Klassiker im Schleudergang
Licht und Schatten in der "Nacht der Musicals"

Der König der Löwen auf dem Weg ins Schattenland. Bild: Kunz

Mit der "Nacht der Musicals" ist es wie bei einer Waschmaschine. Wem der Schleudergang genügt, der ist hier richtig. Wer aber das volle Waschprogramm in all seinen Facetten auskosten will, der sollte schon in die Metropolen reisen.

Wer eine Ahnung davon bekommen will, was sich in den letzten Jahrzehnten am Broadway und in den großen Musical-Tempeln tat, der ist bei Produktionen, wie "Die Nacht der Musicals" gut aufgehoben. Ein Musical-Abend ist eben Ansichtssache. Bei einer Parade dreht sich die Waschtrommel schnell. Hat man Glück, wirbeln einem am runden Fenster bunte Sachen vor die Augen. Hat man Pech, geht einem das alles viel zu schnell. Maschinen, die sich im perfekten Rhythmus drehen, stehen eben nur in Städten wie Stuttgart, Hamburg oder Berlin.

Aber auch an der Kopie kann man sich berauschen, wie sich stellenweise am Dienstagabend in der Max-Reger-Halle zeigte. Deshalb ist es richtig, wenn Musical-Gefühle auch in kleinere Hallen transportiert werden. "Tanz der Vampire", "The Rocky Horror Show" und "Mamma Mia" stellten das "Nacht der Musicals"-Ensemble um das Quartett Brita A. Haler, Robert Wagner, Maria Anna Rosenberg und Tamas Szaraz vor große Herausforderungen. Doch die Zuschauer durften sich trotz abgespeckter Bühne über den einen oder anderen Volltreffer freuen.

Der Abend hatte Licht und Schatten. Eine moderne Klamotten-Version von "Jesus Christ Superstar", dann das klassische "Phantom der Oper"-Kostüm, bei "Hinterm Horizont" ein leider gar nicht nuschelnder Udo Lindenberg und schließlich - gut gebrüllt, Löwin! - eine "Nala", deren Stimme sich völlig ins "Schattenland" überdrehte. Die Begleitmusik zur Show kam aus der Konserve.

Ihren Höhepunkt erreichte die Show mit Kaiserin Elisabeths "Wenn ich tanzen will"-Einlage. Aus Richard O'Brians "Rocky Horror Show" wählte Frank N. Furter anstatt "The Time Warp" die etwas langatmigere Nummer "Sweet Transvestite", bevor er mit dem Publikum kuschelte. "Queen" sangen "Sombody to love", "We are the Champions" und "We will rock you" - und alle 400 Zuschauer klatschten mit. In der Schlussrunde feierte das Publikum "The Rose" und Udo Jürgens Gassenhauer aus "Ich war noch niemals in New York".
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