Musical "Sissi - Liebe, Macht & Leidenschaft"
Sissi - Nachlass einer Kaiserin

Thea Schuette und der Schwede Johan Bech brillierten in ihren Rollen als Kaiserin Sissi und Kaiser Franz Joseph. Bild: Kunz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
20.02.2015
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Jedes Jahr zu Weihnachten sitzen Millionen Deutsche vor dem Fernseher und schmelzen bei der "Sissi-Trilogie" dahin. Viele zum x-ten Mal. 2014 schauten Fans jedoch in die Röhre. Kein Sender übertrug die Schmonzette. Für alle mit Entzugserscheinungen sorgte das Tournee-Musical nun für Abhilfe.

Ihre Biografien ähneln sich: Elisabeth, Kaiserin von Österreich, war quasi die Lady Di, Prinzessin von Wales, des 19. Jahrhunderts. Dynastiebewusst verheiratet, Entfremdung der Eheleute mit zunehmender Dauer der Verbindung, unüberwindbare Probleme mit dem Hofzeremoniell, Rastlosigkeit - das "Sissi-Syndrom" - und schließlich ein tragischer Tod. Zwei Frauen-Schicksale, die bewegten.

Ernst Marischka hatte der bayerischen Prinzessin aus Possenhofen in den fünfziger Jahren mit seinen historisch weichgespülten "Sissi"-Filmen ein farbenprächtiges Denkmal gesetzt. Das Nachkriegspublikum war begeistert. Romy Schneider gelang mit ihrer Rolle als junge Kaiserin der Durchbruch. Ebenso wie Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph, dem leidenschaftlichen und verständnisvollen Ehemann an ihrer Seite, der er im echten Leben wohl nie war.

Gespür für Emotionen

All diejenigen, die Weihnachten auf "Sissi"-Entzug waren, weil der Sender den Traditionsdreiteiler pausieren ließ, bedachte am Faschingsdienstag die "Sissi-Musical-Produktion" mit einem romantisch, gefühlvollen Musical: "Sissi - Liebe, Macht & Leidenschaft". Christian Müller bewies mit seiner Inszenierung beinahe ebenso viel Gespür für Emotionen, wie der große Marischka vor 60 Jahren. Nur dass die Sehnsüchte hier "fassbarer" waren.

Natürlich kennt jeder die Geschichte von Sissi und ihrem Franzl. Warum also sollte den 500 Besuchern auf der Bühne der Max-Reger-Halle auch eine tiefergehende Interpretation präsentiert werden. Mit anderen Worten. Das Tournee-Musical kalkulierte mit dem Zauber der K & K-Monarchie und bediente sich wie der Film mit kaiserlichen Klischees. 140 detailverliebte Kostüme, Schmuck und außergewöhnliche Haardesigns gaben opulente Einblicke in eine längst verblasste Welt der österreichischen Monarchie. Ausstattung und Requisiten aus der Sissi-Epoche waren eigens von einem Architekten-Team nach alten Originalen aus dem Wiener Hofmöbel-Depot hergestellt. Buch und Liedtexte stammten von Jean Müller. Die Lieder komponierte George Amade, der bei der Auswahl seiner Melodien sehr viel Wert auf die österreichische Musik des 19. Jahrhunderts legte. Etwas störend wirkten vier große Monitorlautsprecher, die die Sicht zur Bühne stark behinderten.

Bezaubernde Schwester

Thea Schuette sang bezaubernd und blühte in ihrer Rolle als Sissi auf. Der Schwede Johan Bech gab den galanten Franz Joseph. Gesanglich herausragend waren Julia Raich in der Rolle von Sissi-Schwester Nene und ein Duett, gesungen von Margot Loibnegger (Erzherzogin Ludovika) und Alois Walchshofer (Erherzog Max von Bayern).

Zur Aufführung kam die unplanmäßige Liebesromanze von Sissi und Franz Joseph, ihre prunkvolle Hochzeit in Wien, Sissis Auseinandersetzung mit der Schwiegermutter sowie ihre Flucht nach Possenhofen. Schließlich die Krönung in Budapest. Das Publikum honorierte die Darbietungen mit viel Beifall.
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