Matthias Bagada und Norbert Gottlöber diskutieren über Prominenz in Weiden
"Ich gehöre zur C-Prominenz"

Hitziges Gespräch: Matthias Bagada versucht NT-Chefredakteur Norbert Gottlöber und Redakteur Ralph Gammanick zu erklären, weshalb er prominent ist. Bild: Huber
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
12.12.2014
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Der eine hält sich für prominent. Der andere kennt ihn nicht. Beste Voraussetzungen für ein spannendes Gespräch. Es sitzen sich gegenüber: Matthias Bagada (36), Weidener Paradiesvogel, und Norbert Gottlöber (60), NT-Chefredakteur.

Vorab hat er jede Menge Fotos gemailt. Bagada mit Geiger David Garrett, Bagada mit Frauke Ludowig, Bagada mit Erol Sander. Beim "Barbaratag" von "Mon Cheri" und dem "Audi Generation Award", zwei Galas in München, hatte sich der Weidener an die Promis rangeworfen. Gelegenheiten, bei denen sich der 36-Jährige unter seinesgleichen wähnt. Seinesgleichen? Norbert Gottlöber bezweifelt das. Der heutige NT-Chefredakteur stand in München an der Spitze der Redaktion des Münchner Merkur. Ein Matthias Bagada ist ihm in dieser Zeit nicht untergekommen. Und in Weiden dann nur durch Dritte: Leser, die sich beschweren, wenn der NT Bagada-Bilder veröffentlicht.

Anlass, um Grundsätzliches zu klären. Willkommen im Büro des Chefredakteurs. Matthias Bagada stellt die Handtasche auf den Tisch. Mutter Rosi nimmt neben ihm Platz. Zu Wort kommt sie in der nächsten halben Stunde kaum. Ihnen gegenüber sitzen Gottlöber und Redakteur Ralph Gammanick. Der hat eine Fragenliste vorbereitet. Völlig müßig. Für das, was da zwischen Bagada und Gottlöber entbrennt, braucht es kein Drehbuch.

Warum glauben Sie, dass Sie prominent sind?

Ich habe viel für RTL gemacht, für Pro7, für Vox, ich hatte eine Wochenserie auf RTL, ich habe meine eigene Internet-Seite, ich treibe mich nur bei der Hautvolee rum, ob das in München oder in Kitzbühel ist. Ich verkehre mit sehr vielen Prominenten, und ich bin ja für RTL das "Taschenluder". Ich bin definitiv als prominent gelistet, ich bin das einzige männliche "Luder". Seit zwei Jahren bin ich "Matthias von Weiden", das "Luder" haben wir begraben.

Aber was macht Sie prominent?

Dass ich sympathisch bin, dass ich Anstand habe, dass ich mich zeige, dass ich mit Prominenten befreundet bin. Dass ich als männliches Wesen mit Handtaschen rumrenne - das hat mich prominent gemacht. Und dass ich mit Lothar Matthäus in der Bildzeitung war. Das war der Hauptgrund. So bin ich über Nacht prominent geworden.

Einmal mit Lothar Matthäus in der Bildzeitung - das macht Sie doch noch nicht prominent.

Doch, das macht prominent.

Nein.

Bagada: Da sind die bei der Bildzeitung aber anderer Meinung. Und die bei der Abendzeitung und bei der TZ.

In der "Bild" kommen Sie aber auch nicht mehr vor.

Bagada: Doch, selbstverständlich. Ich war jetzt ständig in der Presse und im Gespräch, weil ich wieder mit irgendwelchen prominenten Leuten zu tun hatte. Zum Beispiel mit Tatjana Gsell war ich auf der Herzidirndl-Modenschau. Sogar im Partnerlook waren wir auf der "Nacht der Tracht". Das lief auch bei "Explosiv" und überall.

Die Bilder stellt uns Matthias Bagada zur Verfügung.



Frau Gsell ist ja bekannt. Aber wer kennt Sie?

Die ganzen Presseleute aus München wissen, wer ich bin.

Ich bin jetzt seit eineinhalb Jahren in Weiden. Vorher war ich 20 Jahre in München. Sie sind mir nie über den Weg gelaufen.

