Konzert von "Singing Witt" in ausverkaufter Max-Reger-Halle
Gesanglicher Volltreffer in die Herzen

Mit den Hofer Symphonikern ging der Witt-Chor eine stimmige Symbiose ein. 2017 tritt "Singing Witt" im Stephansdom in Wien auf. Bild: Schönberger
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
04.11.2016
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Freude und Leidenschaft beflügeln. Mit "Singing Witt" swingt ein Laienchor in meisterliche Höhen. Die Intention"Pop meets Classic" trifft mit professioneller Begleitung der Hofer Symphoniker mitten ins Herz.

Zwei ausverkaufte Konzerte mit fast 1600 Besuchern in der Max-Reger-Halle sprechen für die Anziehungskraft dieser musikalischen Marke des Versandhauses. In nur fünf Jahren formte die Witt-Managerin Stefanie Zühlke-Schmidt aus den meist gesanglich völlig unerfahrenen Mitarbeitern ein bemerkenswertes Ensemble. Am Mittwoch- und Donnerstagabend gehen der Chor aus der Oberpfalz und die renommierten Symphoniker aus Oberfranken eine Verbindung ein, die über die Region hinaus Maßstäbe setzt.

Man nehme einen "Ohrwürmer"-Mix aus Pop und Klassik - und fertig ist ein populäres musikalisches Hauptgericht. So einfach macht es sich "Singing Witt" nicht. Dass sich die rund 60 Sängerinnen und Sänger bei lediglich 7 der 19 Werke auf Notenblätter stützen, zeigt außerordentliches Können, passionierte Reife und fleißige Probenarbeit. Erbsenzählerei um halbe Töne und Überhöhung des gedrechselten Kunstlieds wären hier völlig fehl am Platz. Stattdessen überstrahlt eine unbändige Freude am Gesang den Abend, fesselt die Gefühle der Zuschauer, bewirkt andächtige Aufmerksamkeit. "Gänsehaut" stellt sich nicht nur einmal ein. Die höchst angenehme, unaufgeregte und motivierende Art der Dirigentin spornt die Laiensänger zu persönlichen Bestleistungen an.

Neue Innerlichkeit


Nicht einmal zwei Stunden blieben Orchester und Chor Zeit, für den gemeinsamen Auftritt zu proben. Zu keiner Zeit übertrumpft das Orchester in Lautstärke und Intensität den Gesang. Instrumentalisten und Sänger agieren im Gleichklang. Die Tempi stimmen. Das Credo aus der Cäcilien-Messe von Gounod liefert quasi die Ouvertüre für die direkte Wucht der folgenden Werke: Beethovens gewaltiges "Die Himmel rühmen", Händels strahlendes "Halleluja" aus dem "Messias" und der melodiösen (inoffiziellen) Nationalhymne der Italiener, dem Gefangenenchor aus "Nabucco". Nie gleiten die Aufführenden in süße Pappigkeit der oft gehörten Werke ab; der Chor verleiht ihnen vielmehr neue Innerlichkeit.

Eine höchst diffizile Herausforderung geht "Singing Witt" mit dem "Triumphmarsch" aus Verdis "Aida" an. Dieses Werk ist in der Regel professionellen Operchören vorbehalten. Vor allem die Männerstimmen erklimmen beherzt die kniffligen Passagen. Nicht weniger anspruchsvoll ist Freddy Mercurys "Bohemian Rhapsody". In den harten, rhythmischen Wechseln entfaltet der Chor sein ganzes Können - bis hin zur crazy Schluss-Szene. Überhaupt setzen die "Wittianer" die Körpersprache ein, um den Gesang zu unterstreichen. Mit erstaunlicher Tiefe und Fülle interpretieren die Solistinnen.

Jubilierender Glanz


Im ersten Drittel des Konzerts widmet sich der Chor allein - ohne Orchester - dem Pop, etwa "Hit the Road Jack" vom unvergessenen Ray Charles oder dem legendären ABBA-Hit "Thank you for the music". Nachdenklichkeit verbreitet der "Earth song" von Michael Jackson: "Ich kann kaum atmen, der Himmel stürzt ein, was ist mit den Meeren?" Raffinierte Technik-Regie zeigt im Bühnen-Hintergrund Titel und Komponist, vereinzelt den Text an. Natur-Aufnahmen untermalen meditativ.

Sozusagen die instrumentale Einstimmung liefern die Hofer Symphoniker mit der "Morgenstimmung" aus den Peer-Gynt-Suiten von Edvard Grieg: erhebend jubilierend mit dem Glanz der aufgehenden Sonne.

Für "Lichtblicke"


Auch die aktuellen Konzerte verstehen sich als Benefiz-Veranstaltungen. Der Erlös fließt einmal an die "Lichtblicke"-Aktion unserer Zeitung, zum anderen an eine Förderschule in Süd-Indien. "Lichtblicke"-Schirmherrin Elisabeth Wittmann spricht den Zuhörern aus der Seele, als sie "Singing Witt" einen großartigen Botschafter für die Heimat nennt, der "Profit für Witt und die Region" spendet. Den gemeinsam Schlussakkord setzen Chor und Orchester mit Beethovens "Freude schöner Götterfunken". Der ganze Saal stimmt ein: "Alle Menschen werden Brüder ..."
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