Kursangebot "Kinder im Blick": So können Eltern sich richtig trennen
Trennung ist kein Kinderspiel

Die Trennung wird im Kurs nicht aufgearbeitet. Es geht um die Zukunft. Es geht ums Kind.

Die Eltern trennen sich - und für die Kinder ist nichts mehr, wie es war. Doch wie schaffen es Mama und Papa trotzdem, gute Eltern zu bleiben? Ein Kurs für Ex-Partner soll dabei helfen.

"Kinder im Blick" heißt der Kurs für Eltern, die sich getrennt haben. Entwickelt haben ihn die Ludwig-Maximilians-Universität und der Familien-Notruf in München. Am Dienstag, 10. März, startet er unter Leitung von Gunter Hannig und Edith Urban, beide Diplom-Psychologen, in der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle Weiden/Neustadt am Josef-Witt-Platz.

Welches Ex-Paar hat in dieser Krisenzeit Muße, einen solchen Kurs zu besuchen?

Edith Urban: Keines. Wenn die Trennung akut ist, ist man nicht offen für solch einen Kurs. Die negativen Gefühle, die Kränkungen, überwiegen.

Gunter Hannig: Auch Jahre später kann der Trennungschmerz noch sehr intensiv sein. Oft wollen Eltern sich nur noch aus dem Weg gehen, nicht miteinander reden. Man will nicht erinnert werden. Sobald Kinder da sind, ist das aber keine Lösung.

Warum?

Hannig: Eine Trennung ist grundsätzlich eine Krisensituation - vor allem fürs Kind. Das ist unvermeidbar. Was der Nachwuchs dann vor allem braucht, ist Sicherheit. Sicherheit, dass Eltern gemeinschaftlich Verantwortung übernehmen. Um diese Sicherheit zu vermitteln, muss das Kind in den Fokus rücken.

Wie kann der Kurs hier helfen? Was lernen die Teilnehmer?

Edith Urban: Zuerst einmal lernen die Ex-Partner nicht gemeinsam. Ein ehemaliges Paar kann den Kurs getrennt voneinander besuchen. Deshalb gibt es das Kursangebot parallel in Tirschenreuth und Schwandorf.

Hannig: Zuerst muss man hier wie da schauen, dass die Eltern wieder miteinander reden können.

Wie gelingt das?

Viel lernen die Teilnehmer, wenn andere Eltern von ihren Kommunikationsproblemen erzählen, von der Gefühls-Achterbahn. Einer hat ein Anliegen, der andere reagiert unangemessen und so weiter. Es entsteht eine ungute Kommunikationsschleife. Sie zu unterbrechen, ist wichtig - und möglich.

Aber wie?

Edith Urban: Man drückt den inneren Pausenknopf.

Wie findet ein emotional aufgewühlter Mensch diesen Knopf?

Urban: Das üben wir in Rollenspielen. Schnell kriegen die Leute hier ein Gefühl, wie es dem anderen in einer gewissen Situation geht. Und sie nehmen diese Empfindungen auch an. Denn es ist ein Fremder, der sie sendet. Kein Beziehungsballast überschattet die Emotionen.

Apropos Beziehungsballast. Der Kurs findet zum dritten Mal statt. Angeboten wurde er häufiger. Warum wurde das Angebot nicht immer angenommen?

Hannig: Es ist paradox: Einerseits trennen sich immer mehr Menschen. Allein 56,2 Prozent der in unserer Beratungsstelle betreuten jungen Menschen haben eine Trennung der Eltern erlebt. Andererseits reden immer weniger darüber. Trennung ist und bleibt ein Tabuthema.

Nicht in diesem Kurs, oder?

Hannig: Die Trennung wird hier nicht aufgearbeitet. Es geht um die Zukunft. Es geht ums Kind. Nur ein Tabu gibt es im Kurs: Nichts von all den privaten Sachen dringt nach außen. Jeder unterliegt einer Schweigepflicht.
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