Musikbrücke zwischen Böhmen und Bayern

Das Konzert des Westböhmischen Symphonieorchesters Marienbad beendete die letzten Bayerischen-Böhmischen Kulturtage in Weiden. Bild: Kunz

Selten, zu selten ist sich klassische Musik ihrer politisch-gesellschaftlichen Aussage bewusst und bekennt sich zu dieser. Das Konzert des Westböhmischen Symphonieorchesters Marienbad in der Weidener Max-Reger-Halle war so ein rares Ereignis.

Das "Západoceský symfonický orchestr Mariánské Lázne" vereint Regionen und Herzen und ist beheimatet im Projekt "Musikbrücke 2015" des Centrums Bavaria Bohemia (CeBB) sowie dem Programm "Pilsen - Kulturhauptstadt Europas 2015". Der richtige Anlass, dass Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß seinem einstigen Kollegen Zdenek Král von der Patenstadt Marienbad als 32. Persönlichkeit die Ehrenbürgerwürde verlieh. Die bewegten, sehr authentisch wirkenden Dankesworte des Geehrten beeindruckten.

Gute Teamspieler

Das 1821 (!) gegründete Orchester mit seinem Dirigenten Martin Peschík verklanglichte die Patenschaft der nur 50 Kilometer entfernten deutsch- beziehungsweise tschechisch-sprachigen Städte mit einem trefflichen Programm aus seinen Paradedisziplinen: Vor der Schnauf- und Trinkpause Johann Strauss und Lehár, nach dieser Smetana, Dvorák und Fibich.

Bereits bei der einleitenden Ouvertüre zum "Zigeunerbaron" zeigen die Marienbader Musiker, welch gut koordinierte Teamspieler sie sind. Klarinette und Oboe faszinieren gleich mit ihrem seelenvollen, farbigen und kultivierten Klang. Weiter geht es mit Mazurka, Galopp, Walzern und Polkas von Strauss dem Junior. Wir hören ein kultiviertes Blech und samtweiche Streicher, die allerdings immer auf der Hut vor der dunklen Bläsermacht sein müssen.

Bei Franz Lehars "Gold-und-Silber-Walzer" zeigen sie, wie ein blitzsauberes Unisono unter die Haut gehen kann. "Im Krapfenwald'l" bei Wien profiliert sich der Dirigent verschmitzt als Tierstimmenimitator von Kuckuck und Lerche. Ein paar Schritte ab- und ostwärts, schon können wir in den Fluten der "Schönen blauen Donau" baden, sie erklingt mit geschmackvollen, spannungsreichen Tempoübergängen und differenzierter Agogik.

Gespannt gehen die Zuhörer in die zweite Halbzeit und werden nicht enttäuscht: Die Marienbader Orchestermusiker tauchen nun in ihr spezielles Metier ein. Sie wissen halt, wie die Musik ihrer tschechischen Landsleute gemeint ist: Dvoráks "Prager Walzer" von 1879 in fließend-perligem Schwung, aber ohne Hetz. Die berühmte Humoreske op. 101 mit gut gelaunter Melancholie, aber nicht aufgeschmalzt. Die Slawischen Tänze op. 46 (Nr. 1, 4 und 8) die Füße auf dem Boden, den Kopf hoch, aber weder lärmend, preussisch-schnarrend noch schuhplattlig-derb.

Wohltuende Botschaft

Zum Abschluss die Ballettmusik aus Smetanas "Verkaufter Braut" ein bisserl virtuos, ein bisserl tänzerisch, ein bisserl hintergründig-schelmisch. Da darf eine Zugabe nicht ausbleiben: Paul Linckes beschwingte "Berliner Luft" (1904) schließt den Bogen vom Prager Walzer zur deutschen Hauptstadt. Eine wohltuende Botschaft in beunruhigenden Zeiten.
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