Lions Clubs Weiden: Chris Boettcher beim Benefiz-Maibock-Anstich
Promitreffen mit Bockfotzn

Erst ließ Chris Boettcher lokale Spitzen gegen Weiden los, dann holte er sich einen Lokalmatador auf die Bühne. Rüdiger Eisenhauer ist der Gittarist auf vielen seiner Studioaufnahmen. Bilder: gag (2)

Wie geht das denn? 20 Promis, von Angela Merkl über Udo Lindenberg bis Franz Beckenbauer treffen sich, und doch steht nur ein Mann auf der Bühne. Der aber heißt Chris Boettcher und er hat sie alle drauf: Beim Benefiz-Maibock-Anstich des Lions Clubs Weiden. Und das Publikum tobt vor Begeisterung.

Ein gutes Händchen bewies German Schieder, der "wuide Hund", wie Chris Boettcher ihn nannte, mit der Verpflichtung dieses Allroundkünstlers. Und damit bewies auch der Lions Club Weiden, dass Benefiz und Spenden großen Spaß machen können, denn der Erlös aus dem Kartenverkauf und dem Getränkeumsatz kommt der ambulanten Kinderhospizarbeit Weiden-Neustadt zugute.

"S'Beste" hatte Boettcher mitgebracht, zusammen mit einer ganzen Riege an bekannten Politikern und Promis. Nein, nicht live: Mit unglaublicher Wandlungsfähigkeit in Gestik, Mimik und der Stimme ließ der Komödiant und Kabarettist alle auf der Bühne der Mehrzweckhalle Weiden antanzen. Und die Brüller waren sofort da, als er mit verkniffenem Gesicht "Ich bin - der Olli, von Beruf - Titan. Und leide unter den unsagbaren - Druck" wobei sich das Wort "Druck" nochmals extra gedrückt und leise aus Boettchers Mund drückte, auf dass die Lacher sich nochmals steigerten.

"Weiden-Lied" gedichtet

Die hatte er schon auf seiner Seite, als er, ganz Profi, gleich zu Beginn lokale Spitzen losließ. "Heute ist 70 Jahre Kriegsende. Aber wenn man durch Weiden geht, muss man feststellen, so viel hat sich seither nicht getan", spottete er über die vielen Abrissarbeiten. Sogar ein extra Weiden-Lied hatte er gedichtet: "Weiden - yeah - Weiden - wow - Weiden braucht koan Boulevard, des Dänner-Eck genügt doch aa!" Spott bekamen auch die marode Bundeswehrausstattung, IKEA-Kunden ("..dann bist Du jenseits von Schweden" im Stil von Nino de Angelo) oder die "eitlen Blädl" ab, die im Hochsommer mit der Wollmütze herumlaufen und sich "megacool" finden.

Ja, er hats drauf, die speziellen Erkennungsmerkmale eines jeden seiner parodierten Promis mit auszudrücken, dass kein Zweifel mehr besteht, wer gemeint ist. Bumm-Bumm-Boris, Horst und Edmund, Udo Lindenberg oder Howard Carpendale: Wer mitzählte konnte etwa zwanzig verschiedene Personen herausfinden.

Erotisches Ah

Bei einem Casting mit Dieter Bohlen, genannt "DSDEES" (Deutschland sucht den Ex-Sport-Superstar) versuchten Boris Becker, der "Bundes-Jogi", der "Kaiser", Loddar Maddäus, Olli Kahn und Michael Ballack, sich gegenseitig zu übertrumpfen, was natürlich nicht gelang. "Loddar und Franz" durften nicht fehlen, jeder der Ex-Sportler durfte etwas singen, und das Publikum den Refrain dazu. Etwa "Boris in love - uh - ah!", wobei die Männer "Uh"! und die Frauen ein erotisches "Ah" beitragen sollten. "Zehn kleine Fußballspieler" im islamischen Land dezimierten sich aufgrund nicht-islam-konformer Gepflogenheiten, und "Mandy und Chantal" tauschten Gedanken im Greizer Fitnessstudio. Köstlich parodierte Boettcher auch die Ladehemmung bei Edmund - ääh - Stoibers - ääh- Redebeiträgen zusammen mit "unserem Horst", beide als "erste Bayerische Boyband, die Wildbad Kreuther Herzbuam". E sfolgten eine Mann-Frau-Beziehungstherapie, bei der das Publikum abwechselnd "ich will!" rufen durfte, wenn etwa der Mann verspricht immer Blumen mitzubringen, und ein Abgesang auf die Pubertät, "Mit sieben bringstas no zum Schlittschuhlaufen, mit 15 holstas ab vom Komasaufen" sorgten für höchstes Vergnügen und Lachsalven.

"Rüdi" auf der Bühne

Mit seinen lustigen Wortspielereien ist Boettcher Meister seines Faches. Passend zum Anlass Muttertag, sang er Udo Lindenbergs Lied "Mama", mit Original-Udo-Schnute und gepresster Stimme. Eine "Bockfotzn" bot er vielen Gesichtern an, die das verdient hätten, von Tebartz van Elst über den Bankmanager Ackermann bis zu manchem Politiker. Bei "a Bockfotzn schadet mir nicht" klatschten die Zuschauer laut und genussvoll in die Hände. Zu "I hob an Burn-out" sprang der Weidener Gitarrist Rüdiger Eisenhauer auf die Bühne und begleitete Boettcher auf der E-Gitarre. Dabei erfuhr man, dass Chris Boettcher sehr viele Stücke mit "Rüdi" aufgenommen hatte. Und dass "Rüdi" mit German Schieder vom Lions Club zur Schule gegangen ist, womit sich der Kreis schloss.

Mit frenetischem Applaus erzwangen sich die Zuschauer noch zwei Zugaben. Eine handelte von Sex im Alter "Justav rutsch mal rüber", bei der zweiten sangen nochmals alle seine parodierten Figuren ein Abschiedslied, auch Angie Merkel, Heino, Schwarzenegger oder der nuschelnde "Howie". Als Extra-Zuckerl sang Boettcher noch, unter Begleitung durch die Weidener Stadtkapelle, sein bekanntes "10 Meter gehn'", und der Saal sang begeistert mit.

Den Auftakt hatte die Weidener Stadtkapelle gemacht, bevor Lions-Präsident Hans-Peter Lang Gäste und Ehrengäste begrüßte und mit "Showtime!" zum Live-Programm überleitete. Vorher gab noch Falk Knies, Präsident der "Malteser", einen kurzen Überblick, wofür die Gelder der Benefizveranstaltung 2014, der Starkbieranstich mit Wolfgang Krebs und den Bayerischen Löwen, verwendet wurden. Der Ambulante Hospizdienst unter dem Dach der Malteser bedankte sich für die großzügigen Spenden. Knies lobte die Lions Weiden als "ungewöhnlichen Service-Club, der selbst Hand anlegt, um zu helfen".

Boettcher ein Malteser

"Es konnte kein besserer Stargast für 2015 verpflichtet werden als Chris Boettcher, der Sohn eines Brauers und selber Malteser ist" leitete Lang zurück zum Programm, und davon konnten sich auch die Gäste in der ausverkauften Mehrzweckhalle überzeugen.
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