Moderne Glasperlenspiele
Cornelius Reer und Andrea Borst inszenieren alten Werkstoff bei Prüll zeitgemäß

Andrea Borst und Cornelius Reer präsentieren Becher, Halsketten und mehr bei Prüll. Bild: phs

Alte Glasmacher- und Porzellinerherrlichkeit kennen Unter-Vierzigjährige meist nur noch aus Erzählungen ihrer Altvorderen. Wie man diesen Industriemythos der Region handwerklich modern interpretiert, zeigt die aktuelle Ausstellung im Atelier Prüll in Weiden. Schmuckdesignerin Andrea Borst und Cornelius Reer rücken den Werkstoff Glas zeitgemäß ins Licht. Raus aus den Hütten und Fabriken, rein in die Ateliers und Werkstätten.

Das Ergebnis sind elegante Karaffen und Trinkbecher, denen Reer immer wieder neue Akzente verpasst. Diesmal präsentiert er weichere Formen, etwa den klassischen Tropfen: "Das ist schließlich die Form, die Glas bei der Schmelze annimmt." Reer kommt mit schönen Referenzen nach Weiden. Eine von ihm mitentwickelte Mineralwasserflasche, die er im Ofen zum Krug verfremdet hat, wurde jüngst mit dem "Red Dot Award", dem bekanntesten deutschen Designpreis, dekoriert.

Die Arbeiten des Nürnbergers interessieren auch andere Produktdesigner, etwa das Berliner "Büro Famos". Es will mit Windlichtern aus Reers Werkstatt demnächst auf der Mailänder Möbelmesse auf seinen Stand aufmerksam machen.

Ähnlich heiter wie Reers Gefäße, dafür noch verspielter und bunter bittet Andrea Borst den Frühling in die Stadt. Sie modelliert Glas in klassischer Tradition mit der Flamme zu Halsketten, an denen Mini-Paprikas und Karöttchen baumeln. Die Münchnerin ist vor allem für sehr floralen Ohr- und Halsschmuck bekannt. Bei Prüll spielt sie mit alten Techniken, etwa dem Glasperlenwickeln.

In ihrem Schmuck blitzt auch der Lupeneffekt auf, indem sie geschlossene Glaskugeln auffädelt und nicht traditionell durchbohrt. Die daraus entstehenden Lichtreflexe sind ein weiterer Beweis für die Vielseitigkeit des Werkstoffes Glas. Die Ausstellung dauert noch bis 7. Mai.
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