Kriminelles Genie

Zum ersten Mal fasst eine Edition das Song-Schaffen Leadbellys, dem Mann mit der zwölfsaitigen Stella-Gitarre und dem markanten Bluesgesang, zusammen. Bild: Smithsonian Folksways

"Please, Governor Neff, be good and kind - Have mercy on my great, long time" - mit diesem Song soll Leadbelly (amerikanische Schreibweise Lead Belly) seine vorzeitige Haft-Entlassung erreicht haben. Ein prächtiger Bildband mit fünf CDs erinnert an den großen Pionier der amerikanischen Folkmusik.

Huddie Ledbetter, besser bekannt unter seinem Spitznamen "Leadbelly", wurde 1888 in Louisiana geboren. Mit sieben Jahren bekam er von seinem Onkel eine "Windjammer"-Knopfharmonika geschenkt, später kamen noch Gitarre, Mundharmonika, Klavier, Akkordeon, Mandoline und Hawaii-Gitarre hinzu. Zur Legende aber wurde er als "King of the 12-string guitar" und als phänomenales Musikgenie mit enormem Gedächtnis. Mehr als 500 Lieder hatte er im Repertoire.

Zahlreiche Ohrwürmer

Er gilt als Schöpfer einiger bekannter Ohrwürmer, die immer wieder von den unterschiedlichsten Interpreten populär gemacht wurden: "Rock Island Line" durch Lonnie Donegan und Johnny Cash, "Cotton Fields" oder "Midnight Special" vom Creedence Clearwater Revival, "House of the Rising Sun" von den Animals, "Black Girl" von Nirvana, "Gallows Pole" von Led Zeppelin und "The Bourgeois Blues" von Rory Gallagher. Harry Belafonte, Janis Joplin, Eric Clapton, und Ry Cooder gehörten ebenfalls zu seinen Bewunderern und Van Morrison gesteht: "The first time I heard Leadbelly, that was it for me, he opened the door."

Und George Harrison bringt es auf den Nenner: "Ohne Leadbelly kein Lonnie Donegan und ohne Lonnie Donegan keine Beatles." Leadbellys Erkennungsnummer, "Goodnight, Irene" gehört zum Tafelsilber des Folk-Revivals in den 60er Jahren. Erste musikalische Lektionen bekam Leadbelly von Blind Lemon Jefferson, der in den 20er Jahren ein Star auf dem sogenannten "Race"-Schallplattenmarkt war. Mit 29 Jahren kam der streitsüchtige und unberechenbare Musiker zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt und wurde zu 10 Jahren Arbeitslager verurteilt. Nach einer abenteuerlichen Flucht folgten zwei weitere Zuchthausaufenthalte wegen Mord und Körperverletzung - ein Lebenslauf, der 1976 auch Stoff für einen Spielfilm lieferte. Im Knast kam er auch zu seinem Spitznamen "Leadbelly" (Bleibauch) - wegen seiner außergewöhnlichen Kraft und Ausdauer bei der harten Feldarbeit.

Entdeckt wurde Leadbelly 1933 von John A. Lomax, der ihn im berüchtigten "Angola"-Gefängnis vors Mikrofon bekam und dabei den Song "Please pardon me", gerichtet an den Gouverneur von Louisiana, aufzeichnete. Der Legende nach sollte diese Aufnahme zur vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis führen. Lomax führte Leadbelly auch in die New Yorker Musikszene ein und machte zahlreiche Aufnahmen für das Library of Congress-Archiv. Das große Geschäft mit seiner Musik allerdings blieb Leadbelly sein ganzes Leben versagt.

Finanzieller Rückhalt

Wegen einer Messerstecherei kam Leadbelly 1939 erneut ins Gefängnis, nach seiner Entlassung boomte die Folk-Szene, es kam zu einer Freundschaft mit dem damals noch unbekannten Woody Guthrie, und das Folkways-Label sorgte für einen finanziellen Rückhalt. 1949 machte er als erster authentischer Blues-Sänger eine kurze Tournee nach Frankreich und starb am 6. Dezember 1949 in New York. Nach seinem Tod organisierte Pete Seeger ein Memorialkonzert in New York und verbuchte mit seiner Gruppe "The Weavers" und einer Cover-Version von "Goodnight, Irene" einen Riesen-Hit.
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