Nichts los? Von wegen: Die "Regi" hat mehr als 600 Besucher täglich
„Immer noch weit oben“

Nichts mehr los? Von wegen. Auch wenn die Zahl der Leser sinken mag, die Regionalbibliothek hat noch immer eine Menge Besucher, betont Chefin Sabine Guhl. Bild: Götz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
30.09.2016
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Es stimmt schon, den Zahlen nach hat die Regionalbibliothek eine Menge ihrer Leser verloren. Gegen den Eindruck einer verwaisenden Einrichtung verwahrt sich Chefin Sabine Guhl allerdings. Denn es gibt auch Zahlen und Leistungen, die eine ganz andere Lesart zulassen.

Ja, ist denn bei euch gar nichts mehr los? Fragen wie diese hörte Guhl einige, seit der NT über die sinkende Zahl der "aktiven Leser" (Kunden, die mindestens einmal im Jahr ihren Bibliotheksausweis benutzen) in der "Regi" berichtet hat. Rund 7500 davon zählte die Einrichtung 2015. Das sind halb so viele wie noch zehn Jahre - und zwei Gebührenerhöhungen - zuvor. Diese Tendenz kennt Guhl natürlich auch. Aber dass nichts mehr los ist in der "Regi", das könne man nicht behaupten.

Über 600 Gäste täglich


Denn da seien ja auch andere Zahlen. 186 608 zum Beispiel. So viele Besuche verzeichnete die Einrichtung vergangenes Jahr. Pro Öffnungstag deutlich mehr als 600. Überhaupt, so Guhl, stehe die "Regi" auch im bayernweiten Vergleich "immer noch weit oben". Straubing etwa mag mehr Einwohner haben. Leser und vor allem Besucher gibt es weniger in der dortigen Bibliothek. Auch gegenüber vielen anderen ähnlich großen Städten fällt die hohe Besucherzahl der "Regi" auf. Und das, obwohl "Weiden die mit Abstand teuerste Bibliothek in Bayern hat", wie Guhl sagt. Ja, selbst bundesweit "habe ich noch keine teurere gefunden".

Lieb und teuer ist die Einrichtung sehr vielen Menschen also weiterhin. Wie sehr, das lasse sich im Übrigen nicht nur mit Zahlen belegen, sagt Guhl. Viele sähen in der "Regi" einfach nur "eine Ausleihstation". Dabei sei das "nur ein Bruchteil unserer Aufgabe".

Hinzu komme beispielsweise, Nutzern zu erklären, wie sie ausgeliehene E-Books auf ihr Lesegerät überspielen - auch wenn das schon mal eine halbe Stunde in Anspruch nehmen könne. Hinzu komme jüngst, die "Regi" mit Angeboten für Flüchtlinge auszustatten und ihnen die Einrichtung zu erklären. Hinzu komme vor allem natürlich, die Lesefähigkeit zu fördern - nicht nur, aber insbesondere für Kinder.

Zeitraubend, aber wichtig


Das schlage sich freilich ebensowenig in Zahlen nieder wie eine andere Tendenz: Was in jüngster Zeit besonders stark zugenommen habe, seien Recherchearbeiten. "Wir stehen für neutrale, qualitätssichere Information", erläutert Guhl. Und dazu gehöre es auch zu helfen, wenn etwa Schüler Informationen zu ihrer Abschlussarbeit suchen. Oder wenn jemand Fragen zur Türkei nach dem Putschversuch hat.

Bücher über ein so aktuelles Thema gibt es noch nicht. Deshalb helfen die Mitarbeiter nicht zuletzt dabei, seriöse Quellen im Netz zu finden. Das mag dauern. Aber, meint Guhl, es wird immer wichtiger. Denn gerade bei jüngeren Leuten stelle sie fest, dass die zwar gut mit Technik umgehen können, sich mit der Bewertung von Onlinequellen aber schwer täten. Dabei sei genau das eine Schlüsselkompetenz. Jetzt schon. Und in der Zukunft umso mehr. Für die "Regi" bedeutet das, dass in der ein oder anderen Form auch in Zukunft noch einiges los sein könnte.

Folgen der SparbeschlüsseWenn Sabine Guhl die hohen Besucherzahlen der Regionalbibliothek betont, mag das auch mit dem Spardruck zu tun haben, der auf der Stadt und damit auch auf ihrer Einrichtung lastet. Wobei - das gehört ebenso zum Bild - die Besucher schon einmal mehr waren. 2013 etwa zählte die "Regi" noch 250 707. Der Rückgang hat nicht nur damit zu tun, dass es heute weniger Leser gibt. Auch der Besuchermagnet Weinlesefest ist inzwischen Geschichte. Und: Es sind insgesamt nur noch sehr wenige Veranstaltungen in den Räumen der "Regi" zu verzeichnen. Auch das hängt mit den Sparbemühungen zusammen: Seit 2015 ist für viele Veranstaltungen für erwachsenes Publikum in der Bibliothek Miete fällig.

Folge: Es gab das gesamte vergangene Jahr im Saal nur noch fünf solcher Veranstaltungen (Literaturtage nicht berücksichtigt), im Café sogar keine einzige. 2013 waren es noch 107 Termine für Erwachsene, etwa Lesungen oder das inzwischen gestrichene "Frühstück mit Musik".
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