Karriere in der katholischen Kirche

Am Ziel angekommen: Johanna (Mitte) ist in der Rolle ihres Bruders zur Päpstin avanciert - umgeben von Freunden und Feinden. Bild: Otto

Eine Frau, die sich nicht alles gefallen lassen will, sich wehrt und sogar Päpstin wird - das gleichnamige Buch von Donna W. Cross war ein Megaseller. Am Dienstagabend erlebten die Besucher in der Max-Reger-Halle die Bühnenumsetzung der populären Prosa.

Mehr als sechs Millionen Mal verkauft, in 36 Sprachen übersetzt und 2009 von Sönke Wortmann verfilmt - die Geschichte der jungen Johanna, die aus der ihr zugedachten mittelalterlichen Frauenrolle ausbricht, fesselt die Menschen rund um den Erdball. Aber es ist nicht die spannende Story allein, die einen bewegt. Blinder Glaube versus Vernunft, antiquierte Geschlechter-Rollen versus Gleichberechtigung - die Aktualität des Stücks, das von der Münchener "theaterlust!" - auf Einladung der Kulturbühne Weiden - umgesetzt wurde, ist nicht von der Hand zu weisen.

Mann der Herr im Haus

Das Stück führt den Zuschauer ins neunte Jahrhundert. Eine Zeit, in der man noch Hexen verbrannte. Eine Zeit, die für Frauen nichts weiter als Kind, Heim und Herd vorsah. Der Mann ist der Herr im Haus, so auch der Vater von Johanna, ein strenger Dorfpriester, der die aufgeweckte und störrische Tochter mit strenger Hand bändigen will.

Jedoch: Die Wissbegierde überwiegt. Gegen seinen Willen und heimlich lernt Johanna mit Hilfe ihres Bruders Latein zu lesen, zu schreiben und eigenständig zu denken - Teufelswerk im Mittelalter. Gegen alle Widerstände schafft sie es dennoch. Aber erst in der Rolle des verstorbenen Bruders Johann Angelicus schafft sie es in die Zimmer der Macht - wird Leibarzt des Heiligen Vaters und schlussendlich Papst.

Ein Papst des Volkes mit hohen Idealen ist Johanna - umgeben von Karrieristen, Ränkeschmieden und Neidern. Im Strudel dieser Kräfte und in der Liebe zu einem Mann, von dem sie schwanger wird, wird sie mitgerissen und kommt in dieser Gefahr um. Wer den Film und seine opulenten Bilder kennt, kann sich vorstellen, wie schwierig es ist, die Handlung auf wenigen Quadratmetern Bühne umzusetzen.

Der Kunstgriff des Regisseurs Thomas Luft, das Bühnenbild auf ein mal zwei Meter große bewegliche Holzkisten zu reduzieren ist faszinierend. Sie dienen als Rückzugsorte, Verstecke, Särge und zu Beginn als Geburtskanal, aus dem Johanna in die Welt plumpst.

Unterhaltende Parabel

So gestalten die Schauspieler, die in mehreren Rollen zu sehen sind ihre Kulisse ständig neu. Einen weiteren Effekt erzeugen Videoprojektionen und die eigens für das Stück komponierte Musik, die zum Teil disharmonisch die mitunter bedrückende Bühnenstimmung verstärkt.

Mit "Die Päpstin" ist der "theaterlust" ein Stück gelungen, das auf vielen Ebenen funktioniert: als mitreißende Story, als historischer Stoff, der ein Sittengemälde des Mittelalters zeichnet und als Parabel, die Werte wie Vernunft, Bildung, Gleichberechtigung und Zielstrebigkeit in den Fokus rückt. Und sich gegen Sexismus, Bigotterie und Heuchelei richtet.
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