Liedermacher Manfred Maurenbrecher
„Ich bin mein eigener Mikrokosmos“

Einer der renommiertesten deutschen Liedermacher kommt nach Weiden: Am 24. November gastiert Manfred Maurenbrecher bei "Klein & Kunst". Bild: Christian Biadacz / 28IF Musikpromotion)

Er hat eine Stimme wie jemand, der, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, gerade aufgestanden ist: grummelnd, knarzend, knurrend. Wenn man sich daran gewöhnt hat, möchte man diese Stimme nicht mehr missen in seinem Leben. Sie gehört Manfred Maurenbrecher, 66 Jahre alt und "Berliner mit Leib und Seele".

Berlin/Weiden. Der Mann mit dem sperrigen Namen und dem sperrigen Liedgut im Repertoire ist der vermutlich unterschätzteste Liedermacher - was sag' ich: Poet! - deutscher Zunge. In den 80er Jahren glaubte das auch die große Major-Firma CBS, eines der einflussreichsten Plattenlabels der Welt. Sie nahm Maurenbrecher unter Vertrag und ließ ihn das machen, was er so gut kann: sperriges Liedgut eben, gemurmelt in tiefem Bass, den manch einer auch Blues nennt - originell, einzigartig, abenteuerlich. Keine Besserwisser-Lyrik wie bei Kunze, kein sentimental-verklärter Schmonz wie bei Grönemeyer, kein Underdog-Kalkül wie bei Westernhagen. Da war einfach nur ein dicklicher Mann, der das Leben genießt und spannende Geschichten aus der Nachbarschaft erzählt.

Ungewöhnlicher Kerl


So verwunderte es nicht, dass das Label lediglich drei Alben mit diesem ungewöhnlichen Kerl machte und kaum etwas davon verkaufte - Maurenbrechers beinahe mürrisches und dennoch berührendes Organ ist nicht geeignet für schläfrig-machende Radiostationen, seine Texte erzählen nicht von Liebe und Triebe (oder irgendwie doch ...), zumindest nicht in der allgemein angesagten, naiv-provokanten Art. Manfred Maurenbrecher leuchtet vielmehr mit jedem neuen Song ganz tief in seine Seele hinein - und holt dann mühselig das beste davon heraus, nicht selten anstrengend für den Hörer.

Auch nachdem der Vertrag gekündigt wurde, machte Maurenbrecher all die vielen Jahre hindurch mit seinem ureigenen Zeug unbeirrt weiter, die Stimme klang immer noch wüster und die Labels, auf denen er veröffentlichte, wurden immer noch kleiner. "Doch von meinem Scheiß", sagt Maurenbrecher und lacht kehlig, "kann ich ordentlich leben. Sogar eine Frau und ein Kind bringe ich damit durch."

Neue CD "Rotes Tuch"


Und weil das so ist, hat der Mann mit dem Herzen so groß wie ein Güterbahnhof einmal mehr im vergangenen Jahr eine neue grandiose CD aufgenommen, "Rotes Tuch". Außerdem ist er ab sofort wieder auf ausgiebiger Tour quer durch die Republik, was ihm hoffentlich jede Menge neue Fans verschaffen wird. "Na ja", raunzt der Mann, "ich muss Geld verdienen, ich brauche die Kohle. Muss schließlich essen", lacht er und klopft sich dabei auf den drallen Bauch.

Manfred Maurenbrecher ist so was wie der Tom Waits oder Bob Dylan in deutscher Zunge - kein Wunder, dass er die Texte der Originale immer wieder gerne in die eigene Sprache überträgt. "Die beiden Jungs sind begnadete Geschichtenerzähler", schwärmt er, "und ich hoffe, der bin ich auch. Natürlich ist die Musik bei meiner Arbeit wichtig. Doch die Verse sind es unbedingt in gleichem Maße. Na ja, ansonsten bin ich ein Mikrokosmos, der sich um sich selbst dreht. Zwar gibt und gab es tolle Bands wie Tocotronic oder Blumfeld, die ich vom Anspruch her schätze. Doch der Sound von mir ist dann doch anders, wesentlich komplizierter. Ich bin nun mal kein einfacher Mensch. Deshalb kann ich auch keine einfache Musik machen."

Verhaltener Optimist


Ansonsten hat Maurenbrecher keinerlei Ahnung, ob er "Optimist oder Melancholiker" sei, zuckt er mit den Schultern: "Wahrscheinlich bin ich meist verhaltener Optimist und nur manchmal Melancholiker, der allerdings nie einen Außenstehenden mit seiner Arbeit runter zieht - hoffe ich zumindest", fügt er hinzu. "Am liebsten ist es mir, wenn ich mit der Musik ganz ins Jetzt eintauche, wenn ich albern und ausgelassen und einfach nur ich selbst sein darf. Dann ist für mich der Zustand des Paradieses auf Erden erreicht."

Überhaupt, Paradies - Maurenbrecher gibt gerne zu, dass er sich von Kunst "etwas Positives, vielleicht sogar Erlösung" wünscht. Und ergänzt: "Ich schreibe seit etlichen Jahren längere Texte, obwohl mir das schwer fällt. Denn eigentlich bin ich der König des deutschen Pop-Lieds, mir reichen vier Minuten, um alles auszudrücken, was mir auf dem Herzen liegt. Doch wie auch immer, ich verfasse eher nebenher Bücher, das ist eine Frage des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten. Und eines weiß ich ganz genau: Jedes Buch, das ich in Zukunft verfasse, wird ein Happy End bekommen, wie alle meine Bücher bislang. Das Leben ist schließlich unglücklich genug. Dem müssen wenigstens wir Künstler etwas Tröstliches entgegensetzen."

Manfred Maurenbrecher gastiert mit seinem Programm "Rotes Tuch" am Donnerstag, 24. November (20 Uhr), in der Kleinkunstbühne "Klein & Kunst" in der Weidener Max-Reger-Halle (Untergeschoss).

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und www.nt-ticktet.de sowie an der Abendkasse.
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