Komödie zeigt in Weiden alt bekannte Probleme über das Älterwerden
Magerer Stoff: Frustrierte Frau auf der Flucht vor der flüchtet vor Familie

Braven Beifall bekamen die Darstellerinnen Nicole Belstler-Boettcher, Franziska Traub und Gaby Blum (von links) in der Komödie "Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt". Mit dabei waren auch die Schauspieler Jens Knospe und Astrid Straßburger. Bild: Schönberger
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
24.02.2016
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Von Rudolf Barrois

Weiden. Die Bücherregale sind voll von Geschichten, die sich mit dem zunehmendem Alter beschäftigen, mit den damit einhergehenden Beziehungskonflikten und verzweifelten Versuchen vor allem, dem zu entkommen. Auch die gelernte Buchhändlerin Dora Heldt bewegt sich seit einiger Zeit auf diesem Terrain, dem jährlich Tausende von Romanen entwachsen, die die Welt vermutlich nicht braucht. Eine dieser Geschichten mit dem vielsagenden Titel "Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt" hat es nun auch auf die Bühne geschafft und wurde am Montagabend in der Max-Reger-Halle aufgeführt.

Nachdenken lohnt nicht


Der Inhalt, kurz gefasst auf einem prall-bunten Theaterzettel, verrät zunächst einmal keinen Konflikt, über den nachzudenken sich lohnen würde. Denn der Umstand, dass Frauen, wenn sie sich dem 50. Lebensjahr nähern, Bilanz ihres bisherigen Lebens ziehen, ist nicht neu. Dass sie die häufig bis zur Unkenntlichkeit abgeschliffene Beziehung und damit den Partner überprüfen und sich kritisch mit dem eigenen Äußeren beschäftigen, wurde oft genug abgehandelt und ernährte darüber hinaus ganze Myriaden von Psychologen.

Da will also Unternehmersgattin Doris dem Familienfest anlässlich ihres 50. Geburtstages entkommen. Sie hat einfach keine Lust, in einem spießigen Lokal Verwandte und sogenannte Freunde zu versammeln. Stimmungsschwankungen eben wegen des erreichten Altersmeilensteins tun ein Übrigens dazu.

Sie entschließt sich, an die Ostsee zu entkommen, um dort mit zwei Freundinnen aus der Schulzeit bei einem ausgedehnten Wellness-Programm nur für sich selbst Gutes zu tun. Man darf davon ausgehen, dass die vom Lebensabenteuer ermüdete Kaja und die verwitwete Anke dasselbe wollen: Es noch einmal im Leben richtig krachen lassen, nicht abgefragt von einem Ehemann oder gar der Mutter, die das Kommandieren nicht lassen kann. Und natürlich will man auch das eine wieder wissen: Wie attraktiv bin ich eigentlich noch? Da darf man dann auch ein bisschen schlüpfrig nachfragen: Wann hast du denn zum letzten Mal?

Die Lebenserfahrung freilich und das eine oder andere Frusterlebnis mit so einem Kerl mahnt zur Vorsicht. Und so ist die Frage der Doris an einen hartnäckigen Kavalier durchaus berechtigt: "Was habe ich Ihnen getan, dass Sie mich ständig verfolgen?" Der erste Sekt ist getrunken, die Aussicht bewundert, der Strand besichtigt und abgeschritten. Und nun kommen die Bekenntnisse, die Einsichten. Natürlich ist nicht alles, was seit dem letzten gemeinsamen Spaß, der Abitur-Klassenfahrt, wunschgemäß verlaufen. Da hat sich ein Mann, einfühlsam und ganz Kavalier zunächst, als Egoist entpuppt, eine herbe Enttäuschung. Eine Erfahrung, die natürlich auch die Männer büßen müssen, die an der Ostsee ihrerseits dem Abenteuer Leben neu auf die Spur kommen wollen.

Vergeblicher Ausflug


Zurück im Alltag erweist sich zumindest für Doris die Ehe mit dem freundlichen, seriösen Mann als tragfähiger im Vergleich zu ihren Träumen. Sie erkennt, dass man sich auch mit 50 noch jung fühlen kann, das Leben Spaß macht, auch mit der Familie, die nun doch zu ihrem Geburtstagsfest kommt.

Gut und schön. Nicht gut ist vermutlich, dass beschlossen wird, den vergeblichen Ausflug in ein aufregenderes Leben in einem Buch zusammen zu fassen, womit die Autorin gleichsam den Kreis zu ihrer eigenen Geschichte schließt. Gespielt haben die Darsteller recht gut. Das ist angesichts des mageren Stoffes durchaus schon eine Leistung. Das Publikum in Weiden, das weibliche vor allem, mag sich seine eigenen Gedanken gemacht haben, denn der Beifall war brav, aber keineswegs üppig.
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