Musikus trifft Musikant

Mit dem Kammermusikensemble Oxalys wurden am Sonntag die Weidener Max-Reger-Tage eröffnet. Auf dem Programm standen Streichsextette von Reger und Dvorák. Bild: Kunz

Geborene Musikanten geben bei den diesjährigen Max-Reger-Tagen Ton und Takt an. Gemünzt ist das Motto auf Reger und seine tschechischen Kollegen aus böhmischen Dörfern und Städten.

Bei seinem hochinteressanten Einführungsvortrag erläutert Prof. Dr. Wolfgang Rathert am Sonntag in der Max-Reger-Halle diese Verbindungen: Erfolgreiche Auftritte Regers zwischen 1906 und 1913 im Rudolfinum Prag, in Brünn, Olmütz und Karlsbad und seine Kontakte mit der Musik von Smetana über Dvorák zu Suk. Auch einer der begabtesten Reger-Schüler, der 1942 verstorbene Erwin Schulhoff (*1894) stammt aus Prag. Zwei Sextette gibt es dann im überfüllten Gustav-von-Schlör-Saal zu hören: Das 1878 komponierte op. 48 A-Dur von Antonín Dvorák und eingangs das op. 118 F-Dur von Reger aus dem Jahr 1910. Es spielt das 1993 in Brüssel gegründete Oxalys-Ensemble.

Saubere Intonation

Natürlich hat Reger Vortritt bei den Reger-Tagen, die Musiker legen gleich die Messlatte hoch: Saubere Intonation und makelloses Zusammenspiel sind bei einem Ensemble dieses Ranges eine Selbstverständlichkeit. Dazu ihre Kunst der Phrasierung, ihr kraftvolles Zupacken aber auch entspanntes Loslassen, wie sie dräuende Steigerungen anköcheln, aufwallen und abkühlen lassen: Das hat Format und - wie nicht so oft - unwiderstehlichen Charme. Das scherzoartige Vivace - ein als Zugabe wiederholtes Kabinettstück - lässt Regers verschmitzten und auch derben Witz aufleuchten. Das um so grüblerische Largo mit seinen nachdenklichen Fragegesten lebt von geradezu überbordender Chromatik und einer Dynamik-Bandbreite, die jedem Orgel-Schwellwerk Ehre machen würde.

Schon 32 Jahre früher - da war der Max erst fünf - hat Dvorák sein op. 48 vorgelegt. Er schöpft dabei aus den "unverbrauchten Melodien, Rhythmen und Formen der böhmischen Musik" (Rathert) und das mit bestem Erfolg. Eine Dumka substituiert den langsamen zweiten Satz. Abgründige, fatalistische Stimmungen werden angerührt, schwankend zwischen melancholisch und unbeschwert, das ist schon fast wie im Blues. Ein sanft wiegender Rhythmus setzt das Tüpfelchen auf das I. Der nachfolgende beredt sprudelnde Furiant (im Programm vertauscht abgedruckt) trumpft erst frech auf um sich dann geschwind wieder einzuschmeicheln. Zum Abschluss ein phantasievoller Variationensatz, der wie eine Referenz gegenüber der Formidee des Brahms-Quartetts B-Dur op. 67 von 1875 erscheint.

Mit genüsslicher Freude

Beide Komponisten spielen genüsslich mit allen Klangmöglichkeiten des Sextetts, Dvoráks vorteilhafte Erfahrung als praktizierender Streicher ist allerdings offensichtlich. Hervorzuheben ist noch die Primaria Shirley Laub: Sie wäre ein Lottogewinn für jedes Ensemble. Mit genüsslicher Freude kommuniziert sie mit ihren trefflichen Kollegen, spürt jeder emotionalen Nuance nach, weckt einen schmelzenden, süffigen Streicherklang. Als Nachschlag eine extra Portion Applaus.
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