"Lasst uns glücklich sein"

Schwungvoll absolvierte die Tanzgruppe "Lev schel Adama" (Das Herz der Erde) ihre Auftritte. Bilder: Kempf (3)

Weniger ernst und getragen als beschwingt und fröhlich feierte die Jüdische Gemeinde Weiden das 125-jährige Bestehen ihrer Synagoge. Mit einigen bemerkenswerten Gästen und Programmpunkten.

Weiden. (ske) In der Festveranstaltung zum 125. Geburtstag der Weidener Synagoge standen nicht etwa Reminiszenzen oder politisch-historische Absichtserklärungen im Vordergrund, sondern die gelebte Kultur und Gemeinschaft der heute in Weiden lebenden Mitglieder der Jüdischen Gemeinde. Gemeindemitglieder und auch die nicht-jüdische Bevölkerung Weidens waren ins Maria-Seltmann-Haus eingeladen worden, um gemeinsam den Synagogen-Geburtstag zu feiern.

Eine fröhliche und stimmungsvolle Feier mit viel Symbolgehalt und Schwung erwartete die Gäste. Musik, Tanz und die Moderation von Choreografin Svetlana Joffe begeisterten das Publikum vom ersten Ton an.

Es war schon eine außergewöhnliche Veranstaltung, die einige bemerkenswerte Menschen und Ereignisse vereinte. Ganz vorne im Publikum saß die fast 90-jährige Henny Brenner, Witwe des vor 11 Jahren verstorbenen, langjährigen und vielen unvergessenen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Weiden, Hermann Brenner. Sie verkörpert bis heute die Generation der Juden in Weiden, die die Gemeinde nach der Shoa neu aufbauten, das Judentum in Weiden nicht Vergangenheit werden ließen.

Henny Brenner saß inmitten der "Neumitglieder", die ab dem Beginn der 90er Jahre als "Kontingentflüchtlinge" die GUS-Staaten verlassen durften und in Weiden ansässig wurden. Sie sind es, die heute das jüdische Leben in Weiden prägen, die Synagoge mit Leben füllen. Es ist eine lebendige Gemeinde. Mitglieder jeden Alters, Senioren wie Kinder, waren bei der Feier aktiv. Sie zeigten, dass sie sich mit der jüdischen Kultur auseinander setzen, Gebräuche und Religion pflegen, sich mit Tradition und Zukunft befassen.

Lebendiges Kulturgut

Die Beteiligten zeigten aber auch ein modernes, lebendiges jüdisches Kulturgut, das nicht nur Tradiertes pflegt und präsentiert, sondern dies mit neuen Ideen verknüpft. So präsentierten Ina und Eugen Lerner als "Duo Feigele" neben traditionellen jiddischen und hebräischen Liedern auch den weltweit bekannten Titel von Gary Moore "Still got the Blues", unterlegten ihn mit dem Text "Ich hob dich zu fiel lieb" in jiddischer Sprache.

Aber auch Klassiker wie "Osse Shalom", "Bei mir bist du scheijn", "Jeruschalajim" oder "Hawa Nagila" rissen die Zuhörer mit. Mitwirkende waren auch das Duo Dubrovina-Feldman, die Tanzgruppe "Das Herz der Erde" und die Gruppe "Jiddische Neschume".

Nach der Pause erhielten die Gastgeber zwei Geschenke der besonderen Art: Zuerst "schenkten" das Gesangs-Ensemble der Franz-Grothe-Schule unter der Leitung von Veneta Radoeva und Franz Nestler sowie die Tanzgruppe "Stomping Feetz" unter Leitung von Marijana Heisig den Zuhörern Auszüge aus dem Musical "Anatevka". Zum Schluss überraschten die Aussiedler in Weiden mit einem Auftritt der Tanzgruppe "Kalinka" als besonderes Jubiläumsgeschenk.
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