Bagada: Ehrlich? Komisch. Aber ich kenne Sie auch nicht.

Jedesmal, wenn wir ein Foto mit Ihnen im Blatt haben, hagelt es Beschwerden. Leser fragen: Warum druckt Ihr diesen Schwachsinn ab?

Ich weiß, dass wir in Weiden leben. Und ich weiß, dass es in Weiden sehr viele Leute gibt, die mit sich selber ein Problem haben. Wenn die dann sehen, dass ein Mensch wirklich erfolgreich ist in seinem Leben, wie zum Beispiel ich ... Ich selber habe nur Freunde, keine Feinde. Mich persönlich hat noch keiner so blöd angesprochen. Ich habe 5000 Freunde auf Facebook. Meine Eltern haben 45 Jahre auf der Stadt Weiden gearbeitet. Wir sind anständige Leute. Ich selber habe mir noch nie etwas zuschulden kommen lassen. Ich bin total schockiert, Herr Gottlöber, was Sie mir da erzählen. Ich weiß nicht, weshalb Sie so etwas behaupten.

Weil es stimmt. Manche Leute haben ein Problem mit Ihnen.

Es ist doch schon eine Kunst, auf solche Veranstaltungen zu kommen und in der Gesellschaft zu verkehren, oder? Und es war auch eine Heidenarbeit, berühmt zu werden.

Inwiefern sind Sie denn berühmt?

Weil ich schon so oft im Fernsehen war. Ich war beim "Promi-Dinner", ich habe "mieten kaufen wohnen" gemacht - die hatten die besten Einschaltquoten bei Vox überhaupt -, ich verkehre mit den ganzen "Ludern" in München. Ich war der einzige, der eine Wochenserie auf "RTL exklusiv" hatte, die haben drei Monate mit mir gedreht. Die haben mir den Fitness-Coach von "Germany's next Topmodel" bezahlt. Wenn Sie nicht wissen, wer ich bin, dann geben Sie mich bitteschön bei Google ein. Ich bin Matthias von Weiden, das original bayerische Taschenluder.

Junge Leute rennen hinter ihm her, weil sie ein Foto mit ihm wollen.

Bagada: Zum Beispiel am Deutschen Filmball wissen die Presseleute genau, wer ich bin. Oder wie zuletzt beim "Audi Generation Award" oder dem "Barbaratag" von "Mon Cheri". Ich bin ein gerngesehener Gast in München, und die freuen sich alle und finden das lustig, wenn ich mit meinem Handtascherl komme und über den roten Teppich flaniere. Dann machen die Fotos. Es ist halt so primitiv bei uns in Deutschland, die Leute stehen halt auf so einen Scheiß. Und dann gibt es ein paar alte Deppen in Weiden, die sich über alles Mögliche aufregen. Dann regen sie sich halt auch über den Bagada auf, denn was will jetzt die alte Schwuchtel mit der Handtasch'n bei uns im Neuen Tag? Das ist Weiden! Das bin nicht ich!

Nur weil sich jemand mit Prominenten umgibt, ist er noch lange nicht selbst prominent.

Bagada: Ich bin doch prominent, wenn ich im Fernsehen war, oder etwa nicht? Und ich war oft im Fernsehen in der letzten Zeit. Nur zu Ihrer Information: Mit meiner Mutter habe ich auf Ibiza Schmuck von Paris Hilton gefunden, im Wert von 150 000 Euro. Anstandshalber haben wir den abgegeben. Seitdem bin ich auch mit Paris Hilton befreundet. Mit mir hat sie Party gemacht. Das spricht für mich - und auch dafür, dass ich prominent bin.

Franz Beckenbauer, Boris Becker, Lothar Matthäus: Die sind alle prominent geworden, weil sie etwas geleistet haben.

Bagada: Ja, das ist die A-Prominenz. Aber ich gehöre ja zur C-Prominenz. Ich gehöre in die Kategorie Micaela Schäfer, die sich überall nackert zeigt.

Warum wollen Sie dazugehören?

