Luise Kinseher in Weiden
Stellen Sie sich vor, ich bin Ihr Fernseher

Luise Kinseher sucht die Interaktion mit ihrem Publikum. Und kokettiert mit ihren Reizen. Bild: Otto

Als "Mama Bavaria" sorgte die Kabarettistin mit ihrer diesjährigen Fastenpredigt beim Starkbierfest auf dem Münchner Nockherberg für ordentlich Unruhe bei einigen Gästen. Ihr Solo-Programm, das sie am Donnerstag in der Max-Reger-Halle spielt, betitelt Luise Kinseher mit "Ruhe bewahren".

Gleich zu Beginn stellt sie klar: "Ich freu mich so, dass ich heute bei Ihnen bin. Endlich normale Menschen nach dem Nockherberg." Das Publikum dürfe das "Ruhe bewahren" ruhig wörtlich nehmen. Sie werde die Besucher keinesfalls überfordern. "Stellen Sie sich vor, ich bin Ihr Fernseher. Und wenn Sie schlafen möchten - bitte. Für mich wäre das ein Erfolg."

Das Programm der Bayerin wird von einigen Kunstfiguren getragen. Da ist die Schnapsdrossel "Mary from Bavaria". Leicht lallend widmet sie sich der bayerischen Innenpolitik, mokiert sich übers Power-Napping, das den Mittagsschlaf abgelöst habe. "Und mein Stammstüberl ist jetzt eine Lounge".

Was kostet alt werden?


Oder die betagte Pensionistin, die in ihren Ausführungen so eine Art weibliches Pendant zu Georg Schramms zornigen Rentners Lothar Dombrowski ist. Ihre Gedanken ranken sich morbid um das Thema Altern. Sie fragt sich: Was kostet alt werden? Und gibt die Antwort: Wer früher stirbt, ist billiger.

Luise Kinseher selbst gewährt den Menschen im ausverkauften Gustl-Lang-Saal vermeintlich tiefe Einblicke in ihr Privatleben. "Ganz rauslassen kann ich das nicht". Schließlich hat sie gestern im Aufzug ihres Hotels ihren Traummann getroffen. Kein Zweifel, das ist er. Eine Frau spürt so etwas. "Als ich ausgestiegen bin, hat er noch zu mir gesagt: Bis bald. Und ich finde, jetzt ist bald." Das Handy klingelt nicht - vorläufig.

Das Warten füllt die Kabarettistin mit der Interaktion mit dem Publikum. Ob Ingenieur, Handwerker oder Beamter - nicht jeder ist gleichermaßen bereit mitzuspielen und versucht sich um einen Dialog zu drücken - was nicht gelingen mag. "In die erste Reihe setzen und dann nicht mitmachen wollen. Ja wo samma denn", schimpft die Kabarettistin.

Tabus brechen


Dazwischen philosophiert die Kinseher über ihr Leben. So gerne hätte sie eine Eigentumswohnung in München, drei, vier Zimmer, Küche, Bad, ein kleiner Balkon und Citylage. 1,4 Millionen seien aber einfach zu teuer. "Und da hast aber noch keinen Strom gezahlt."

Da stimme doch etwas nicht auf dieser Welt. "Überall Kriege, diese Brutalität, die Flüchtlingskrise, der Klimawandel, die Luftverschmutzung, die CSU", der Seitenhieb auf die Christsozialen kommt gut an beim Weidener Publikum. Dafür bricht Kinseher auch Tabus, was Ausdrücke angeht. Wegen der Flüchtlingskrise sei es schon ein sensibles Thema: Aber sie erzählt ihn trotzdem, "den Neger-Witz": "Da sitzt ein Neger auf einer Parkbank. Kommt eine ältere Dame vorbei, sieht den Neger und sagt: Habt's wieder recht zündelt, ihr Russen."

In dem Witz ist alles drin, findet sie. Da seien die Rassisten drin, die Rechtsradikalen, die AfD, die Flüchtlingsproblematik. Aber auch Obama, die Russen, die Krimkrise, Ukraine-Krieg. Da sei Pflegenotstand drin, Überalterung. "Und der Neger, wo sitzt er? Auf einer Bank! Griechenland ist auch noch drin". Wie bei "Mama Bavaria" lebt der Abend nicht allein von den Pointen und Gags. Luise Kinseher ist nämlich nicht nur eine mit Preisen ausgezeichnete Kabarettistin, sondern auch eine exzellente Schauspielerin. Nur eines sollte sie nicht mehr: Singen.
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