Markus Becker stellt selten gespielte Klavierwerke von Reger, Dussek und Dvorák vor
Konzert für Entdecker

Markus Becker entführt seine Zuhörer in die Welt von Max Reger und zeigt ihnen wenig bekannte Werke. Bild: Tietz
Viele Kompositionen Max Regers sind nur wenig bekannt. Das zeigt sich ganz deutlich beim Klavierabend, den der Pianist und Hochschullehrer Markus Becker bei den 17. Max-Reger-Tagen im Alten Rathaus gibt. Schon das erste gespielte Werk, die "Sonatine D-Dur" op 89/2 von Reger, ist eine Entdeckung.

Nicht umsonst heißt der 1. Satz "Allegro grazioso". Das bedeutet, dass die von Reger sonst so gerne geübte Kompliziertheit der musikalischen Aussage zugunsten durchsichtiger Themendarstellung vermieden ist. Leicht verständlich und einfach in schöner Melodik ziehen auch die übrigen Sätze vorüber.

Kraftvolle Töne

Im "Andantino" verhalten, tänzerisch im "Vivace", festlich im "Allegro con spirito", immer bleibt die Musik sofort begreifbar und anheimelnd. Vier kleine Charakterstücke aus diversen Opus-Nummern Regers folgen. Zuerst zwei "Episoden" aus op 115, dann das "3. Intermezzo" aus op 45, schließlich die dritte Notiz "Aus meinem Tagebuch" op 82. Jeweils kurze Gedankengänge werden in kraftvollen Tönen, aber dennoch meditativ dargestellt.

Bei Reger erreicht die Abstraktion von Musik eine besondere Intensität. Tonfolgen regen den Hörer zur Betrachtung eines Sinngefüges an, das findet hier ganz eindeutig in der Interpretation des Pianisten statt. Zur Erholung vom Nachdenken spielt Markus Becker danach die "Klaviersonate D-Dur" op 9/3 von Jan Ladislav Dussek. Höfische Musik, die gefallen und beeindrucken will. Umso wichtiger die einfallsreiche Darbietung, welche die virtuosen Akkorde und schnellen Tonkaskaden zu den melodiösen Passagen in einen inneren Zusammenhang stellt.

Denn auch hier gibt es in zwei Sätzen die Anweisung "con espressione". Und wenn man "mit Ausdruck" spielt, bringt man das Werk dem Hörer näher. Das abschließende rasend schnelle "Prestissimo" leitet schwungvoll in die Pause. Danach beginnt Becker den zweiten Teil des Klavierabends mit der letzten aus den "Vier Spezialstudien für die linke Hand" WoO III/13 von Max Reger, betitelt "Präludium und Fuge".

Fünf "Humoresken"

Das Vorbild Bach führte bei Reger dazu, dass er im Sinne dieses Tonsetzers die Vorstellung von solchen Kompositionen fortführte. So wie Becker das Werk spielt, eine sehr gute Idee. Es folgen fünf "Humoresken" op 20, die Max Reger in Weiden komponiert hat. Sie wechseln sich ab mit sechs "Humoresken" aus op 101 von Antonin Dvorák. Der Humor beider Komponisten ist unterschiedlich ausgeprägt, das hört man in der Gegenüberstellung deutlich.

Das ist jedoch ein Urteil über die Art, nicht über die Qualität. Heiter sind sie alle, und Becker versteht es, diese Charaktereigenschaft jeweils am einzelnen Stück hörbar zu machen. Musikalischer Humor entsteht, wenn Phrasen durch die Oktaven gejagt werden, unvermutet beginnen oder enden, überraschend umschwenken - also so wie der Pianist sie gestaltet. Zwei Zugaben runden das Programm dieses Entdeckerkonzerts ab, in dem gleich so viele Werke überzeugend vorgestellt werden.
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