Leo Betzl Trio beim Jazz-Zirkel
Swing contra Techno

Auf der Suche nach dem eigenen Sound: Das Leo Betzl Trio machte beim Jazz-Zirkel den Auftakt zum "Weidener Jazzherbst". In den kommenden Wochen ist es innerhalb einer ausgedehnten Tournee in zahlreichen bayerischen Jazz-Clubs zu hören. Bild: Reitz

Klaviertrios gibt es wie Sand am Meer, Pianisten haben Hochkonjunktur. Vom hoch virtuosen Tastenakrobaten bis zum minimalistischen Neutöner reicht das Spektrum, vom lässig dahin swingenden Traditionalisten bis zum abgehobenen Narzissten oder zum ekstatischen Freigeist.

Das Leo Betzl Trio hat von allen etwas. Seine Musik lässt sich nicht festlegen oder in eine Schublade pressen, die Einflüsse des Esbjörn Svensson Trios allerdings sind unverkennbar. Leo Betzl (Klavier), Maximilian Hirning (Kontrabass) und Sebastian Wolfgruber (Schlagzeug) agieren trotz ihres jungen Alters auf einer höchst professionellen Stufe. Sie sind seit drei Jahren zusammen und bestens aufeinander eingespielt.

Eigenwillig arrangiert


Pausen, Tempowechsel, Abstufungen in der Lautstärke gelingen präzise und wirken trotzdem leicht und beschwingt. Jeder der Drei kann ein Musikstudium vorweisen und beherrscht sein Instrument meisterhaft. Gemeinsam versucht man, sich musikalisch von der Konkurrenz abzuheben. Das gelingt vor allem durch die eigenwilligen Arrangements und eigene Kompositionen.

Am Anfang steht "Caravan" , ein viel gespieltes Werk aus der Feder von Duke Ellington. Aber schon hier wird sichtbar, dass die Vorlage nicht einfach nachgespielt wird: Hier gibt es ungewohnte Riffs und Pausen, harte Trommelschläge schrecken auf, dann wieder filigrane Arbeit mit Besen und Becken.

Dynamik wird bei diesem Trio groß geschrieben. Extrem leise Passagen stehen neben ohrenbetäubenden Schlägen, virtuose Klangkaskaden wechseln mit nervtötenden minimalistischen Repetitionen und immer wieder schleicht sich der monotone Beat der Technomusik in die Arrangements. Was anfangs eher wie ein ironischer Seitenhieb auf eine einfallslose und stupide Musikkultur wirkt, wird im Verlauf des Abends zunehmend zur Plage. Immer wieder mischt sich der stampfende Beat der Basstrommel zwischen jazzige Phrasen und eine swingende Auffassung von Rhythmus und verschreckt so manchen "alten" Jazzfan. Der freut sich, wenn mit "What Is This Thing Called Love" mal wieder ein echter Standard mit gut nachvollziehbarer Melodie auftaucht, auch wenn er hier mit Zutaten aus dem Rock-Metier aufbereitet wird.

Bei "Levitation", dem Titelstück der neuen CD, kommt auch ein Synthesizer zum Einsatz, doch dieser wirkt eher wie ein Versatzstück aus dem Jazz-Rock-Museum. Bei den Eigenkompositionen hat man den Eindruck, dass in erster Linie Wert auf abwechslungsreiche Arrangements und dynamische Prozesse gelegt wird, Melodien oder Themen spielen eine untergeordnete Rolle.

Ruhiger Schlusspunkt


Als Zugabe gibt es noch einen Ohrwurm aus dem Standardrepertoire: "Poinciana" das vor allem durch Ahmad Jamal und Keith Jarrett in den modernen Jazz transformiert wurde und im Leo Betzl Trio einen ruhigen und luftigen Schlusspunkt setzt. Drei junge Musiker ganz am Anfang ihrer Karriere, man darf gespannt sein in welcher Richtung sich das Ganze entwickelt!
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