"Lieber Blechschäden als Hörschäden"

Der Hornist und Dirigent Radek Baborák kommt am Freitag zusammen mit dem Georgischen Kammerorchester nach Weiden. Bild: Lucie Cermáková

Kinderkonzert in Prag: Der Nachwuchs versucht sich am Instrument. Es fällt zu Boden - Für Geiger ein Schreckensszenario, für Hornist Radek Baborák kaum der Aufregung wert.

"Lieber Blechschaden als Hörschaden", so sein augenzwinkernder Kommentar zum Vorfall in Prag. Eine Reaktion, die viel aussagt über einen Musiker, der weltweit als einer der besten Hornisten gilt, jedoch im Rummel um Instrumente, Wettbewerbe oder Originalklang eine angenehm entspannte Haltung zeigt. Dazu passt auch, dass Radek Baborák vor vier Jahren den Berliner Philharmonikern einen Korb gegeben hat. Acht Jahre lang war er dort gefeierter Solohornist, doch seine Freiheit war ihm wichtiger.

Heute ist er solistisch unterwegs, macht Kammermusik und hat angefangen zu dirigieren. Am Freitag, 23. Oktober (20 Uhr), ist er zusammen mit dem Georgischen Kammerorchester bei den Weidener Meisterkonzerten in der Max-Reger-Halle zu Gast. Die Kulturredaktion führte ein Gespräch mit dem Künstler.

Herr Baborák, vor vier Jahren kündigten Sie Ihre Stelle bei den Berliner Philharmonikern. Die Frage wurde Ihnen sicherlich schon oft gestellt: Solohornist in einem der besten Orchester der Welt, wie kann man einen solchen "Traumjob" aufgeben?

Radek Baborák: Ich hatte so viele andere musikalische Träume, die man während einer Orchestertätigkeit einfach nicht realisieren kann.

Welche Träume waren das?

Baborák: Kammermusik, dirigieren. Und auch meine Solistenkarriere aufgeben, das war damals keine leichte Entscheidung. Auf meine Zeit als Solohornist bei den Berliner Philharmonikern bin ich natürlich sehr stolz, das war eine tolle Erfahrung. Aber es ist wohl so, dass ich kein Herdenmensch bin, sondern ein Individualist.

Wie frei waren Sie zu Beginn Ihrer Karriere? Sie waren mit 18 Jahren bereits erster Hornist in Prag.

Baborák: Ich war so frei wie viele meiner Freunde nach der politischen Wende. Ohne Geld, aber energievoll und selbstbewusst. Wir haben sehr früh begonnen, in verschiedenen Orchestern zu arbeiten. Das war zwar gut und interessant, aber auch sehr stressig. Wir waren eigentlich zu jung dafür.

Wie haben Sie Ihre ersten Wettbewerbsauftritte in Erinnerung?

Baborák: Das ist Gott sei Dank schon sehr lange her. Ich bin der Meinung, dass Wettbewerbe große Schäden anrichten. Das mag klischeehaft klingen, aber ich bin davon überzeugt: Wettbewerbe haben mit Musik nichts zu tun. Der Spruch, es sei besser, einen Wettbewerb zu gewinnen als zu verlieren - klingt das nicht schrecklich?

In Weiden werden wir Sie auch am Dirigentenpult erleben. Wie wohl fühlen Sie sich da?

Baborák: Ich fühle mich da ganz wohl und auch mit den Musikerkollegen gibt es keinen Stress. Ich bin ja einer von ihnen und sie wissen, dass ich ein bisschen Ahnung habe vom Orchesterspielen und vom Leben. Das ist sehr hilfreich.

Zuvor hören wir Sie als Hornist mit Werken von Mozart. Welches Instrument werden Sie spielen? Reizt Sie der Griff zum Naturhorn?

Baborák: Ich werde mein "modernes" Instrument spielen. Ich mag zwar Naturklänge, aber wenn, dann richtig jagdmäßig. Im Übrigen kann man auf den heutigen Hörnern alle möglichen Klänge imitieren.

Sie haben zusammen mit einem deutschen Instrumentenbauer Ihre eigene Horn-Serie entwickelt. Was zeichnet ein echtes Baborák-Horn aus?

Baborák: Ich bin bei der Finalisierung dabei, das heißt, ich spiele jedes Horn, konfiguriere das Mundrohr und den Schalltrichter und wähle das Passende aus. Kurz und gut, die Baborák-Hörner sind von mir geprüft und das sollte eine gewisse Garantie sein.

Bei einem Kinderkonzert in Prag ist Ihr Horn zu Boden gefallen. Was war Ihre Reaktion?

Baborák: Es gibt immer einige Blechschäden, wenn man mit dem Horn unterwegs ist oder wenn man Kinderkonzerte gibt. Aber fast alles kann man reparieren. Viel wichtiger ist es, mit dem Horn keine Hörschäden zu verursachen.

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