Mo Asumang stellt ihr neues Buch Arier bei Stangl und Taubald vor
Dem Hass immer mit Offenheit begegnen

Mo Asumang hat nie den Glauben an die Menschen aufgegeben. Und das, obwohl sie im Alltag und bei ihren Recherchen erschreckende Erfahrungen gemacht hat. Trotzdem: Hass und Rassismus begegnet sie mit Offenheit. Bild: Otto
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
19.07.2016
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Beschimpft, bedroht und attackiert - Mo Asumang, Journalistin mit deutschen und ghanaischen Wurzeln, hat Rassismus in all seinen Facetten zu spüren bekommen. Reagiert hat sie mit Filmen und Büchern, die aufrütteln und aufmerksam machen. Ihr aktuelles Buch "Die Arier" stellt sie bei "Stangl & Taubald" vor. Eine überraschend warmherzige Abrechnung, mit denen, die sie so hassen.

Mo Asumang ist eine sympathische, selbstbewusste Frau - unheimlich offen und positiv. Sie lacht unverstellt und nimmt in Weiden ein großes Auditorium mit ihrer sanft-sonoren Stimme schon bei den ersten Worten für sich ein. "Ich möchte mal ein Experiment mit Ihnen machen. Heben Sie mal alle die Arme hoch. Und jetzt beim Runternehmen fahren Sie mit den Händen über Ihr Gesicht. So. Und jetzt sind Sie alle schwarz", sagt sie. Über 100 Armpaare folgen ihr. Die außergewöhnlich vielen Zuschauer verdeutlichen, wie wichtig das Thema ist. Neben Martin Stangl hatten deshalb auch das Bündnis "Weiden ist bunt" sowie das Programm "Demokratie leben" geladen.

Gruselig und skurril


Und dann nimmt Asumang die Menschen mit. In die Wahnwelt einer völkischen und rassistischen Freakshow, die man auch mit viel Fantasie nicht für sich erschließen kann. Es ist gruselig, was man zu hören bekommt. Oft skurril. Da gibt es beispielsweise den Pseudowissenschaftler Axel Stoll, der die Arier auf der Rückseite des Mondes verortet. Oder den US-Neonazi Tom Metzger, der von Genentführung schwafelt und sich als Bäume-Umarmer entpuppt.

Oft könnte man lachen - wenn diese Menschen nicht so gefährlich wären. Wie gefährlich Mo Asumangs Hautfarbe für sie werden kann, das muss die Fernsehjournalistin nicht nur einmal in ihrem Leben erfahren. Ihr Studium in Berlin finanziert sie sich durch Taxifahren. Einmal hält ihr ein Fahrgast eine Neun-Milimeter-Pistole an den Kopf, ein anderes Mal schlägt ein Rassist ihren Kopf mehrmals brutal auf das Autodach. Sie hätte ein großes Repertoire an Reaktionen gehabt: Wut, Angst, Hass, Verbitterung. Aber Asumang lässt sich nicht unterkriegen, geht einen geraden Weg. Sie spielt erste Basketball-Bundesliga, studiert, wird erfolgreiche TV-Journalistin.

Anfang der 2000er dann ein Schlüsselerlebnis: "Die Kugel ist für dich, Mo Asumang, die Kugel ist für dich!" Als die Journalistin diese Zeilen hört, sitzt sie in einem Fernsehstudio. Die rechte Hatecore-Gruppe "White Aryan Rebels" mit dem Frontmann Lars Burmeister bedroht die selbstbewusste Autorin in einem "Song". "Mein erster Impuls: Angst! Ein Ziepen in der Unterlippe. Leichte Übelkeit." Auf der Heimfahrt vom Studio macht sie sich ernsthafte Gedanken über ihre Sicherheit. "Etappenziel eins nach der Morddrohung: heil zu Hause ankommen und dann einschlafen, ohne tot zu sein".

Treffen mit Ku-Klux-Klan


Doch dann erwacht die Journalistin in ihr. Und wohl auch der Trotz, sich nicht von der Angst auffressen zu lassen. 2007 gibt sie ihr Regiedebüt mit dem Dokumentarfilm "Roots Germania", der für den Adolf-Grimme-Preis nominiert wird. Der Film ist eine sehr persönliche Suche nach Herkunft und Identität. 2014 dreht sie den Dokumentarfilm "Die Arier", aus dem schließlich das Buch entsteht. Dafür konfrontiert Asumang Rassisten und Nazis mit deren kruder Ideologie. Dabei geht sie nicht selten ein großes Risiko ein. Sie trifft konspirativ Mitglieder des Ku-Klux-Klans oder mischt sich unter eine Demonstration von Neonazis. Asumang erlebt Strippenzieher und Mitläufer. Durch scheinbar arglose Fragen konfrontiert sie ihre Antagonisten mit dem Unsinn der Rassisten-Ideologien. Entscheidend an Asumangs Herangehensweise: die Hoffnung, diese Menschen zu erreichen - nicht die Hetzer in erster Reihe, sondern ihre Opfer, die sich zum Hass aufstacheln lassen.

Glaube an die Menschen


Dieser unerschütterliche Glaube an die Menschen kommt nicht von ungefähr, erklärt sich auch biographisch. Ihre Großmutter sei bei der SS gewesen - als Schreibkraft. Von der Propaganda aufgehetzt, habe sie sich umbringen wollen, als die Tochter mit Asumang schwanger war. "Aber dann war die kleine Mo erst einmal da, und die Oma hat sich um mich gekümmert."

Und so bleibt der Weg von Mo Asumang der der Offenheit. Erfolge geben ihr Recht. Im Kleinen, wie im Großen. Auf einer Demo hätten die Jungnazis zunächst versucht, sie gewaltsam abzudrängen. Sie sei standhaft geblieben. Am Schluss hätten einige sogar Selfies mit ihr machen wollen. Und dann war da noch der Mann, der sich seit seinem neunten Lebensjahr in neofaschistischen Kreisen bewegte. "Heute ist er ausgestiegen. Und wir sind gute Freunde."
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