Mit Hand und Hirn

Echte Handarbeit: Das ist das fertige Kunstwerk, das die Fachoberschüler des Gestaltungszweiges am Montag an die Wände des Innenhofes der Schule gezaubert haben. Es spielt mit den Kreisen, Quadraten, Strichen und Dreiecken, die die verschiedenen Ausbildungsbereiche der Schule symbolisieren. Da Köpfchen allein an einer FOS aber nicht reicht, zeigen die Hände, bei Praktika muss zugepackt werden. Bild: Götz
 
Die geometrischen Symbole stehen für die verschiedenen Ausbildungszweige. Bild: Götz

Abspielen können die meisten der 40 Schüler die Schallplatte wohl nicht. Das wäre aber auch zu profan für die jungen Leute des Gestaltungszweiges an der Fachoberschule. Sie schnappen sich das gute alte Vinyl lieber, um es an die Wand zu klatschen - als Vorlage für ein Riesenkunstwerk, das im Innenhof der Schule entsteht.

Stefanie Beer hat sich einen abgetragenen, weißen Laborkittel übergeworfen. Ihre Hände schützt die 18-Jährige mit blauen Plastikhandschuhen. Aber ihre braunen Locken lassen sich nicht bändigen. Sie fallen der FOS-Schülerin immer wieder ins Gesicht, wenn sie sich in zwei Metern Höhe über die Leiter zur Wand beugt und zu ihrem Werkzeug, der gelben Spraydose, greift. Damit zielt sie auf die angelegte Dreiecksschablonen - und trifft. Das Dreieck, eines von mehreren Hundert, macht sich gut an der Wand, findet Michael Gmeiner. Er muss es wissen.

XXL-Bild mit Hintersinn

Der Street-Art-Künstler und Unternehmer leitet am Montag den Workshop an der Gustav-von-Schlör-Schule. Die Teilnehmer, 40 Elftklässler des Ausbildungszweiges Gestaltung, verschönern den Innenhof, das Herzstück der Schule. Gmeiner (36) und zwei andere "Writer", Jörg Solzbacher und Lars von der Warth, leiten sie an. Das Trio führt seit 2011 eine erfolgreiche Firma namens "graphism" für Design, Gegenwartskunst und Street-Art in München, verschönert weltweit Fassaden und Innenräume - unter anderem von renommierten Unternehmen wie Audi.

Bilder: Gerhard Götz

Der Grill für die Bratwürste raucht. Leitern klappern, Schüler plappern. Und immer wieder zischen Spraydosen. "Das muss hier kleinteilig, aber dichter werden", ruft Michael Gmeiner Team Rot zu. Das XXL-Wandbild auf 30 Mal 3 Metern Fassade, an dessen Entwurf die Schüler sechs Wochen lang gearbeitet haben, nimmt im Innenhof der FOS langsam Form an. Es wuselt nur so von geometrischen Formen wie Dreiecken oder eben Kreisen an der Wand. Und genau das ist der Punkt: Diese Formen finden sich im Schullogo wieder.

Die gelben Dreiecke stehen für die Wirtschaftszweige, die roten Kreise symbolisieren das Sozialwesen. Für den Metallbereich stehen die Quadrate in kühlem Blau. Ein schwarzer Strich symbolisiert den Ausbildungszweig Gestaltung, der oberpfalzweit einmalig ist. An der FOS/BOS kommen die Schüler aber mit der Theorie allein nicht weit. Sie müssen bei Praktika auch zupacken. Entsprechend erklären sich die Hände, die hier nach den Quadraten fassen oder dort den schwarzen Strich zeichnen. "Das ist typisch für unsere FOS/BOS: Hier brauchen die Schüler Kopf und Hand", erklärt stellvertretende Schulleiterin Gabriele Dill.

Das künstlerische Konzept, das Schüler, Lehrer und Schulleitung gemeinsam erarbeitet haben, klingt schlüssig. So konnte es auch die Stadt, als Träger der neuen Schule, von dem Riesenkunstwerk an der Außenfassade überzeugen, dessen Farben ganz schön knallen: "Grau als Hintergrund ist sehr dankbar", weiß Gmeiner und lobt die hohe Deckkraft der Farben aus der Dose sowie die Dose als Werkzeug an sich: "Mit einem Pinsel schaffen Sie es nie, an nur einem Tag eine solch große Fläche künstlerisch zu bespielen."

Ewig mit Schule verbunden

Und tatsächlich: Bereits am Montagabend prangt Street-Art in Perfektion und mit viel schulischem Hintersinn im Innenhof. Stefanie Beer gefällt's. Sie streift die Handschuhe ab, streicht eine Locke aus dem Gesicht und sagt: "Wenn wir alle längst die Schule verlassen haben: Damit bleibt ein Teil von uns nun immer hier."
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