Konzertabend beim Weidner Jazz-Zirkel
Der Klang der Nacht als Projekt

Die Magie der Nacht rückt Sven Faller mit seinem Projekt "Night Music" in den Mittelpunkt. Mit Bob Degen am Klavier und der Schlagzeugerin Mareike Wiening spielten drei Musiker-Generationen beim Jazz-Zirkel. Bild: Louis Reitz

"You and the Night and the Music" steht am Anfang eines "traumhaft" schönen Konzertabends: Musik, die in unserer lauten und hektischen Welt wie Balsam für die Seele wirkt. Die Komposition von Arthur Schwartz stammt eigentlich aus der Broadway-Show "Revenge with Music" aus dem Jahre 1934, hat sich aber in der Reihe der zeitlosen Standards etabliert, interpretiert von Meistern wie Bill Evans, Keith Jarrett, Chet Baker und unzähligen anderen. Die Melodie windet sich in die Gehörgänge und lässt sich so schnell nicht wieder vertreiben.

Aus einem Guss


Drei Musiker-Generationen sind auf der Bühne, trotzdem wirkt ihre Musik wie aus einem Guss, man versteht sich mit "traumwandlerischer" Sicherheit, reagiert aufeinander, niemand drängt sich in den Vordergrund.

Da sitzt mit Bob Degen eine Schlüsselfigur der Frankfurter Szene am Flügel. Geboren 1944 in Scranton/Pennsylvania und von 1973 bis 1999 Mitglied im Jazzensemble des Hessischen Rundfunks, schrieb er vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Albert Mangelsdorff und Heinz Sauer Jazz-Geschichte. Unter seinen Fingern entstehen aus spartanisch notierten Melodie-Skizzen und Akkordfolgen spontane Meisterwerke, eine Kunst, die alle großen Jazzmusiker auszeichnet. In all den Jahren hat Bob Degen die unterschiedlichsten Einflüsse aufgesogen und verarbeitet, seine Klangpalette reicht vom Swing über Bebop bis zur zeitgenössischen Konzertmusik, und all das fließt in seine Spielweise ein. Er besinnt sich auf das Wesentliche und verzichtet auf Schnörkel und überflüssiges Beiwerk oder billige Show-Effekte.

Initiator des Projekts ist Sven Faller, der die Idee zum "nächtlichen" Musizieren hatte und auch die meisten Kompositionen beisteuert. Sein samtweicher Klang auf dem Kontrabass sorgt für Harmonie und Wohlklang. Faller ist ein Klangästhet, für den Virtuosität nur dem Gesamtkonzept dient. Da werden Stimmungen aufgebaut, gelegentlich wird der Klang durch elektronische Hilfsmittel verfremdet oder variiert, all das aber sehr dezent und bewusst.

Manchmal dient der Korpus als Perkussionsinstrument, es gibt interessante Vorspiele oder Überleitungen und gelegentlich übernimmt der Bass auch die Melodie, während Bob Degen gefühlvoll begleitet oder spontane Einwürfe beisteuert. Bei Sonny Rollins Komposition "Oleo" übernehmen Bass und Klavier das Thema unisono.

Die Überraschung des Abends ist Mareike Wiening, die eigentlich "nur" den regulären Schlagzeuger Guido May vertritt. Sie ist mit 29 Jahren die Jüngste im Bunde und lebt zurzeit in New York. Dezent im Hintergrund, trotzdem spannungsgeladen und äußerst musikalisch, durchsichtig und luftig ist ihre Spielweise. Sie bearbeitet Trommeln und Becken mit Stöcken und Besen, aber auch mit den Händen. Ihr großartiges Solo zu "Night on Earth" weckt Erinnerungen an Joe Morellos wegweisendes Solo bei Dave Brubecks "Take Five", ein Musterstück für Steigerung und musikalische Umsetzung einer Melodie mit Trommeln und Becken.

Für Genießer


Inhalte, die in der Musik nachwirken. Musik und Texte verzahnen sich, die Instrumente stehen im direkten Dialog, eingefahrene Grenzen zwischen Solist und Begleiter werden aufgelöst. Jedes Stück wirkt einmalig und endgültig: Musik, die ausschließlich Selbstzweck ist - Musik als Gegenpol zum Alltagsstress - Musik für Genießer!
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