfz/Ole Graf

Und dann? Registrieren. Anträge bearbeiten. Notdürftig Massenunterkünfte einrichten. Wie all das zu stemmen ist, darauf fanden sich mal mehr, mal weniger überzeugende Antworten, seit vergangenes Jahr die Flüchtlingszahlen so stark gestiegen sind. Eine Frage bleibt aber vorerst offen. Was muss dann passieren, damit die Integration derer gelingt, die länger bleiben?

Es ist womöglich eine der Fragen schlechthin für das Land. Ob die Alteingesessenen die Neuen als Mitbürger anerkennen, ob Migranten hier eine Heimat finden, mit der sie sich identifizieren: Das "wird unser aller Leben in Zukunft wesentlich bestimmen", schreibt Barbara Warning in ihrem neuen Buch. In "Heimisch und doch fremd" (Ravensburger Verlag) hat sich die Hamburger Autorin mit Facetten von Integration beschäftigt. Am Donnerstag, 6. Oktober, wird sie aus ihrem Werk lesen und darüber diskutieren (siehe Kasten).

Außergewöhnliche Porträts


Warning lässt in dem Buch ganz unterschiedliche Migranten selbst zu Wort kommen. Da ist etwa der syrische Apotheker, der erst seit Kurzem in Deutschland ist und weiß, wie steinig der Weg für ihn sein wird, bis er auch hier wieder in seinem alten Beruf arbeiten kann. Da ist aber auch Mario B. Seine Familie floh vor dem Jugoslawienkrieg, als er noch ein Kind war. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, musste er versuchen, dem Unterricht hier zu folgen. Heute ist er selbst Deutschlehrer. Es sind zwei aus einer ganzen Reihe teils außergewöhnlicher Biografien, die Warning aufgeschrieben hat. Gemein haben sie, dass sie allesamt Positivbeispiele sind. Warning sagt, sie wolle den Menschen nicht nur "ein Gesicht geben", sondern auch Mut machen. Den Deutschen. Und anderen Migranten. Mut machen heißt aber nicht verklären. "Es ist nicht alles wunderbar", betont Warning im Gespräch mit dem NT. Im Gegenteil: Sie sehe "massive Schwierigkeiten". Schon jetzt gebe es in Deutschland Parallelgesellschaften. Auch die Flüchtlinge heute seien längst nicht alle Fachkräfte. Und selbst wenn doch, sie bräuchten lange, bis sie ein Deutsch sprechen, das ihr Bildung entspricht, das nötig wäre, um auf den Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Auch diese Seite klammert Warning im Buch nicht aus. Indem sie beispielsweise mit einem Sozialpädagogen über Eltern spricht, die ihre Töchter nicht zum Schwimmunterricht lassen. Oder ein Berliner Projekt vorstellt, das sich gegen Unterdrückung im Namen der Ehre einsetzt. Daneben erzählt Helene H. ihre Geschichte. Sie kam mit drei Jahren aus dem Südural nach Deutschland. Heute bringt sie Flüchtlingskindern Deutsch bei. Sprachbegabte, Akademikerkinder sind darunter, aber auch solche, denen Helene H. erst einmal zeigen muss, wie ein Stift funktioniert. Diese Dinge sind es, warum Warning nicht nur ein rosiges Bild zeichnen mag.

"Es wird nicht genug getan"


Einfach sagen, das alles sei zu schaffen, den Neuankömmlingen ein paar Monate Deutschkurse geben - und sich ansonsten auf ehrenamtliche Flüchtlingshelfer verlassen: Das reiche einfach nicht. "Es wird nicht genug getan, und ich weiß nicht, ob sich jeder der Größe der Aufgabe bewusst ist." Wie groß die Aufgabe in jedem Einzelfall ist, das habe sie selbst bei den Gesprächspartnern für ihr Buch erlebt: "Es ist beeindruckend, welche Kraft und Energie die Menschen aufgebracht haben, um sich zu integrieren."

Ob jeder der Neuankömmlinge, ob die Gesellschaft diese Kraft auf Dauer hat - offen. Klar ist für Warning aber schon jetzt, dass die Anstrengung lohnen. Sollte es gelingen, überzeugende Antworten zu finden, für das Leben hierzulande wären die Neuen "eine große Bereicherung".

Die LesungBarbara Warning liest aus ihrem Buch "Heimisch und doch fremd. Junge Migranten erzählen, wie Integration doch gelingt" am Donnerstag, 6. Oktober, um 19 Uhr im Alten Schulhaus. Anschließend ist eine Diskussion über Migration und Integration geplant. Neben der Autorin sollen dabei auch junge Flüchtlinge zu Wort kommen. Außerdem wird Veit Wagner mitdiskutieren. Er ist Vertreter des Netzwerks Asyl und des Arbeitskreises Asyl, die die Lesung als Teil der "Interkulturellen Woche" veranstalten. Eintritt frei, Spenden erwünscht. Das Buch wird am Abend zum Verkauf ausliegen. Ins Alte Schulhaus kommt Warning heuer übrigens schon zum zweiten Mal. Im Juni stellte sie dort ihr Buch "Kindheit in Trümmern" vor. (fku)
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