Max-Reger-Tage (I): Tal und Groethuysen begeistern mit Goldberg-Variationen in der Fassung ...
Musik von einem anderen Stern

Weiden in der Oberpfalz
28.09.2009
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Das 30-gängige Menü von Bach, die spätromantischen Geschmacksverstärker von Rheinberger, das Ganze von Reger noch einmal dezent nachgewürzt. Nicht immer verderben viele Köche den Brei. Was einst gestrengen Bach-Puristen bleischwer im Magen lag, entpuppt sich in historisch informierten Zeiten als Sterne verdächtige Delikatesse.

Die Rede ist von Bachs Goldberg-Variationen, erschienen um 1740, in der Bearbeitung für zwei Klaviere durch Joseph Rheinberger (1883), revidiert von Max Reger (1915). Ein musikalisches "work in progress", das am Freitag seine Fortsetzung fand. Eingebettet in die Weidener Max-Reger-Tage, als Sonderkonzert veranstaltet vom Förderkreis für Kammermusik. Ein durchaus stimmiger Rahmen für die Aufführung dessen, was Reger für derart gelungen hielt, dass er nur dezent nachbesserte.

Fließendes Zusammenspiel

Auch die israelische Pianistin Yaara Tal und ihr deutscher Partner Andreas Groethuysen gingen mit Bedacht und Sorgfalt zu Werke. Geht es doch bei dieser Bach-Bearbeitung um mehr als nur um deren makellose technische Bewältigung. Die sei dem Klavierduo schon vorab attestiert. Mit stupender Technik, frappierender Synchronizität und herrlich fließendem, organisch schwingendem Zusammenspiel begeisterten die beiden Münchner Künstler auch in der Max-Reger-Halle die zahlreich erschienenen Zuhörer.
Kardinaltugenden eines Klavierduos, das zu den führenden der Gegenwart zählt. Ein Duo, das sich dieses Renommee jedoch nicht mit pianistischer Effekthascherei erspielt hat.

Es ist ein von Grund auf ehrliches, unprätentiöses Musizieren, mit dem Tal und Groethuysen die eigentliche Herausforderung von Rheinbergers Bach-Bearbeitung so überzeugend meisterten. Sprich: die Balance zu wahren zwischen barocker Transparenz und spätromantischer Klangfülle. Romantisch abgetönt ihr feinsinnig kultivierter Klavierton, sorgfältig ausgelotet die Stimmgewichtung im von Rheinberger und Reger verdichteten Tonsatz.

Uneitle Kunst

Leise, uneitle Kunst, die in jedem Moment den Fokus richtete auf Musik, die mit spätromantischen Farben den Facettenreichtum des Bach'schen Originals auskoloriert. Von der religiösen Innerlichkeit des Aria-Themas bis zu weltlicher Prachtentfaltung des Ouvertüre-Satzes reichend. Federleicht erfüllte man Regers "Leggiero"-Forderung im spukhaft dahinhuschenden Poco Allegro (Var. XVII), in schmerzvoller Eindringlichkeit das Adagio des zweiten Teils, dessen dramatischer Ernst an Bachs große Passionen erinnert.

Und was Yaara Tal und Andreas Groethuysen mit der Wiederholung des schlichten Aria-Themas am Schluss gelang, war Musik von einem anderen Stern. Dem Diesseits entrückt, überirdisch schön. Atemberaubendes Ende von rund 80 Minuten ununterbrochener Spannung. Eine jede davon Gold wert.
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