Mahdi Rubaie kann wieder lachen
Kunst schafft Lebensfreude

Die Chemie zwischen den dreien hat von Anfang an gestimmt, versichern (von links) Udo Binder, Mahdi Rubaie und Tina Meyer. Als Paten vom Netzwerk Asyl greifen die beiden Weidener Künstler dem Bildhauer aus dem Irak nicht nur unter die Arme. Sie gestalten sogar eine gemeinsame Ausstellung, für die Mahdi unter anderem diese Büste von Einstein, die Faust am vergitterten Auge und die schreibende Hand geschaffen hat. Bilder: Götz (2)
 
Büsten zählen zu Mahdis Lieblingsmotiven. Seine Werke drücken aber auch wichtige aktuelle Themen aus, wie beispielsweise das Handy als Nabelschnur in die Heimat.

Vor 6 Monaten kam Mahdi Rubaie in Cham an, vor 3 Monaten in Weiden. "Damals war er sehr betrübt und in sich gekehrt", sagt Tina Meyer. Inzwischen kann der 44-jährige Iraker auch wieder lachen.

Dabei ist es wohl vor allem die Beschäftigung mit der Kunst, die dem Bildhauer aus Bagdad zu neuer Lebensfreude verhilft. Aber auch die Begegnung mit Menschen wie Tina Meyer und Udo Binder. Die beiden Weidener Künstler sind - durch Vermittlung über das Netzwerk Asyl - mittlerweile die Paten von Mahdi Rubaie. Gemeinsam verfolgen die drei ein Ziel: Eine Ausstellung mit Kunstwerken des Irakers, ergänzt durch Skulpturen und Bilder von Tina Meyer und Udo Binder. Das Motto: "Dialog". Der erscheint mit Mitteln der Kunst manchmal einfacher als mit der Sprache.

Vernissage am 8. Mai


Denn was die Deutschkenntnisse von Mahdi Rubaie betrifft, sieht es noch recht mau aus. Um die Arabischkenntnisse von Tina Meyer und Udo Binder ist es noch schlechter bestellt. Trotzdem nimmt das gemeinsame Projekt immer konkretere Formen an. Der Termin für die Vernissage steht bereits: Sonntag, 8. Mai, 11 Uhr in der städtischen Galerie im Alten Schulhaus.

"Wir verständigen uns mit Händen und Füßen", grinst Tina Meyer. "Und mit der Übersetzungs-App, die Mahdi auf seinem Handy hat, und per Lexikon ", sagt Udo Binder und legt ein Wörterbuch Arabisch-Deutsch auf den Tisch. Aber auch Freunde wie Mitbewohner Ali, der schon etwas Deutsch kann, oder Munaf Musawi - er übersetzt vom Arabischen ins Englische - helfen gerne aus. "Es gibt viele Lösungen, um sich zu verstehen", strahlt Munaf Musawi über das ganze Gesicht.

Dabei hat die Beschäftigung mit Ton, Mahdis Lieblingsmaterial, und die Auseinandersetzung mit den Weidener Künstlern wohl großen Anteil daran, dass sich der 44-Jährige nicht mehr so häufig in trüben Gedanken verliert. Über seine familiäre Situation erzählt er nur, dass seine Eltern und seine Frau tot sind. Sein Sohn (5) lebt bei seinem Bruder und dessen Familie in Bagdad. Fünf Jahre lang hat Mahdi dort am Institut für Kunst studiert, erhielt während des Studiums drei Auszeichnungen für seine Werke und lebte anschließend vor allem davon, dass er spezielle Schaufensterfiguren für mehrere Geschäfte anfertigte.

Menschen sind ohnehin das häufigste Motiv seiner Skulpturen, mit denen er starke Gefühle ausdrückt. Genau das war es wohl auch, was den IS-Terroristen gegen den Strich ging. "Sie akzeptieren diese Art von Kunst nicht", übersetzt Munaf Musawi. "Das gilt als verbotene Kunst. Deshalb und wegen der schlechten Situation in seinem Land ist Mahdi nach Deutschland geflohen." Über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien und Österreich kam er in die Bundesrepublik. Eine Route, die ihm heute wohl versperrt bleiben würde.

"Preis der Freiheit"


Die Flüchtlingsunterkunft in Cham war seine erste Station. Seit Februar lebt Mahdi im Camp Pitman und wartet hier auf seine Anerkennung als Asylbewerber. "Seine Chancen stehen gut", meint Manfred Weiß vom Netzwerk Asyl, der auch den Kontakt zu Tina Meyer und Udo Binder vermittelt hat. Sie haben Mahdi den Ton besorgt, aus dem er jetzt wieder Kunstwerke fertigen kann. Und die können sich wirklich sehen lassen. Da ist zum Beispiel die Büste von Einstein oder die geballte Faust in einem vergitterten Auge. Sie soll ausdrücken, dass jeder ein Gefängnis in sich trägt, erklärt Mahdi. "Preis der Freiheit", nennt der Iraker eine Skulptur aus ineinander verknäulten Menschen. "Der Tod ist der Preis, den wir für den Frieden zahlen müssen. Derjenige, der den Krieg angezettelt hat, den interessiert es nicht, wenn andere durch den Krieg sterben."

Jede Woche einmal kommen die beiden Weidener Künstler zu ihm, um sich mit Mahdi auseinanderzusetzen und Anregungen für die Ausstellung zu geben. "Das ist gelebte Integration", freut sich Manfred Weiß. "Wir werden hier immer mit Kaffee und selbst gebackenen Kuchen bewirtet", erzählt Tina Meyer. Diese Art der Gastfreundschaft sei für alle Bewohner in Camp Pitman selbstverständlich, versichert Manfred Weiß.

Mit der Ausstellung hofft das Weidener Duo, dem Bildhauer aus dem Irak auch zu einem Zusatzeinkommen zu verhelfen, über das er das Material für seine Arbeiten finanzieren kann. Bisher stellen die beiden Mahdi den Ton und alles andere, was er benötigt, zur Verfügung. "Wir hoffen für ihn, dass er einige seiner Werke verkaufen kann", sagt Tina Meyer. Doch auch ohne finanziellen Erlös bedeuten die Ausstellung und die künstlerische Tätigkeit für Mahdi einen großen Gewinn. "Wenn er arbeitet, vergisst er seine Probleme zu Hause", übersetzt Munaf und wendet sich dann in Mahdis Namen an die zwei Weidener: "Ohne eure Hilfe hätte ich das nicht geschafft. Ihr habt das für mich möglich gemacht. Vielen, vielen Dank."
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