Michl Müller in Weiden
„Dreggsagg“ als Pointen-Schleuder

Ausverkaufte Max-Reger-Halle, drei Stunden Bühnenpower mit einem Mix aus Stand-Up-Comedy und "Protestliedern" sowie ein sich vor Lachen krümmendes Publikum: Die fränkische Pointen-Schleuder Michl Müller entwickelte am Freitagabend eine innige Beziehung zu Weiden und zu Etzenricht im Speziellen.

Von Fabian Leeb

So schlägt der selbst ernannte "Dreggsagg", dem mit Auftritten bei "Fastnacht in Franken" der Durchbruch gelang, vor, eine Bushaltestelle zu Ehren des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer umzubenennen - in Etzenricht. "Franz Josef Strauß hat in München einen Flughafen bekommen, da wäre eine derartige Ehrerweisung dem Wirken Seehofers durchaus angemessen."

Der Bad Kissinger hat für fast jeden Politiker passende Kosenamen parat. Von Panzer-Uschi (Ursula von der Leyen) und den Forrest Gump der deutschen Innenpolitik mit dem Gebiss des Todes (Thomas de Maizière) über die Kurzhaar-Domina (Frauke Petry) zum Ersatz-Jesus (Anton Hofreiter) sowie die Plastiktüten-Babsi (Barbara Hendricks): Die Protagonisten der deutschen Politik bekommen durchweg ihr Fett weg.

In tiefstem Fränkisch


Und für das "Triumvirat des Schreckens" präsentiert Müller eine passende Nebenbeschäftigung. "Schockbilder auf Zigarettenschachteln sollen künftig vom Nikotinkonsum abschrecken. Da wüsste ich was: Merkels, Gabriels und Seehofers Konterfei draufpappen und kein Mensch langt da mehr hin." Neben der High Society geht der Comedian auch mit den aktuell verbreiteten Erziehungsmethoden übervorsichtiger Eltern, der Ernährung und dem Verhalten der Jugend hart ins Gericht. "Wenn ich auf Kinderspielplätzen schon immer höre: ,Jean-Paul es ist Zeit für deinen Karotten-Kohlrabi-Saft' - ja Pfuideifel! Nicht in den Schuhen möchte ich das Gesöff haben", poltert Müller in tiefstem Fränkisch.

Zu seiner Zeit hätte es für die Kinder "gelbe und weiße Limo" gegeben. "Wir schauten zwar aus wie Pflunzen, aber geschmeckt hat's." Und vielen Kindern würden der Kohlrabi-Karottensaft und weitere Extravaganzen heute sogar schmecken: "Ja wenn dir die Eltern das die ganze Zeit einreden, glaubst du das auch irgendwann. Und wenn du etwas anderes einfach nicht kennst, glaubst das erst recht."

Sandkästen leer gefressen


Früher hätten seine Altersgenossen "ganze Sandkästen inklusive Hundescheiße leer gefressen" und seien heute kerngesund. An Kohlrabi, Karotten und anderes Gemüse hätte niemand gedacht, "außer der Sand war leer". "Wenn wir auf der Schaukel waren, gab es nur ein Ziel: den Überschlag." Heute stünden dagegen die Väter daneben und kontrollieren, dass nicht weiter als 20 Zentimeter vor und 20 Zentimeter zurückgeschaukelt wird. "Nach fünf Minuten plärrt das Kind los, dass es keine Lust mehr hat. Ganz ehrlich? Auf so einen langweiligen Schmarrn hätte ich auch keinen Bock." Und warum früher so vieles unkomplizierter war und Kinder einfacher ihre Grenzen austesten konnten, weiß Müller auch. "Weil bei uns die Eltern nicht dabei waren."

Wenn vegetarische und vegane Ernährung für Müller noch halbwegs nachvollziehbar sind ("Jeder soll essen oder eben nicht essen, was er will. Aber für mich wär' das nix"), hört für ihn bei Flexitariern der Spaß auf. "Die ernähren sich vegan und essen nur Fleisch von angefahrenen Tieren. Das ist ja wie wenn ich Antialkoholiker bin und nur trinke, wenn mir einer ausgegeben wird." Wahrscheinlich säßen Flexitarier nachts im Auto und lauern darauf, dass ein Tier über die Straße läuft. "Dann gibt's frisches Karnickel vom Kühlergrill."

Nach über drei Stunden (inklusive einer 15-minütigen Pause), zwei Zugaben und einem Best-of seiner "Protestlieder", wie das der Fleischereifachverkäuferin, endet die Nonstop-Dröhnung purer Franken-Comedy mit stehenden Ovationen.
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