Bagada: Weil ich das auch gerne habe. Ich will auch auf solche schönen Partys gehen, ich flaniere gern über den roten Teppich. Eva Habermann, Giulia Siegel, Micaela Schäfer, das sind alle meine Freundinnen!

Unsere Leser fragen provokativ: Wovon leben Sie eigentlich?

Bagada: Ich arbeite seit über zehn Jahren als Verkäufer im "Spielzeughaus". Hätten Sie sich doch mal einen Fernsehbeitrag über mich angesehen, Herr Gottlöber. Ich bin auch mit Leuten befreundet wie dem Herrn Stoiber. Oder dem Herrn Gauweiler. Oder der Ilse Aigner. Ich bin mit der ganzen Prominenz per Du.

Was meinen Sie, wie ein Herr Stoiber den Begriff Freund definiert?

Bagada: Wenn mich der Herr Stoiber sieht, ob das im Bayerischen Hof ist oder beim Käfer, der kommt immer her zu mir und ist immer nett, und wir machen immer schöne Fotos miteinander.

Aber das ist doch oberflächlich.

Bagada: Alles ist oberflächlich. Die gesamte Gesellschaft. Ich bin zu der ganzen Hautvolee freundlich, anständig und nett, da geht mich auch keiner so an wie Sie gerade. Nur weil irgendwelche zurückgebliebene Bauerntrampel aus Weiden ein Problem mit mir haben. Aber das ist Weiden. Das weiß ich ja. Und deshalb mache ich das alles. Das ist der Grund.

Was genau ist der Grund?

Bagada: Dasalles. Auch Freundinnen der Mama, die sagen, dein Sohn ist ja nichts, dein Sohn macht ja nix. Ich bin Verkäufer im "Spielzeughaus", fahre nach München, habe eine eigene Internet-Seite, die sehr, sehr gut läuft, und ich bin stolz darauf, dass ich endlich angekommen bin.

Aber Sie wissen offenbar, dass es böse Kommentare gibt. Wenn wir Sie damit konfrontieren, sagen Sie: Das kann nicht sein.

Bagada: Das gibt mir die Kraft, weiterzukämpfen, meinen Beruf "Promi" noch mehr durchzuziehen.

Auf der einen Seite verkaufen Sie in einem Spielzeuggeschäft, auf der anderen stellen Sie sich mit Prominenten auf ein Foto. Und deshalb sind Sie prominent?

Bagada: Nein, sondern weil ich schon oft im Fernsehen war, für RTL gearbeitet habe und als "Taschenluder" gelistet bin. Aber wenn irgendwelche 70-, 80-jährigen Leser von Ihnen ein Problem mit mir haben, dann will ich ihnen beweisen, dass ich es doch in meinem Leben zu etwas gebracht habe. - Wenn Sie sich bei mir nicht auskennen, warum haben Sie mich nicht einfach bei Google eingegeben?

Ich möchte mir in einem Gespräch einen Eindruck verschaffen, nicht über Google.

Bagada: Dann haben wir jetzt alles besprochen. Dann lassen wir es gut sein. Über eine Verena Stangl regen sich die Leute doch genauso auf, da heißt es doch auch, die zeigt sich nackt. Habt Ihr da auch Anrufe gekriegt? Was hat die schon gemacht, außer sich nackert zu zeigen? Ich kann mindestens sieben Fernsehsendungen vorweisen. Seit kurzem bin ich mit dem Ex-Cheffotografen eines großen Magazins befreundet, und der schickt mich im neuen Jahr zu sämtlichen Top-Events wie der Berlinale und den Filmfestspielen in Cannes. Es geht weiter mit mir. Ich mache ein "Taschenluder"-Geschäft auf. Und ich werde mich auch weiterhin auf irgendwelchen Promi-Events und Partys rumtreiben.

Eingeschnappt? So wirkt Matthias Bagada beim Abschied nicht. Er lässt sogar einen Schoko-Nikolaus da, bevor er sich zum Auto auf dem NT-Parkplatz im Industriegebiet Brandweiher begibt. Die Mutter steigt als Chauffeurin vorne ein. Der Sohn hinten. Ein stilechter Abgang. Auch wenn hier weit und breit kein roter Teppich in Sicht ist.
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