Neuer Oberpfalz-Krimi "Waidwund" von Max Stadler
Mord und Habgier in tiefster Provinz

Max Stadler lässt wieder ermitteln. Der Wahlberliner, aufgewachsen in Schönsee, taucht mit seinem Kriminalroman "Waidwund" tief in die Oberpfalz ein - mit Ausflügen nach Kenia und Tansania. Windradgegner kommen zu Wort, es geht um Jagd und Extremsport, und ganz nebenbei ist noch ein Mord aufzuklären. Bild: Leila Paul

"Wussten Sie, dass die kenianische Hochebene der Oberpfalz wahnsinnig ähnelt?" Max Stadler hat wieder einen Oberpfalz-Krimi - diesmal ohne Lucille Clauss - verfasst. Gleich geblieben ist das Lokalkolorit, geschöpft aus seiner Heimat Schönsee, versetzt mit Ausflügen nach Afrika und aktuellen Themen.

"Waidwund" titelt der neue Kriminalroman von Max Stadler. Es geht um Verbrechen und Mord, aber auch um Jagd und Extremsport. "Diese zwei Elemente dienen dem Ausdruck einer gewissen Besessenheit", sagt Stadler (34). Er weiß wovon er schreibt. Als Sohn des Eslarner Försters machte er als 16-Jähriger die Jägerprüfung und ebenfalls seit vielen Jahren läuft er nach eigener Aussage "schon mal bis zur Übelkeitsgrenze".

Auch diesmal setzt er den kargen Landstrich nahe der tschechischen Grenze in Szene, beschreibt "Kaff und Dörfler". "Die Natur war widerspenstig, dunkel und gnadenlos. Der Himmel fern, die Sonne eine graue Eminenz. Sie hatte sich von den Einheimischen abgewandt." Man kennt sich, kein Geheimnis scheint vor fremden Augen sicher.

Windrad-Gegner im Focus

Nach dem grausamen Mord an einem verhassten Großbauern verschwindet nach und nach die ganze Familie Nübler. Der ruppige Kommissar Leitner geht den Fall gemächlich an - und muss sich später plötzlich beeilen. Er hat ein ganzes Dorf voller Verdächtiger, und doch scheint keiner etwas Genaues zu wissen. Und da ist noch ein Sohn des Bauern, der in den Weiten Afrikas rennt, als ginge es um sein Leben.

Was haben die Figuren mit dem Autor gemeinsam? "Das ich aus dem eigenen Erfahrungshorizont schöpfe, ist logisch. Daher kann es gut sein, dass die eine oder andere Anekdote meinem wahren Leben entspringt", gibt Stadler zu. Auch gewisse Einstellungen kann er im Roman nicht verhehlen: "Die scheinheilige deutsche Politik und die wachsene latente Ausländerfeindlichkeit finde ich sehr betrüblich, und das äußert sich im Handeln und Denken meiner Figuren." Mit alternativen Energien und Umwelt-Aktivismus packt er noch weitere aktuelle Themen an: Die Familie Nübler will Windkrafträder bauen, dass dabei die landschaftliche Idylle empfindlich gestört wird, ist ihnen egal. Eine Gruppe Jugendlicher setzt sich dagegen - und gerät ins Kreuzfeuer der Ermittlungen.

Der Autor dirigiert sein Figurenarsenal geschickt durch eine fiktive unheimlich weite Welt und streift dabei einen Elch - und fast nebenbei Rachsucht und Gerechtigkeit, Daheimbleiben und Fortgehen, Mitläufertum und Anti-Haltung, die Oberpfalz und die ganze Welt. Stadler kommt einige Male im Jahr zurück ins Elternhaus, am Ortsrand von Schönsee mit Blick "auf schwere Fichten" und die Grenze. Er mag die Wildschweine ("unheimlich intelligente Tiere und viel schlauer als Rehe") und verspürt auch zu den Oberpfälzern "zumeist ein starkes Gefühl der Verbundenheit". Man wisse, woran man ist, im Guten wie im Schlechten. Das sei sehr beruhigend.

Ein Weltenbummler

Aber auch nach Kenia fährt Stadler gerne. Er hat hier einige Zeit gelebt und deshalb oft Sehnsucht nach dem schwarzen Kontinent und erzählt von Mais- und Getreidefeldern, Nadelwäldern und dem kühlen Wind. "Wussten Sie, dass die kenianische Hochebene der Oberpfalz wahnsinnig ähnelt? Mal abgesehen von den giftigen Schlangen und den verfallenen Hütten. Wobei letzteres immer mehr eine Gemeinsamkeit zu werden scheint!" Da ist er wieder, der scharfe Blick von außen. Distanz, Zynismus - die Sehnsucht danach, ein "Eingeborener" zu sein. "Waidwund" - ein Heimatkrimi eines Weltenbummlers.
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