Loblieder auf Weidens großen Sohn
Festakt zu Max Regers 100. Todestag

Begleitet von Elitza Desseva am Piano sang Anika Ram im Alten Rathaus Lieder von Mahler und Strauß. Ruhmreiche Namen, mit denen Max Reger in einem Atemzug genannt werden sollte. Das tun aber viel zu wenige. Der 100. Todestag sollte Ansporn sein, dies zu ändern, machten die Festredner Petra Vorsatz und Jens Meyer deutlich. Bild: Götz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
11.05.2016
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Der Meister selbst blickte streng von einer Büste in den Saal des Alten Rathauses. Dabei hätte er keinen Grund, Trübsal zu blasen. Genau 100 Jahre nach seinem Tod ist er in seiner Heimatstadt in bester Erinnerung. Sie verneigte sich am Mittwoch sogar "mit himmlischer Freud" vor ihm.

Auch wenn er in Leipzig, München, Jena, Weimar, Meiningen, Karlsruhe, ach, eigentlich in der gesamten Musikwelt die eine oder andere Spur hinterlassen hat: Max Reger bleibt unser. Schließlich war er nur hier ein "Weidener Lausbub", wie Bürgermeister Jens Meyer seine Kindheit beim Festakt zum Todestag zusammenfasste.

Der hochbegabte "Häuptling Springender Hirsch" mischte mit seinen Indianerfreunden aus der Nachbarschaft die Altstadt auf. Die Bande aus der Oberen Bachgasse und ihren Seitensträßchen war am Schanzl und am Aichinger-Weiher auf dem Kriegspfad. Das Schanzl trägt heute den Namen des Häuptlings: Max-Reger-Park. Den Aichinger-Weiher gibt es längst nicht mehr. Er war am alten Volksfestplatz an der Leuchtenberger Straße Reger-Reservat.

Treibauf und Wunderkind


Meyers Exkurs ließ Lehrer, Stadträte, Vereinsvertreter und Kulturschaffende im Saal erahnen, dass das extrovertierte Wunderkind eine faszinierende Person gewesen sein muss. Einer, der fast unbezwingbar anspruchsvolle Orgelwerke schuf, aber seinen Musiklehrer Adalbert Lindner schon mal mit seiner - da passt nur ein Wort, das Reger nicht kannte - Coolness verblüffte: 1887, vor seinem allerersten öffentlichen Auftritt im Gasthaus "Zur Eisenbahn", wo heute eine Bahnhofstraßen-Spielhalle thront, hatte er null Lampenfieber, bat seinen Lehrer aber darum, erstmal in aller Ruhe ein paar Würsteln zu essen.

Selbst im Tod war er noch ein eigensinniger Kopf, berichtete Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz. Der Workaholic, der nach zwei Schwächeanfällen wohl spürte, dass er kein langes Leben genießen würde, verfügte eine Feuerbestattung. Anno 1916 fast ein ketzerisches Unterfangen.

Dieses rastlose Leben voller Kompositionen und Konzerte ist im Raubbau am eigenen Körper vergleichbar mit dem eines Rock'n'Rollers. Es endete mit 43 Jahren. "Im Komponistenhimmel muss er in der obersten Etage zu finden sein, nur steht sein Stuhl in einem schattenreichen Winkel", zitierte Vorsatz aus einer Rezension zu einer neuen Reger-Biografie von Susanne Popp.

Raus aus dem Schattenreich


Vorsatz spornte ihre Weidener an, alles zu tun, den großen Sohn aus diesem Schattenreich zu holen: "Immer Reger sollen wir werden." Dann würden Hörer und Konzertveranstalter reich belohnt, schrieb die "Süddeutsche Zeitung". Den Beweis lieferte im Rathaus die Weidener Mezzosopranistin Anika Ram, begleitet von Elitza Desseva am Klavier. "Die himmlische Freud ist eine selige Stadt", sang Ram ein altes Volkslied. In diesem Moment konnte damit nur Weiden gemeint sein.

Er war kein introvertiertes Wunderkind, sondern ein echter Weidener Lausbub.Bürgermeister Jens Meyer
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