Mundartlesungen: Eine Stimme verhallt, neue erklingen
Verliebte Hasen, besorgte Opas

Sie unterhielten bestens beim Mundartleseabend (vorne, von links): Wolfgang Leo Bäumler, Julia Panrucker, Markus Keßler, Uli Keltsch, Anna-Elisabeth Gleißner sowie (hinten, von links) Heimatring-Vize Norbert Uschald, Stadtrat Alois Schinabeck, Gerhard Reber, die "Zupfer-Moidln", Arbeitskreisleiter und Stadtheimatpfleger Günter Alois Stadler. Bild: hcz

Die Alten ziehen sich zurück. Junge kommen nach. Nachdem die "Egerland-Mundartdichterin" Erna Schmutzer-Lösch vor gut einem halben Jahr das letzte Mal dabei gewesen war, absolvierte jetzt Anna-Elisabeth Gleißner (Bechtsrieth) ihren letzten Auftritt beim Arbeitskreis Mundart.

Die gebürtige Stiftländerin erfreute das Publikum im Kulturzentrum Hans Bauer nun noch einmal philosophisch, hintersinnig, nachdenklich und lustig. Für frisches Blut in der Runde der Mundartdichter sorgen Julia Panrucker, die Tochter des altbewährten Wolfgang Leo Bäumler, und Markus Keßler (zum zweiten Mal dabei).

Stadtheimatpfleger Günter Alois Stadler sprach den Generationenwechsel in Versen an und begrüßte die Neuen in der Runde. Als Begleiter des Mundartleseabends sorgten diesmal Gerhard Reber aus Floß mit der Steirischen und die "Zupfer-Moidln" Waltraud und Renate für musikalische Höhepunkte. Sie eröffneten mit "Wann i mein Buam ans Fenster klopfen hör", brachten lustige Gstanzln und traditionelle Oberpfälzer Lieder.

Bäumler beklagte humoristisch, dass das Leben so ungerecht zu den Männern ist. Schwer fällt ihm anscheinend auch das "Opa-Werden" und heftige Sorgen - teils irrationale - macht er sich, wie seine Tochter und auch die Oma um den Nachwuchs. Bäumlers Tochter Julia Panrucker (Waldsassen) debütierte mit einer gekonnten Betrachtung über die Schwierigkeiten beim Suchen eines Namens für den kleinen Nachwuchs, einer herrlichen und verblüffenden Geschichte über den Frühjahrsputz sowie einer erfolglosen Hundeschule.

Markus Keßler ging auf das "Neie Joahr" ein und das unweigerlich am Ende desselben folgende Resümee: "Es is wieder wäi a Wischer gwen". Er outete sich als Speiseeis-Fan und freue sich auf das Öffnen der Eisdielen. Neben einem zynischen Rückblick auf den vergangenen Fasching rief Keßler zum Genießen des Frühlings auf.

Die Frühlingsgefühle der Hasen beschrieb Förster a. D. Uli Keltsch. Frühlingsgefühle hätte auch der "Hans mit seinen 42 Jahren" gehabt. Aber da ihm bei der Brautschau keine getaugt habe, wollte er dann doch lieber "seine Rouh" haben, berichtete Keltsch in lustigen Versen.

Anna-Elisabeth Gleißner philosophierte über die Zeitumstellung, dachte an den "Syrischen Buben", der noch nie ohne Krieg gelebt hatte und brachte die Besucher mit Geschichten zum Lachen.

Mundartarbeitskreisleiter Stadler überbrachte gereimte Grüße von Gertraud Mois, der Denkenreuther Bäuerin, die sonst immer bei den Lesungen dabei ist. Diesmal musste sie sich wegen eines "Milchbauern-Termins" entschuldigen. "Als engagierte Landfrau muss sie dort dabei sein", stellte Stadler fest. Passend dazu rief er in einem Gedicht zu zivilem Widerstand auf. Die Apokalypse drohe "Wenn wir nicht Nein sagen", so seine Voraussagung.

In Mundart-Reimen überbrachte Stadtrat Alois Schinabeck die Grüße des Oberbürgermeisters. Anfangs habe er an einen Aprilscherz geglaubt, als er vom Büro zu dieser Veranstaltung geschickt worden ist.
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