Kolja Lessing moderiert eine "Hommage à Max Reger" und spielt Werke auf Violine und Klavier
Marsch der Stiftsdamen zum Wurstelprater

"Hommage à Max Reger" nannte Kolija Lessing sein Klavier- und Violinrecital, das er bei den Max-Reger-Tagen im Alten Rathaus in Weiden vorstellte. Bild: Tietz
Der Saal im Alten Rathaus füllt sich trotz des Festes am Marktplatz mit erwartungsvollem Publikum. Eine Matinee in zwei Teilen ist am Sonntag bei den 17. Weidener Max-Reger-Tagen angesagt. Kolja Lessing spielt im 1. Teil Violine, nach der Pause sitzt er am Klavier. Außerdem moderiert er witzig und wissensreich. Sein Programm beginnt er mit der "3. Partita für Solovioline E-Dur" BWV 1006 von Bach.

Konträte Stimmungen

In sechs Sätzen lotet der Komponist die Vielseitigkeit des Instruments aus, versetzt den Hörer zudem in schöne Stimmungen - und genau das vollgültig weiter zu vermitteln, gelingt Kolja Lessing in bewundernswürdiger Weise. Es folgt "Präludium und Fuge e-moll" op 117/8 von Max Reger, das letzte der Solostücke, die der Tonsetzer für die Violine schrieb. Reger empfand Form und rhythmische Gesten nach den Violinwerken Bachs. Zeit seines Lebens bewunderte er den Barockmeister, ohne jedoch seine eigenen Vorstellungen aufzugeben. So werden auch hier wie sonst bei Reger völlig konträre Stimmungen miteinander verknüpft.

Und die Fuge verwandelt sich nach Aussage von Kolja Lessing schnell in ein launiges Capriccio. Es ist immer höchst erstaunlich, welche Ideen einem Instrument, das eigentlich der Begleitung bedarf, zugedacht werden. Jedenfalls muss der Interpret alles alleine bewältigen und so wie Lessing die Werke darstellt, ist es ein Genuss, ihm zuzuhören. Erwin Schulhoff war Schüler von Reger und wird noch viel zu wenig als begabter Komponist anerkannt. Seine "Sonate für Violine solo" aus dem Jahr 1927 beginnt mit Feuer, denn die Geige hat im "Allegro con fuoco" keine Pause in der Abfolge schneller Tonfolgen. Als Kontrast dazu das "Andante cantabile", das eine ruhige Stimmung geriert, jedoch meist in Doppelgriffen, die in der Abfolge gleichzeitig verschiedene Themenansätze prägen. Flott tänzerisch verläuft das Scherzo gemäß der Vorschrift "Allegretto grazioso". Das Finale "Allegro risoluto" erinnert mit seinem ungestümen Feuer wieder an den Beginn des Werks. Viele Noten werden gleichzeitig vorgetragen, und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie der Geiger das so tadellos schafft.

Nach der wohlverdienten Pause spielt Kolja Lessing Klavier, also ohne so große Anstrengung mehrere Töne gleichzeitig. So ist es aber nicht! Schon die "2 Gedenkstücke für Johannes Brahms" von Max Reger kosten das Instrument voll aus und verlangen vom Spieler beste Darstellungskunst. Die "Resignation" op 26/5 berührt durch ihre verinnerlichte Nachdenklichkeit, was ihre Darbietung aber nicht erleichtert. Die "Rhapsodie: Den Manen Brahms" op 24/6 ist hochdramatisch und virtuos. Dann folgen Werke des viel zu wenig bekannten Komponisten Felix Petyrek (1892-1951). Aus dem nostalgischen Kosmos von "24 Ukrainischen Volksweisen" ertönen 5 Stücke.

Kleine Melodien

Tonal und eine schöne Atmosphäre erzeugend ziehen die kleinen Melodien mal schneller, mal langsamer vorbei. Sie sind der Erinnerung gewidmet. Ganz anders die Auszüge aus den "6 grotesken Klavierstücken" des gleichen Komponisten. In ihnen werden bestimmte Verhaltensweisen parodiert. "Ein nächtliches Abenteuer" hat eigenartige Erinnerungen hinterlassen, dem "Wurstelprater" wird nur selten ein Klavierstück gewidmet und der "Irrelohe-Foxtrott" verläuft so irre wie sein Name. Das is immer noch nicht genug: Den Gipfel der Groteske bildet der "Marsch der Stiftsdamen" von Max Reger, der nicht die erwartete Würde ausdrückt.

Als Zugabe erklingt die "Gavotte" aus der zu Anfang gehörten 3. Partita von Bach in der Klavierübertragung von Sergej Rachmaninoff. Auch eine hochinteressante Neuentdeckung. Eine von vielen an diesem Vormittag.
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