Max Reger und das Klavierduo Igor Levit und Markus Becker feiern in Weiden Triumphe.
Max der Große

Igor Levit (rechts) und Markus Becker (links) sind Reger-Experten höchsten Ranges. Sie heben seine Musik in den musikalischen Olymp. In Weiden beim Förderkreis für Kammermusik gelang ihnen dies perfekt. Bild: uz

Max Reger und das Klavierduo Igor Levit und Markus Becker feiern Triumphe. Was die beiden Pianisten in Weiden aufführen, lässt die Musik des Oberpfälzer Komponisten neu erleben: farbig, mystisch, bombastisch.

Sensationell, singulär, staunenswert - so könnte dieser Klavierabend des Förderkreises zum Reger-Jahr in Erinnerung bleiben. Große Musik in großartigen Interpretationen: Die ernsthaften Beethoven-Variationen op. 86 (1904), die lichten Mozart-Variationen op. 132a (1914) und die düstere Introduktion, Passacaglia und Fuge h-Moll op. 96 (1906) stehen auf dem musikalischen Reiseplan. "Reger, einer der schaffenskräftigsten und markantesten Komponisten, steuert auf seinem aus starken Formenplanken der Bach-Beethoven-Brahms'schen Kunst gezimmerten Wikingerschiff immer weiter in das unbegrenzte Ton-Meer hinaus. In der Passacaglia führt er das Thema durch brausende chromatische Gischt der entfesselten Klangelemente, nach manchem Drunter- und Drübergehen schließlich zur glücklichen Landung" - einer euphorisch gefeierten Landung im irrwitzig langsamen Tempo Achtel gleich 24. Die Worte des Kritikers Arthur Smolian von 1906 über das zum Zittern und Zagen schwere Opus 96 fassen den Eindruck des gesamten Konzerts trefflich zusammen.

Quicklebendig und glasklar


Regers Musik wirkt unter den schier unfehlbaren Fingern von Igor Levit und Markus Becker so quicklebendig und glasklar wie ein Overlay aus Video, Röntgenfilm und Tomographie. Eines der grandiosen Ereignisse sei herausgegriffen: das Kabinettstück von Levit in Gestalt des Fugenbeginns im 3-fachen Piano. So delikat, so samtig, so am Grat zum Nichts und doch substanziell können das nur sehr wenige Pianisten, er wird es mit humorigem Genuss bei op. 132a noch einmal zelebrieren.

Die Beethoven-Variationen waren einer der Dauererfolge Regers, er hat sie an die 150-mal gespielt - dies widerlegt auch die unkundige Mär vom "nur" guten Pianisten Reger schallend. Levit und Becker, einer der führenden Reger-Klavier-Experten, treffen die subtil abgestimmten Tempi auf den Punkt. Diese sind aber nie starr, sie wiegen wie die Ähren im Kornfeld, die Überleitungen zwischen den Variationen geschehen mit geschmeidiger Eleganz.

Regers Musik erscheint ausgeleuchtet, einleuchtend und erleuchtend. Es ist, als würde er mit seinem virtuellen Double live improvisieren, ein Fest geistvoller Spielfreude. Die Mozart-Variationen op. 132a für Orchester könnten in der Klavierversion wie Aschenputtel daherkommen. Am Freitag, dem "Eleven-Eleven", sind sie schon Königsbraut. Levit und Becker haben halt nicht nur die schwarz geschriebenen Noten angeschaut, sondern auch den darübergezogenen rot-tintigen Pullunder mit den fein-nervigen Tempo- und Lautstärkestrukturen.

Tollkühner Ozeanfahrer


So aufersteht Regers Musik statt schwarz und weiß nun farbig, durchhörbar, emotional, mystisch, atemberaubend, humorig, schwelgend, bombastisch, hinreißend. "Heller Jubel umbraust den Komponisten und die beiden Pianisten, man scheidet mit dem lebhaften Wunsch, den tollkühnen und doch so wegsicheren Ozeanfahrer Max Reger bald wieder in unserer alten Seestadt an Land gehen zu hören" (Smolian). Gerne, die Max-Reger-Halle steht nahe der Naab.
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