Neues Album von William's Orbit: "Once"
Alles andere als provinziell

Lukas Höllerer, Michael Siegel, Siegfried Häusler und Christian Gold (von links) freuen sich auf die Veröffentlichung ihrer ersten CD "Once", mit der sie ab Mai auch auf Tournee gehen. Bild: Christian Simmerl
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
25.04.2016
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"Der Titel unseres Debütalbums 'Once' kann sowohl mit 'einst' oder 'einmalig' interpretiert werden", erklärt Goldi zum besseren Verständnis. "Diese Doppeldeutigkeit passt ganz wunderbar dazu! Jedenfalls ist es unserer Ansicht nach der richtige, aufbauende Titel für diese Platte."

"Wir fühlen uns einerseits der klassischen Tradition von Pop-Musik verhaftet, gleichzeitig hoffen wir, etwas Einmaliges zu kreieren.", sagt "Goldi", der eigentlich Christian Gold heißt. Doch wie seine drei Mitstreiter der Weidener Formation William's Orbit lässt sich der Keyboarder lieber mit Spitz- beziehungsweise Vornamen in der Öffentlichkeit anreden. Das sorgt für Zusammengehörigkeit, für Vertrautheit. Für die unbedingte Verbundenheit mit der inzwischen nicht unwesentlichen Anhängerschaft der Gruppe.

Erschreckende Treue


Wie beliebt der Oberpfälzer Vierer mittlerweile ist, beweist der folgende Umstand: Die Produktion der zehn Lieder auf "Once" (Motor Music, Release am 6. Mai) wurde via Crowdfunding finanziert. "Im Herbst 2015 starteten wir einen Aufruf an die Fans, uns zu unterstützen, damit wir die Platte realisieren können. Zwei Tage später waren die 10 000 avisierten Euro zusammen. Wahnsinn - die Treue all dieser Menschen mit der Band war beinahe erschreckend", staunt Sänger Sigi nach wie vor. "Klar ist, dass all unsere Unterstützer etwas Persönliches von uns zurückbekommen werden. Wir sind übrigens die ersten in der Gegend, die so ein Projekt erfolgreich durchgezogen haben."

"Die Gegend", das ist die beschauliche Stadt Weiden, in der sämtliche William's Orbit-Mitglieder groß geworden sind und wo sie weiterhin leben. "Wir haben mit der lokalen Szene zwar nicht wahnsinnig viel zu tun", erklärt Bassist Lukas, "aber wir würden unsere Wurzeln nie verleugnen. Es sieht auch nicht so aus, als würden wir in absehbarer Zeit in die Pop-Mekkas Berlin, London oder New York fliehen. Ein überschaubarer Ort wie Weiden ist gerade recht, um seine ureigenen Ideen auszubrüten, ohne dabei von konkurrierenden Inspirationen gestört zu werden."

Dabei klingt der Sound von "Once" alles andere als provinziell. Vielmehr haben sich William's Orbit in die Tradition großer Helden gestellt - national sind das Fury In The Slaughterhouse oder die Jeremy Days, international der 1970er David Bowie, XTC oder die Talking Heads. Solche Verweise klingen verwegen, die Realität hält ihnen allerdings problemlos stand. "Wir selbst sehen uns schlicht als 'Indie Rock-Band', die Harmonien mit Ecken und Kanten produziert", meint Gitarrist Michael. "Als wir uns im Jugendzentrum unserer Heimatstadt über den Weg liefen, war die musikalische Ausrichtung rasch klar - gerne eingängig, aber niemals angepasst."

Obwohl die William's Orbit-Mitstreiter erst Anfang bis Mitte 20 sind, hat die Formation bereits vor acht Jahren zusammen gefunden. Zwei Umbesetzungen gab es mittlerweile, 2012 wurde der Mann am Bass ausgetauscht, 2015 der Schlagzeuger. "Streit gab es deshalb nie", erklärt Frontmann Sigi, "aber die aktuellen Mitglieder verfolgen die große Vision, dass wir in Zukunft die weite Welt mit unseren Liedern erobern wollen. Dazu gehört eine Live-Ochsentour, sonst kannst du heutzutage nicht berühmt werden. Keine Tingeltangel-Basis mehr, sondern das Ganze professionell aufziehen. Ich denke, unser Stoff ist für einen solchen Anspruch gut genug."

"Beste Nachwuchsband"


Dass die Überzeugungstäter mit ihrer Einschätzung keiner verqueren Illusion aufsitzen, beweisen einige Umstände: Zwei ausverkaufte Release-Shows für die Debüt-EP "Eurydice" von 2014. Jede Menge Auftritte, Airplays und Interviews, quer durch die Republik. Der "Verband für Popkultur in Bayern" nahm die Gruppe 2015 als eine von sieben bayerischen Bands in ihren diesjährigen "BY-On"-Förderpool auf. Das unabhängige Nürnberger "Radio Z" zeichnete den Fünfer mit dem 27. Stroboskop Award als "Beste Nachwuchsband der Metropolregion" aus.

Denn die zehn Kompositionen von "Once" beherbergen eine ganz eigene Dynamik, eine ganz eigene Sensibilität, getrieben von Sigis unverkennbarer Stimme, die mal Druck ausübt, mal Leidenschaft verbreitet, mal melancholisch fleht. Es ist eine jener markanten Stimmen, die dem Freund klassischer Rock-Musik für immer in Erinnerung bleiben wird. Dazu die unaufgeregten, dennoch unmissverständlichen Harmonien der Gruppe.

Produziert wurde "Once" übrigens vom renommierten Berliner Tobias Siebert, selbst Musiker (zum Beispiel der Indie-Heroen Klez.E) und hinter dem Mischpult verantwortlich für Aufnahmen etwa von Slut, Philipp Boa & The Voodoo Club, Juli oder Virginia Jetzt!. "Tobias hatte von Beginn an Lust, mit uns zu arbeiten, nachdem er unsere Demos gehört hatte", schwärmt Gitarrist Michael. "Seine unbändige Kreativität hat unserem Sound den endgültigen Schliff verpasst."

Und jetzt liegt mit "Once" ein Indie Rock-Meisterstück vor, das es zu entdecken gilt. Ach, all die Liebe, das Detail, die Emotion, die darin steckt. In kalten, berechenbaren Zeiten wie den unseren darf so ein Werk keineswegs untergehen. Sonst ist die Welt um eine wichtige künstlerische Bereicherung ärmer.

Release-Show ist am Freitag, 6. Mai (20 Uhr), im Weidener Jugendzentrum.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 sowie unter www.nt-ticket.de
Wir selbst sehen uns schlicht als "Indie Rock-Band", die Harmonien mit Ecken und Kanten produziert.Gitarrist Michael Siegel

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